# taz.de -- Fernsehen zu Weihnachten: Jauchzet, frohglotzet
       
       > Zwischen Entenbraten und Tannenbaum läuft im Fernsehen jedes Jahr das
       > Gleiche. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken, es gibt Hoffnung.
       
 (IMG) Bild: Früher war eben mehr Lametta oder gefühlt 36 Mal „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“
       
       Am vorletzten Sonntag war es wieder so weit. Der zweite Teil des
       Jubiläums-„Tatorts“ „In der Familie“ war genau so mau wie der erste. Wenn
       mir das jemand zum 50sten schenken würde, nähme ich das persönlich. Genauso
       wie die anschließende „Anne Will“-Sendung, wo mit diesem Ösi-Republikaner
       Belangloses zu Trump verhandelt wurde.
       
       Irgendwann beschlich einen die Vermutung, jemand habe [1][Holger
       Stahlknecht] zum ARD-Programmdirektor gemacht. Damit der sein „Njet“ zur
       Beitragserhöhung noch mal mit passenden Programmbeispielen untermauern
       konnte. Wie wir heute wissen, hat an diesem Sonntag auch Sachsen-Anhalts
       Ministerpräsident Reiner Haseloff ARD geguckt, die er wie das ZDF ja gerne
       „Westfernsehen“ nennt.
       
       Jetzt haben wir den Salat, womit gar nicht der Beitragserhöhungsschlamassel
       gemeint ist. [2][Das darf ja mal wieder das Bundesverfassungsgericht
       richten]. Nein, es geht ums Weihnachtsprogramm. Zum Beispiel Heiligabend:
       Wer um alles in der Welt ist bloß auf diese Doppelpackung gekommen? Erst
       der „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“-Spielfilm, dann die
       „Feuerzangenbowle“? Also schön bei „Ganz in Weiß“ sedieren, um sich
       anschließend beim weichgespülten Nazi-Durchhaltespaß von 1944 fröhlich
       einen hinter die Binde zu kippen.
       
       Früher war eben mehr Lametta oder gefühlt 36 Mal „Drei Haselnüsse für
       Aschenbrödel“. Denn das sind nun mal unsere [3][besinnlichen
       TV-Traditionen]. Im besten Fall sitzen wir mit der gesamten
       Patchworkfamilie unterm Tannenbaum, voll aufgeregt auf eine andächtige
       Weihnachtsansprache.
       
       Es ist einfach diese Überforderung in der multimedialen Weihnachtszeit:
       Zwischen Frühstück und Gänsebraten läuft die Glotze, Weihnachtssingen im
       Radio und parallel zur neusten Coronahochrechnung in der tagesschau-app
       laufen im Linear-TV Helene’s schönste Momente.
       
       Wir fiebern dem entgegen und sind dann doch enttäuscht: Nur alte Hüte im
       Ersten, Zweiten und Dritten. Können wir programminhaltlich komplett zum
       Schrott-Wichteln geben. Wirklich nicht auszudenken, was jetzt passiert,
       weil ja wegen Sachsen-Anhalt 381 Beitragsmillionen pro Jahr fehlen. „Es
       wird sich auf den Inhalt auswirken“, sagt ARD-Chef Tom Buhrow.
       
       Deshalb jetzt hier die ultimative Empfehlung der Mitbewohnerin, von der
       ohnehin der halbe Text ist: „Warten auf’n Bus“. Die großartigste deutsche
       Serie, da legen wir uns jetzt schon mal fest, geht so, wie noch nie eine
       Serie ging. Sie handelt von nichts. Und von allem. Von uns. Egal wo wir
       gerade sind. Auch an Weihnachten. Hat nicht sie gesagt, sondern Elmar
       Krekeler in der Welt. Und beide haben recht.
       
       16 Dec 2020
       
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 (DIR) Steffen Grimberg
       
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