# taz.de -- Coronamythen und Fakten: Eine Mogelpackung
       
       > „Querdenker“ war früher mal eine Selbstbezeichnung von Linken, die nicht
       > konform gingen. Die sich heute so bezeichnen, sind aber nur
       > rücksichtslos.
       
 (IMG) Bild: Querdenker mit Pali-Tuch und „Corona-Bier“-Tasche auf dem Kopf demonstriert gegen die Lügenpresse
       
       Das Selbstverständnis jener Menschen, die den Beschlüssen zu [1][Corona
       skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen], ist in einem Wort gebündelt:
       „Querdenken“. Für Linksalternative ist diese Titulierung eine Zumutung,
       denn historisch waren und sind sie es doch, die sich stets viel darauf
       zugutegehalten haben, quer zu denken.
       
       Quer zum Mainstream, zur Masse überhaupt – das gilt mindestens seit den
       späten fünfziger Jahren als nicht unwichtiges Abgrenzungsmerkmal für
       kritische, das heißt vor allem linke und linksliberale Bürger:innen.
       
       Man charakterisierte sich oft mit diesen Vokabeln selbst: „Nonkonformist“,
       „engagiert kritisch“, „mein liebster Platz ist der zwischen allen Stühlen“
       oder auch, eben, „Querdenker“. Besonders gern fanden und finden sich diese
       Selbstbeschreibungen in grünen oder alternativen Szenen, „Gegen den Strom“
       ist eine der liebsten Sprachwendungen in den Jahren des grünen
       Parteibildungsprozesses in den frühen Achtzigern.
       
       Historiker:innen, die sich in vielen Jahren um unsere Zeit jetzt zu kümmern
       haben, werden feststellen, dass sich die einstigen Nonkonformisten zu
       Fellows staatlicher und gesellschaftlicher Vernunft entwickelt haben,
       Mainstream geworden sind.
       
       Sei’s drum: Die [2][„Querdenker“-Umzüge und -Demonstrationen] verkörpern
       eine Mogelpackung in dieser Selbststilisierung, als Nonkonformist:innen
       aller Art wenigstens dies einst nicht eigen war: Rücksichtslosigkeit in
       Alltagshandlungen.
       
       Demonstrativ keine Masken zu tragen, wie es bei „Querdenker“-Versammlungen
       üblich ist, mag womöglich auch querdenkerisch (gegen das
       naturwissenschaftlich Plausible) sein, aber vor allem ist es antisozial.
       Wer keinen Mund-und-Nasen-Schutz trägt, gefährdet vor allem andere (und
       auch sich selbst) – das wäre echten Quergeistern nie passiert.
       
       17 Dec 2020
       
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 (DIR) Jan Feddersen
       
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