# taz.de -- Politische Gefangene in Ägypten: Zwei Briefe für Sisi
       
       > Rund 280 Politiker*innen aus Europa und den USA wenden sich gegen
       > Ägyptens Al-Sisi-Regime. Die Inhaftierung Andersgesinnter gefährde die
       > Beziehungen.
       
 (IMG) Bild: Eine von vielen in ägyptischen Gefängnissen: Aktivistin Sanaa Seif, hier im Jahr 2014
       
       Kairo/Berlin/Brüssel dpa/taz Mit Briefen an den ägyptischen Präsidenten
       Abdel Fattah al-Sisi wollen rund 280 Abgeordnete und Senator*innen aus
       Deutschland, anderen EU-Ländern und den USA die Freilassung politischer
       Gefangener erreichen. Die Inhaftierungen untergraben „das Fundament unserer
       gemeinsamen Beziehungen“, heißt es [1][in einem am Mittwoch
       veröffentlichten Brief], den rund 220 europäische Abgeordnete
       unterzeichneten. Darunter sind mehr als 80 Angehörige des EU-Parlaments
       sowie rund 30 Bundestagsabgeordnete.
       
       In einem am Montag veröffentlichten [2][Brief] hatten bereits mehr als 50
       US-Abgeordnete und Senatoren ähnliche Forderungen gestellt. In beiden
       Briefen werden mehrere prominente Fälle konkret genannt, etwa der [3][Fall
       Sanaa Seif, über den die taz im Juni berichtete]. Die Aktivistin aus einer
       für ihren politischen Aktivismus bekannten Familie wurde im Juni
       verschleppt und weggesperrt.
       
       Auch ihr Bruder Alaa Abdel Fattah wird in dem Brief der
       EU-Parlamentarier*innen, der der taz vorliegt, genannt. Die
       Unterzeichner*innen erinnern zudem an den [4][Filmemacher Shady Habash],
       der im Frühjahr im Alter von nur 24 Jahren im Tora-Gefängnis in Kairo
       gestorben war.
       
       Die ägyptische Regierung hatte die Einschränkungen für Gefangene nach
       Ausbruch der [5][Coronapandemie] verschärft. Diese durften über Monate
       keinen Besuch empfangen, obwohl sie teils auf Essensgaben von
       Besucher*innen angewiesen sind. Die begrenzten Möglichkeiten, Informationen
       an Verwandte weiterzugeben, wurden weiter beschnitten und die Zeiten in
       Untersuchungshaft verlängert.
       
       Laut Menschenrechtler*innen verbringen einige zwei Jahre und mehr ohne
       ordentliche Anhörung oder Aussicht auf einen Prozess hinter Gittern. Im
       Tora-Gefängnis begannen Insass*innen vor gut einer Woche einen
       Hungerstreik, um gegen die schlechte Behandlung zu protestieren.
       
       ## Deutschland eng verbündet mit Ägypten
       
       „Die extreme Überbelegung und der mangelnde Zugang zu medizinischer
       Versorgung in den Haftanstalten schaffen eine dramatische Situation“, heißt
       es im Brief der europäischen Abgeordneten. Die Untersuchungshaft müsse auf
       ein „absolut notwendiges Mindestmaß“ beschränkt und die Inhaftierung von
       Journalist*innen und Aktivist*innen beendet werden.
       
       „Dies sind Menschen, die überhaupt nicht hätten inhaftiert werden sollen“,
       schreiben die Kongressmitglieder aus den USA. Mit Ausnahme des unabhängigen
       Senators Bernie Sanders, der den Demokraten nahesteht, gehören alle
       Unterzeichner der Demokratischen Partei an.
       
       Für Ägypten zählen Deutschland und die USA zu wichtigen Verbündeten. Das
       nordafrikanische Land war dieses Jahr Hauptempfänger deutscher Kriegswaffen
       mit einem Exportvolumen von 585,9 Millionen Euro und zählt auch zu den
       größten Empfängern von US-Militärhilfe. Europa unterstützt auch Kairos
       Bemühungen um ein Hilfspaket des Internationalen Währungsfonds in Höhe von
       12 Milliarden US-Dollar, ohne dabei eine Verbesserung der
       Menschenrechtslage einzufordern.
       
       21 Oct 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://twitter.com/jannishagmann/status/1318871928099262464?s=20
 (DIR) [2] https://khanna.house.gov/sites/khanna.house.gov/files/KhannaMcGovernBrown_SisiPoliticalPrisoners.pdf
 (DIR) [3] /Aktivistin-Sanaa-Seif-in-Aegypten/!5696916
 (DIR) [4] /Regimekritiker-in-Aegypten/!5682695
 (DIR) [5] /Schwerpunkt-Coronavirus/!t5660746/
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Abdel Fattah al-Sisi
 (DIR) Europäische Union
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Ägypten
 (DIR) Ägypten
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Repression in Ägypten: Paranoia im Sisi-Staat
       
       Ägyptens Präsident geht brutal gegen Regime-Kritiker vor. Alaa Abdel Fattah
       steht stellvertretend für zehntausende Gesinnungshäftlinge.
       
 (DIR) Menschenrechte in Ägypten: EIPR-Aktivisten wieder frei
       
       Drei Aktivisten in Ägypten sind wieder frei, doch etliche andere sitzen
       weiter im Gefängnis. Indes nimmt die Zahl der Hinrichtungen stark zu.
       
 (DIR) Verhafteter Menschenrechtsaktivist: Mein Freund Gasser
       
       Journalistische Distanz? Manchmal geht das nicht. Ein guter Freund unseres
       Ägypten-Korrespondenten wurde verhaftet. Die Geschichte einer Freundschaft.
       
 (DIR) Nach Treffen mit europäischen Diplomaten: Kairo geht gegen Aktivisten vor
       
       Infolge eines Briefings von Botschaftern sind Menschenrechtler in Ägypten
       festgenommen worden. In Berlin sieht man eine „neue Qualität“.
       
 (DIR) Aktivistin Sanaa Seif in Ägypten: In den Minibus gezerrt
       
       Protestikone Alaa Abdel Fattah sitzt seit Jahren im Gefängnis. Nun wurde
       auch seine Schwester Sanaa Seif in Kairo entführt und zum Verhör gebracht.
       
 (DIR) Chefredakteurin in Ägypten festgenommen: Sisi geht gegen KritikerInnen vor
       
       Die Chefin von Mada Masr, Ägyptens letztem kritischen Medium, ist
       vorrübergehend festgenommen worden. Sie hatte eine prominente Aktivistin
       interviewt.
       
 (DIR) Regimekritiker in Ägypten: Tot im Tora-Gefängnis
       
       Gerade erst 24 Jahre war er alt, nun ist er tot. Der ägyptische Filmemacher
       Shady Habash hatte bei einem Sisi-kritischen Musikvideo Regie geführt.