# taz.de -- Nach „Querdenken“ und Pegida-Demo: „Meinungsfreiheit“ in Sachsen
       
       > In Leipzig prügelten Nazis auf Journalist:innen ein und in Dresden durfte
       > am 9. November Pegida Kundgebungen abhalten. Es schmerzt.
       
 (IMG) Bild: Querdenken in Leipzig: mit wenig Abstand und die meisten ohne Maske
       
       Am vergangenen Wochenende haben Nazis in Leipzig demonstriert. Angeblich
       gegen die Coronamaßnahmen, in Wahrheit ging es vielen von ihnen um etwas
       ganz anderes. Hier drei vielsagende Szenen:
       
       Ein Mann trägt einen schwarzen Pullover, auf seiner Brust steht in weißen
       Buchstaben: WARM ANZIEHEN. Geschmückt hat er sein Outfit mit einem
       besonderen Accessoire: einer Reichsflagge. Er trägt, anders als viele
       seiner Kamerad*innen, eine Maske. Darauf gedruckt sind die Nase, der
       Oberlippenbart und der Mund von Adolf FUCKING Hitler.
       
       Auf einem Video ist zu sehen, wie Dutzende fröhlich feiern. Sie rufen:
       [1][„Maskenfrei! Maskenfrei!“] Während viele Bürger*innen depressiv, aber
       diszipliniert im Lockdown hocken, formt sich eine Polonaise in der
       Innenstadt von Leipzig. Zehn Zentimeter Abstand zwischen ihren Gesichtern.
       Gute Stimmung in Sachsen. Nicht ausgeschlossen, dass sich einige von ihnen
       später auf Facebook über „durch Migration eingeschleppte Krankheiten“
       beschweren werden. Die Grenze zwischen [2][Nazis und Nazis] ist ja
       fließend, ihre ideologische Welt macht wenig Sinn. Die Polizei lässt sie
       tanzen. Andere werden später ebenso ungehindert aus diesen Gruppen heraus
       [3][Journalist*innen verprügeln].
       
       Apropos Polizei: [4][Auf einem weiteren Video ist eine Menschentraube zu
       sehen], auch hier trägt niemand Maske. Langsam fährt eine Polizeiwanne
       vorbei. Der Beamte auf dem Beifahrersitz guckt aus dem Fenster. Er überlegt
       kurz, dann streckt er seinen Daumen nach oben, so wie in einem
       Baumarkt-Werbespot, der ein gutes Gefühl vermitteln soll, obwohl man null
       handwerklich begabt ist. Ein Karl-Heinz ruft der B*llerei aus der Menge zu:
       „SUPA, SUPA!“
       
       Super ist aber nichts an diesem verkackten Wochenende. Ich habe hier schon
       mal festgestellt: Wer unwidersprochen neben Nazis marschiert, ist selbst
       ein Nazi. Und ich frage an dieser Stelle nun die Politik im Bund und in
       Sachsen, Richter*innen, wie jene am Oberverwaltungsgericht in Bautzen, das
       den Nazi-Aufmarsch explizit in der Innenstadt von Leipzig genehmigt hat
       (unter der Auflage, dass alle Maske tragen: LOL) und die Verantwortlichen
       bei der Polizei: HABT IHR SIE NOCH ALLE? Kommt mal klar auf eure
       antifaschistische Voreingenommenheit! Während „die ganze Härte des
       Gesetzes“ und „null Toleranz“ für Nazis nicht gelten, werden
       antifaschistische Gegendemonstrant*innen in Sachsen selbstverständlich mit
       allen Mitteln verfolgt. Schande!
       
       Ein paar Kilometer weiter in Dresden, am 9. November 2020, also am
       Gedenktag der Pogromnacht, wurden alle Andachten coronabedingt abgesagt.
       Das schmerzt. Die Behörden in Sachsen streuten mit Absicht zusätzliches
       Salz in die Wunde: Pegida durfte nämlich mit rechtsextremen Rednern
       auftreten. Auf einem Bild ist ein Transparent mit Hakenkreuz erkennbar. Das
       muss sie sein, diese „Meinungsfreiheit“.
       
       11 Nov 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://twitter.com/elmsfeuer1/status/1325169739463708672
 (DIR) [2] /Corona-Protest-nach-Leipzig-Demo/!5724075
 (DIR) [3] /Gewalt-gegen-JournalistInnen/!5724074
 (DIR) [4] https://twitter.com/shelly_pond/status/1325162046330171392?s=20
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mohamed Amjahid
       
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