# taz.de -- Studie zu Vorurteilen bei Polizei: Cops im Visier der Polizei
       
       > Die Hamburger Akademie der Polizei will eine Studie zur Arbeitsbelastung
       > starten, in der es auch um die Entstehung von Vorurteilen gehen soll.
       
 (IMG) Bild: Könnte für die Studie interessant sein: Umgang mit Demonstrierenden im Juni 2020 in Hamburg
       
       Hamburg taz | Man könnte die Ankündigung der [1][Hamburger Akademie der
       Polize]i, sich mit den Einstellungen ihrer BeamtInnen in einer Studie zu
       beschäftigen, als Widerstand gegen die Haltung von Bundesinnenminister
       Horst Seehofer (CSU) deuten. Der hat eine Untersuchung, die sich gezielt
       mit rassistischen Einstellungen bei der Polizei befasst, [2][abgelehnt].
       Doch die Hamburger Akademie hat unter ihrem Leiter Thomas Model eine solche
       Studie schon seit 2019 vorbereitet. Fragt man allerdings in der
       Pressestelle der Hamburger Polizei nach, in welchem Verhältnis das eigene
       Projekt zum Seehofer’schen Nein steht, so schweigt sie sich zu diesem Punkt
       aus.
       
       Tatsächlich spricht die Initiative für sich. Es gehe darum, „Erkenntnisse
       zum Ausmaß von werte- und demokratiebezogenen Einstellungen sowie zu
       diesbezüglichen Schutz- und Risikofaktoren“ bei den MitarbeiterInnen zu
       erhalten, so fasst Polizeisprecher Holger Vehren die Ziele zusammen. Noch
       konkreter hatte es Thomas Model im Hamburger Abendblatt formuliert, als er
       von „Risikofaktoren“ für die „Entstehung von Vorurteilen und radikalen
       Einstellungen“ bei der Polizei sprach.
       
       Partner für das Projekt sind bislang das [3][Institut für Soziologie und
       Sozialwissenschaften] der Uni Hamburg, das [4][Institut für Konflikt- und
       Gewaltforschung] der Uni Bielefeld sowie das [5][kriminologische
       Forschungsinstitut Niedersachsen]. Noch sei das Projekt in einem „frühen
       Stadium“, so Vehren, deshalb lasse sich etwa die Frage, ob das Thema Racial
       Profiling eine Rolle spielen werde, nicht beantworten. Eben dies ist eine
       Forderung des Hamburger Linken-Abgeordneten Deniz Celik, der eine
       wissenschaftliche Studie dazu beantragt hat.
       
       Nun begrüßt Celik zwar, dass sich die Polizei mit den Einstellungen ihrer
       MitarbeiterInnen befasst, fürchtet aber, „dass die Studie nicht auf
       diskriminierende Praktiken zielt“. Zudem sieht er die Gefahr, dass durch
       die freiwillige Teilnahme vor allem jene repräsentiert werden, deren
       Haltung nicht diskriminierend ist.
       
       Dem widerspricht Anja Mensching, Professorin für Pädagogik mit dem
       Schwerpunkt Organisationspädagogik an der Uni Kiel und Mitorganisatorin des
       Arbeitskreises Empirische Polizeiforschung. Dass die Teilnahme an solchen
       Studien auf freiwilliger Basis erfolge, sei „ethisches Grundprinzip der
       Forschung“.
       
       Für sie ist die Idee einer Forschungskooperation zwischen der Hamburger
       Akademie der Polizei und der Universität Bielefeld sowie dem
       Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen „auf jeden Fall eine sehr
       gute Idee“. Denn bislang gebe es vor allem Studien, die sich aus
       psychologischer Sicht mit der individuellen Arbeitsbelastung von
       PolizistInnen befassten, aber kaum solche, die die Polizei als Organisation
       betrachteten. Damit hätte eine aktuelle Studie die Chance, etwa in den
       Blick zu nehmen, wie dort Vergemeinschaftung ablaufe oder wie mit
       widerstreitenden Positionen umgegangen werde. Von einer solchen
       Untersuchung könne die Polizei „unglaublich viel gewinnen“.
       
       Den Widerstand gegen eine solche Selbsterforschung – bis hin zum Reizthema
       Racial Profiling – verortet Mensching weniger im Polizeiapparat selbst.
       Nach ihrer Erfahrung mit Führungskräften in der niedersächsischen Polizei
       anlässlich einer Studie zur Arbeitsbelastung gebe es dort „eine hohe
       Sensibilität für Ungleichbehandlung in den verschiedensten Formen“. Die
       Vorbehalte sieht Mensching vor allem auf der politischen Seite. Sie
       plädiert dafür, den Fokus für Diskriminierung aller Art zu öffnen – und
       tatsächlich mit einer offenen Fragestellung zu arbeiten.
       
       Eben das klingt in den Stellungnahmen der Hamburger Innenbehörde und der
       Polizeigewerkschaft mit. Die Innenbehörde betonte, man unterstütze die
       Studie, weil sie sich „ja eben gerade nicht allein auf Rassismus oder
       Racial Profiling in der Polizei verengt“.
       
       Ähnlich klingt es in einer Stellungsnahme der Hamburger Gewerkschaft der
       Polizei (GdP): „Die GdP unterstützt eine Belastungsstudie und lehnt eine
       Rassismus-Studie ab.“ Denn: „Wir wollen als Kolleginnen und Kollegen und
       als Gewerkschaft wissen, wie sich Denken und Handeln verändern, wenn
       Polizeibeschäftigte Tag und Nacht wiederkehrende Erfahrungen mit bestimmten
       Bevölkerungsgruppen, Kriminalitätsfeldern und auch mit Justizabläufen
       machen.“
       
       Für einen solchen Zugang, der Rassismus in der Polizei nicht zur
       Ausgangsfrage macht, findet sich eine breitere Basis. Der niedersächsische
       Innenminister Boris Pistorius (SPD) kündigte an, eine von der GdP
       vorgeschlagene Studie zum Polizeialltag in der Innenministerkonferenz
       vorzutragen. Die Studie soll laut GdP Belastungen der Polizei untersuchen,
       aber auch herausfinden, warum sich „Vorurteile gegen bestimmte
       gesellschaftliche Gruppen“ bei einzelnen Beamten verfestigten und was man
       dagegen tun könne.
       
       3 Oct 2020
       
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 (DIR) [2] /Polizei-wird-nicht-gesondert-geprueft/!5715078&s=horst+seehofer+rassismus/
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 (DIR) [4] https://www.uni-bielefeld.de/ikg/
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