# taz.de -- Angst vor der Erderhitzung: Amis juckt das Klima kaum
       
       > ChilenInnen und KenianerInnen macht die Erderhitzung viel mehr Sorgen als
       > den Deutschen. Klimawandelskeptisch sind laut einer Studie die
       > SchwedInnen.
       
 (IMG) Bild: Kenianer sind viel besorgter als Deutsche über den Klimawandel
       
       Berlin taz | Die Deutschen sind wegen des Klimawandels im Moment
       verhältnismäßig wenig besorgt – zumindest im Vergleich zu anderen Ländern.
       Das ergibt eine [1][Studie des Reuters Instituts und der Oxford
       University]. Die Autoren untersuchten in 40 Ländern rund um die Erde, wie
       stark sich die Menschen mit dem Klimawandel auseinandersetzen. Zwar gaben
       in Deutschland mit 58 Prozent mehr als die Hälfte der Befragten an, sich
       [2][große Sorgen wegen der Klimakrise] zu machen – im Vergleich ist das
       aber nur ein sehr geringer Anteil.
       
       Weitaus besorgter sind zum Beispiel die Menschen in Chile, Kenia und
       Südafrika: Mehr als 90 Prozent der Befragten sagten dort, dass sie den
       Klimawandel extrem ernst nehmen. Laut den Autoren der Studie hängt das auch
       damit zusammen, dass die Menschen im Globalen Süden öfter mit durch den
       Klimawandel verursachten Wetterextremereignissen wie Sturmfluten und Dürren
       zu kämpfen haben.
       
       Aber auch in Europa sind viele Menschen wegen der Klimakrise alarmiert: in
       Italien sind es mehr als 75 Prozent, in Griechenland sogar 80 Prozent.
       Weitaus entspannter sind die Menschen in Schweden, Norwegen und den
       Niederlanden: Dort sieht nur die Hälfte der Befragten den Klimawandel als
       ernstes Problem.
       
       Weltweit gesehen ist sich die Mehrheit der Menschen aber einig darüber,
       dass der Klimawandel eine große Bedrohung darstellt. Nur einer von zehn
       Befragten ist nicht besorgt.
       
       ## Verdrängung der Fakten
       
       Dass diese Minderheit die möglicherweise drohende Klimakatastrophe
       ignoriert, liegt laut den Autoren der Studie vor allem daran, dass sie
       keinen Bezug zu dem Thema haben oder die wissenschaftlichen Fakten
       [3][verdrängen] – zum Beispiel, weil sie die wirtschaftlichen Auswirkungen
       fürchten, die die Bekämpfung der Klimakrise mit sich bringen könnte.
       
       Besonders hoch ist die Skepsis in den USA und in Schweden – rund 10 Prozent
       der Befragten dort machen sich überhaupt keine Sorgen wegen des
       Klimawandels. Und auch in Australien setzen sich 8 Prozent überhaupt nicht
       mit der Klimakrise auseinander – obwohl zum Zeitpunkt der Befragung gerade
       heftige Buschfeuer durch das Land fegten.
       
       Dass der Klimawandel an einigen Menschen abprallt, hängt der Studie zufolge
       vor allem damit zusammen, wie stark das Thema in ihrem Heimatland
       polarisiert und wie sie politisch orientiert sind. Demnach sind die
       Menschen in Ländern mit einer linksgerichteten Politik besorgter,
       wohingegen in rechtsgerichteten Ländern mehr Menschen skeptisch sind.
       
       ## Einige leugnen die Klimakrise
       
       Und auch die Medien spielen eine entscheidende Rolle: So haben rechte
       Fernsehsender und Blogs in den USA viel Einfluss. Einige leugnen die
       Klimakrise. Außerdem suchen sich die Skeptiker ihre Informationen oft in
       den sozialen Netzwerken zusammen.
       
       Die Mehrheit der Befragten, die die Klimakrise ernst nehmen, vertrauen
       hingegen vor allem auf die Berichterstattung der klassischen Medien –
       insbesondere auf das Fernsehen. Bilder von schmelzenden Gletschern und
       Buschfeuern lassen sich eben schlecht leugnen.
       
       22 Jun 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://www.digitalnewsreport.org/survey/2020/how-people-access-news-about-climate-change/
 (DIR) [2] /Psychologin-ueber-Krisenangst/!5673664
 (DIR) [3] /Umweltpsychologe-ueber-Klimawandel/!5644386
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sandra Röseler
       
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