# taz.de -- Streit zwischen Türkei und Griechenland: Maas vermittelt im Mittelmeer
       
       > Im Gasstreit haben Ankara und Athen Marinemanöver in umstrittenen
       > Meereszonen angekündigt. Nun versucht der Bundesaußenminister zu
       > schlichten.
       
 (IMG) Bild: Unterwegs in griechischen Gewässern: türkisches Forschungsschiff, hier im Juli vor Antalya
       
       Istanbul taz | In schwieriger Mission hat Außenminister Heiko Maas (SPD) am
       Dienstag Athen und Ankara besucht, um Griechenland und die Türkei im
       Konflikt um Bodenschätze im östlichen Mittelmeer zu Verhandlungen zu
       bewegen. Maas forderte beide Seiten zu einem „aufrichtigen Dialog“ auf, um
       Fragen über Hoheitsgebiete und exklusive Wirtschaftszonen in der Ägäis und
       im Mittelmeer zu lösen.
       
       In dem Konflikt, der in den letzten Wochen eskalierte, weil die Türkei
       [1][das Forschungsschiff „Oruç Reis“ in ein von Griechenland als exklusive
       Wirtschaftszone beanspruchtes Gebiet] geschickt hatte, hatten beide Seiten
       am Montag die Spannungen erhöht, indem beide Marinemanöver in der
       umstrittenen Zone ankündigten.
       
       In Athen versicherte Maas seinem griechischen Amtskollegen Nikos Dendias
       die volle Solidarität Deutschlands und der EU, forderte die griechische
       Regierung aber dennoch auf, Verhandlungen mit der Türkei nicht länger
       abzulehnen. Griechenland erwartet zunächst einen Rückzug der türkischen
       Marine sowie der Forschungsschiffe. Er könne derzeit keinerlei
       Deeskalationsbemühen seitens der Türkei erkennen, sagte Dendias. Die EU
       solle deshalb Sanktionen verhängen.
       
       Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bekräftigte am Montag noch
       einmal, dass die Türkei „niemals“ auf ihre Rechte im Mittelmeer verzichten
       werde.
       
       ## Situation im östlichen Mittelmeer besonders vertrackt
       
       [2][Der aktuelle Streit] hat sich an der kleinen griechischen Insel
       Kastelorizo entzündet, die rund 120 Kilometer östlich der griechischen
       Insel Rhodos und nur knapp drei Kilometer vor der türkischen Küste liegt.
       Nach griechischer Auffassung, die vom UN-Seerechtsabkommen von 1994 im
       Prinzip unterstützt wird, hat jede Insel eine exklusive Wirtschaftszone von
       200 Meilen.
       
       Dies führt in diesem Fall dazu, dass die Türkei dem Abkommen zufolge auf
       die Bodenschätze direkt vor ihrer Küste keinen Zugriff hat. Allerdings hat
       die Türkei – wie die USA und Israel – das Abkommen nicht unterzeichnet.
       Ankara geht davon aus, dass die Türkei auf ihrem sogenannten Festlandsockel
       über Bodenschätze verfügen könne, während die Inseln nur eine zwölf Meilen
       große Hoheitszone hätten, keine exklusive Wirtschaftszone.
       
       Die Situation ist im östlichen Mittelmeerraum besonders schwierig, weil in
       der Ägäis nahezu alle Inseln zu Griechenland gehören, auch wenn sie nur in
       Ruderbootweite vom türkischen Festland entfernt liegen. Zudem weigert sich
       auf Zypern die griechisch-zyprische Regierung, die türkische Minderheit und
       ihren international nicht anerkannten Staat Nordzypern an der Ausbeutung
       der Gasfelder zu beteiligen.
       
       Verhandlungen sind deshalb kompliziert. Alle Lösungsversuche der letzten
       Jahrzehnten sind gescheitert. Hinzu kommt, dass Erdoğan die Situation aus
       innenpolitischen Gründen eskaliert, aber auch in Griechenland eine
       nationalistische Stimmung Gespräche schwierig macht. Das hat sich zuletzt
       an dem Namensstreit um Mazedonien gezeigt, den der letzte griechische
       Premier Alexis Tsipras am Ende durch Verhandlungen löste. In der Folge
       verlor er in Wahlen gegen die Konservativen.
       
       Dennoch dürften sich auf Druck der EU am Ende beide Parteien an den
       Verhandlungstisch setzen. Ein Krieg würde allen Beteiligten immens schaden.
       
       25 Aug 2020
       
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 (DIR) Jürgen Gottschlich
       
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