# taz.de -- Neue Waffenruhe in Libyen: Lieber Stillstand als Krieg
       
       > Schon wieder ein wackliger Waffenstillstand in Libyen? Da eine Eskalation
       > droht, gibt es keine Alternative dazu.
       
 (IMG) Bild: Tripolis: Kämpfer der Regierung feuern auf die selbsternannte Libysch-Nationale Armee
       
       Wieder mal eine Waffenruhe in Libyen. Auf den ersten Blick ist die
       Selbstverpflichung zu einer Einstellung der Kampfhandlungen, die Libyens
       Regierung in der Hauptstadt Tripolis sowie die Gegeninstitutionen im
       ostlibyschen Tobruk am Freitag verkündeten, eine Luftnummer: Gekämpft wurde
       seit Juni sowieso nicht mehr, und der wichtigste Gewaltakteur,
       Feldmarschall Haftar im Osten des Landes, ist nicht dabei. Es wäre nicht
       die erste Waffenruhe in Libyen, die nicht einmal das Papier nicht wert
       wäre, auf dem sie geschrieben wäre, wenn sich denn jemand die Mühe gemacht
       hätte, sie zu Papier zu bringen und tatsächlich von den Konfliktparteien
       unterzeichnen zu lassen.
       
       Doch etwas ist diesmal anders. In den Monaten, seit dank [1][des
       militärischen Eingreifens der Türkei] die Belagerung der libyschen
       Hauptstadt Tripolis beendet und die Haftar-Armee in den Osten des Landes
       zurückgedrängt werden konnte, hat sich das Horrorszenario von Libyen als
       regionalem Schlachtfeld immer bedrohlicher konkretisiert. Die Türkei setzte
       sich im Westen des Landes militärisch fest und machte zugleich ihre
       territorialen Ansprüche im Mittelmeer immer deutlicher. Ägypten,
       Frankreich, Griechenland und Russland gingen dagegen in Stellung. Zeitweise
       sah es so aus, [2][als stünden Erdoğan und Macron kurz vor dem Krieg
       gegeneinander] – entweder direkt im Meer oder als Stellvertreterkrieg auf
       libyschem Boden. Und zugleich wussten sie alle, dass das kompletter
       Wahnsinn wäre.
       
       Nun erteilen die wichtigsten zivilen Akteure Libyens – die Regierung im
       Westen, das Parlament im Osten – dieser Eskalation eine Absage. Die
       auswärtigen Mächte haben nun einen hervorragenden Vorwand, sich wieder zu
       mäßigen, ohne gegeneinander das Gesicht zu verlieren.
       
       Gelöst ist Libyens Krise damit nicht. Wie ein zynischer Kommentator es
       ausdrückt: nur eine weitere Etappe im libyschen Stillstand. Aber
       [3][angesichts drohender Eskalation] ist Stillstand bereits ein Erfolg.
       Jetzt eröffnet sich eine Chance für politische Gespräche. Mal sehen, ob sie
       jemand ergreift.
       
       24 Aug 2020
       
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