# taz.de -- Landwirte gegen zu billige Lebensmittel: Bildet Bauernkartelle!
       
       > Bauern sollten nicht nur Aldi dafür verantwortlich machen, dass sie zu
       > wenig verdienen. Sie müssen sich zu Kartellen zusammenschließen.
       
 (IMG) Bild: Für faire Milchpreise: Milchbauern-Protest vor einer Molkerei in Wismar im November
       
       Die Klagen des Deutschen Bauernverbands und vieler Landwirte über die
       [1][Billigpreispolitik von Aldi], Lidl und den anderen Supermarktketten
       sind wohlfeil. Diese Bauern lenken von ihrer eigenen Verantwortung dafür
       ab, dass sie zu wenig für ihre Produkte wie Milch oder Schweine bekommen.
       
       Der Handel tut nur das, was sein Job ist: Er kauft Lebensmittel so billig
       wie möglich ein, damit er sie mit möglichst viel Gewinn verkaufen kann.
       Dass vom Endpreis heute weniger als vor 50 Jahren bei den Bauern ankommt,
       liegt nicht nur an der größeren Konzentration des Handels auf lediglich
       noch vier Konzerne. Der wichtigste Grund für die Preissenkungen ist
       vielmehr, dass die Bauern dank Technik die Produktionskosten in den
       vergangenen Jahrzehnten stark reduziert haben. Zudem produzieren sie von
       vielen Lebensmitteln schlichtweg viel mehr, als Deutschland verbraucht –
       weil sie auf den Export setzten, der aber immer wieder zusammenbricht, zum
       Beispiel wegen Tierseuchen. Da das Angebot die Nachfrage übersteigt,
       verfallen die Preise.
       
       Die Bauern könnten sich zu Kartellen zusammenschließen, die die
       Produktionsmenge – falls nötig – senken. Im Gegensatz zu anderen Branchen
       dürfen sie das laut EU-Recht. Es stimmt, dass bisher auch eine Beteiligung
       etwa der [2][Molkereien] an solchen Branchenorganisationen vorgeschrieben
       ist, aber diese Gesetze ließen sich relativ leicht anpassen. Doch beim
       Bauernverband ist noch nicht einmal der Wille erkennbar zu solchen
       Kartellen. Das liegt auch daran, dass seine Funktionäre selbst in
       Aufsichtsräten von Molkereien sitzen, die die Einkaufspreise drücken. Er
       vertritt da eben nicht immer die Interessen der Bauern. Oder er lässt sich
       leiten von den Interessen einiger großer landwirtschaftlicher Betriebe, die
       mit dem Preisdruck doch noch ganz gut klarkommen, indem sie kleinere Höfe
       aus dem Markt kegeln.
       
       Das können und müssen die Landwirte ändern. Sie könnten andere Funktionäre
       wählen und den eigenen Verband stärker unter Druck setzen, Kartelle zu
       fördern. Das wäre effizienter, als die Schuld auf andere zu schieben.
       
       10 Dec 2020
       
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