# taz.de -- Neues Abtreibungsrecht in Argentinien: Großer Erfolg für die Frauen
       
       > Nicht nur in Argentinien, nicht nur, wenn es um Abtreibung geht, leiden
       > Lateinamerikas Frauen. Doch den Machismo lassen sie sich nicht mehr
       > gefallen.
       
 (IMG) Bild: Jubel in Buenos Aires nach der Abstimmung im Senat
       
       Die [1][Entscheidung des argentinischen Senats, Schwangerschaftsabbrüche zu
       legalisieren] und kostenlos anzubieten, ist ein Riesenfortschritt für
       Frauen: Keine Frau muss mehr an einer Abtreibung sterben oder
       gesundheitliche Folgen befürchten, weil der Eingriff heimlich und nicht
       fachgerecht erfolgt.
       
       Es ist aber vor allem auch ein Riesenerfolg für die feministische Bewegung
       in dem südamerikanischen Land. Denn in Argentinien ist der Katholizismus,
       der Abtreibung verteufelt, stark ausgeprägt. Auch wenn die katholische
       Kirche im Heimatland von Papst Franziskus inzwischen an Einfluss verliert,
       fühlen sich immer noch etwa 80 Prozent der Bevölkerung den katholischen
       Regeln verpflichtet.
       
       Zahlreiche Frauenorganisationen haben jahrzehntelang für das Recht auf
       Abtreibung gekämpft. Und sie kämpfen weitehrin für
       Geschlechtergerechtigkeit. Diese Kämpfe fanden und finden nicht nur in
       Argentinien statt, sondern in zahlreichen Ländern Süd- und Lateinamerikas.
       Selbst in diesem Jahr, als Corona Demonstrationen und Kundgebungen
       erschwerte, haben Frauen auf dem Kontinent den Aufstand gewagt. Allein am
       8. März, dem Internationalen Frauentag, haben sie massenhaft gestreikt und
       ein Zeichen gesetzt: So geht es nicht mehr weiter. Denn das Machtgefälle
       zwischen Frauen und Männern ist in Süd- und Lateinamerika noch stärker
       ausgeprägt als in Europa.
       
       Von den 25 Ländern mit den weltweit höchsten Femizidraten liegen 14 in
       Südamerika. In Argentinien stirbt alle 30 Stunden eine Frau aufgrund
       geschlechtsspezifischer Gewalt. [2][In Mexiko werden jeden Tag
       durchschnittlich 10 Frauen getötet] – durch den Partner oder weil die Morde
       politisch motiviert sind. Der Gender Pay Gap beträgt in Argentinien 33
       Prozent, in Kuba sind es 23 Prozent. Unter den Folgen der Misswirtschaft in
       Venezuela, Ecuador, Brasilien und Bolivien leiden vor allem Frauen und
       Kinder. Von Frauen wird erwartet, den Haushalt zu führen.
       
       Diesen Machismo lassen sich die Frauen in Lateinamerika nicht mehr
       gefallen. Der Aufstand dagegen begann – als Bewegung „Ni una menos“ („Nicht
       eine weniger“) – 2015 in Buenos Aires.
       
       30 Dec 2020
       
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 (DIR) Simone Schmollack
       
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