# taz.de -- Einreisebeschränkungen für Studierende: Visum nur bei Präsenzstudium
       
       > Für ausländische Studierende gibt es wegen der Corona-Pandemie weiter
       > Hürden bei der Einreise nach Deutschland. Die Grünen kritisieren das.
       
 (IMG) Bild: Viele Hörsäle bleiben weiterhin leer
       
       Berlin epd/afp Studierende aus dem Ausland mit einem Studienplatz in
       Deutschland können weiterhin nur unter Bedingungen in die Bundesrepublik
       einreisen. Ein Visum bekomme nur, wer nachweisen kann, dass das Studium
       wegen Präsenzpflichten nicht vollständig aus dem Ausland möglich sei,
       bestätigte die Bundesregierung am Freitag in Berlin.
       
       Die Einschränkungen gelten für Studierende aus den Staaten außerhalb der
       EU, die nach wie vor zu Corona-Risikogebieten gezählt werden. „Die Einreise
       zu einem Online- oder Fernstudium ist weiterhin nicht vorgesehen“, heißt es
       in einer am Freitag bekannt gewordenen Antwort des
       Bundesbildungsministeriums auf eine Anfrage der Grünen. Sowohl im
       Visumverfahren als auch als bei Grenzkontrollen würden daher
       Bescheinigungen über ein Präsenzstudium gefordert.
       
       Wegen der Corona-Pandemie hatten viele Universitäten ihr Lehrangebot im
       Sommersemester auf virtuelle Formate umgestellt. Dies wird zum Teil im
       Wintersemester fortgesetzt. Der Sprecher des Bundesverbandes ausländischer
       Studierender, Kumar Ashish, berichtete dem ARD-Hauptstadtstudio von den
       Problemen einiger Betroffener.
       
       „Was nutzt es einer Studentin in Indien, online an ihren deutschen
       Uni-Seminaren teilzunehmen, wenn sie nicht in die Unibibliothek gehen
       kann“, sagte Ashish. Gerade in Indien gelte immer noch eine Ausgangssperre,
       daher komme die Studentin nicht mal an die Literatur in ihrer Stadt – so
       sei ein Studium unmöglich.
       
       Auswärtiges Amt und Bundesinnenministerium erklärten, die Einschränkungen
       für Studierende richteten sich nach den Regeln, die auch für alle anderen
       gelten. Eine Sprecherin des Außenamts betonte, die Einschränkung gelte
       allerdings nicht für Studierende, die schon in Deutschland sind.
       
       Wer bereits mit einem Visum in Deutschland war und nun beispielsweise für
       die Ferien in die Heimat geflogen ist, könne auch wiederkommen, wenn das
       Visum noch gültig ist, bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums. Er
       bezeichnete die Regelung als „angemessen“. Zudem hätten die meisten Unis
       ohnehin den Präsenzbetrieb wieder aufgenommen, sagte er.
       
       ## Grüne kritisieren „Doppelmoral“
       
       Der Grünen-Abgeordnete Kai Gehring kritisierte die Regelung. Es sei eine
       „irrige Annahme“, dass ein Studienaufenthalt nur für den Besuch von
       Vorlesungen und Seminaren gedacht sei, sagte er dem ARD-Hauptstadtstudio.
       „Austausch dient auch dazu, Kultur und Gesellschaft des Gastlandes
       kennenzulernen“, sagte er.
       
       Mit Blick auf die von US-Präsident Donald Trump zunächst angedrohten
       Ausweisungen ausländischer Studierender, die auch in Deutschland auf
       Empörung stießen, sprach Gehring zudem von „Doppelmoral“. Schon allein
       wegen der außenpolitischen Glaubwürdigkeit sollten die Hürden für
       internationale Studierende schleunigst wieder beseitigt werden.
       
       Der FDP-Politiker Jens Brandenburg sagte, die Bundesregierung lege mit
       „bürokratischer Engstirnigkeit“ die Axt an den internationalen
       Studierendenaustausch. Ein pauschales Einreiseverbot für Studierende
       unabhängig von Corona-Testergebnissen und Risikogebieten sei völlig
       überzogen.
       
       Wegen der in der Corona-Pandemie verhängten Einreisesperren konnten
       ausländische Studierende ab dem 17. März nicht mehr einreisen. Die neue
       Regelung mit dem Nachweis von Präsenzpflichten gilt laut
       Bundesbildungsministerium seit dem 2. Juli.
       
       ## Zahl ausländischer Studierender gesunken
       
       Das Problem ist an den Unis daher auch längst bekannt, wie die Sprecherin
       der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder, Michaela Grün,
       dem epd sagte. Im Wintersemester finden nach ihren Angaben dort wieder in
       allen Studiengängen neben Online- auch Präsenzveranstaltungen statt. Die
       Voraussetzung für eine Einreiseerlaubnis ist also gegeben.
       
       Ausländische Studierende erhalten wegen der Einschränkungen mit ihren
       Zulassungspapieren von der Viadrina derzeit auch automatisch ein Formular,
       mit dem sie die Präsenzpflicht gegenüber den deutschen Auslandsvertretungen
       nachweisen können, erklärte Grün.
       
       Im vergangenen Wintersemester kamen rund zehn Prozent der damals rund 5.500
       Studentinnen und Studenten von einem anderen Kontinent als Europa. Eine
       Statistik für dieses Semester liegt noch nicht vor.
       
       Grün sagte, die Zahl ausländischer Studierender liege voraussichtlich auch
       ohne Reisebeschränkungen aber deutlich niedriger als in den Vorjahren.
       Während der Corona-Pandemie hätten viele auch aus anderen Gründen, etwa
       finanziellen, ihren Studienplatz nicht angetreten.
       
       14 Aug 2020
       
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