# taz.de -- Streit um richtige Corona-Schulpolitik: Wir alle haben ein Problem
       
       > Hamburgs Schulsenator Ties Rabe wurde zur Reizfigur, weil er oft betonte,
       > die Schulen seien sicher. Besser als Streit wäre ein Runder Tisch.
       
 (IMG) Bild: Im März war sogar Fußballspielen verboten. Soweit sollte es nicht wieder kommen
       
       Einige Kommentare in sozialen Netzen sind sehr aufgeheizt. Nach dem Motto:
       jetzt ist der Schulsenator fällig, der Lüge überführt. Weil nun durch
       [1][Blick auf Gene bewiesen ist, dass Schüler sich an Schulen infizieren].
       Aber bei genauer Betrachtung wird klar: gelogen hat Ties Rabe nicht. Der
       Hinweis, dass es auch an Schulen Infektionen gibt, findet sich in mehreren
       Pressemitteilungen. Außerdem zeigt auch dieser Virus-Abgleich noch nicht,
       wann und wo eine Ansteckung erfolgte.
       
       Aber Rabe, der auch die SPD-regierten Länder in der Bildungspolitik
       koordiniert, ist zur Reizfigur geworden, wird er doch nicht müde zu
       betonen, dass sich Kinder häufiger außerhalb der Schule infizieren.
       Abgesehen davon, dass diese Aussage durch Reihentests besser abgesichert
       wäre, kann so eine Prozentrechnerei Eltern auch auf die Palme bringen, weil
       das eigene Kind ja zu den x Prozent gehören könnte, die die Ausnahme bilden
       und eine Gefahr droht, der sich wegen der Schulpflicht nicht ausweichen
       lässt.
       
       Rabe betreibt hier eine zugespitzte Kommunikation und greift solche Sorgen
       kaum auf. Ein Runder Tisch, wie die Linke ihn fordert, wäre wahrscheinlich
       wirklich nicht schlecht. Denn nicht Herr Rabe allein, auch nicht die 16
       Kultusminister, wir alle haben ein Problem, die Kinder gut durch diese
       Krise zu bekommen. Und Rabe hat ja Recht, die Schüler können sich ebenso in
       der Freizeit anstecken. Deshalb waren ja im April sogar Spielplätze und
       Bolzplätze abgesperrt. Es lässt sich aber auf Dauer die Jugend nicht
       Zuhause einsperren. Die Schule ist unsere Sozialisationsinstanz. Und auch
       Wechselunterricht und halbierte Klassen bergen ein Restrisiko.
       
       Vieles spricht dafür, dass der Lockdown über den 10. Januar hinaus
       verlängert wird. Vielleicht werden manche bald sagen: wie gut für die
       Kinder, dass die Schulen wenigstens vom Sommer bis Weihnachten offen waren.
       Dafür steckten die Kultusminister viel Prügel ein. Wir brauchen keine
       Rücktritts-Debatten, sondern pragmatische Lösungen, die den Kindern so viel
       Normalität wie möglich erlauben. Übrigens: Es war die Gesundheitssenatorin,
       die diese kleine Studie als Beruhigungspille ankündigte. Damit stand auch
       sie in der Pflicht, die Bevölkerung zu informieren.
       
       29 Dec 2020
       
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