# taz.de -- Corona-Zahlen in Deutschland: Gefährliche Sorglosigkeit
       
       > Die Zahl der Neuinfektionen ist stark zurückgegangen. Leider sehen nicht
       > alle diese positive Nachricht als Ergebnis der getroffenen
       > Schutzmaßnahmen.
       
 (IMG) Bild: Menschenmengen lassen sich in einer Großstadt nicht vermeiden, am Bahnhof in Frankfurt
       
       Am Mittwoch war es so weit: Beim Robert-Koch-Institut wurde die 200.000.
       deutsche Coronainfektion gemeldet. Doch großen Schrecken löst diese Zahl
       glücklicherweise nicht aus, denn die Zahl der Neuinfektionen ist stark
       zurückgegangen. Während Anfang April 50.000 Infektionen innerhalb einer
       guten Woche verzeichnet wurden, verteilten sich die jüngsten 50.000 auf
       fast drei Monate.
       
       Im Vergleich zu den Prognosen am Beginn der Epidemie und gemessen an der
       Situation in vielen anderen Ländern ist Deutschland mit seinen bisher rund
       9.000 Coronatoten erstaunlich gut davongekommen. Leider begreifen nicht
       alle diese positive Entwicklung als Ergebnis der getroffenen
       Schutzmaßnahmen; manche nutzen sie als Begründung dafür, [1][die wenigen
       noch verbliebenen Beschränkungen wie die Maskenpflicht in Läden] und
       Verkehrsmitteln infrage zu stellen oder zu ignorieren.
       
       Auf Widerstand stößt teilweise auch der Plan für mögliche regionale
       Reisebeschränkungen, über den die Länder an diesem Donnerstag entscheiden
       wollen. Dabei erscheint es bei regionalen Ausbrüchen sehr naheliegend, mit
       regionalen Einschränkungen zu reagieren.
       
       Denn auch wenn eine Beschränkung der Freizügigkeit stets ein erheblicher
       Eingriff in die Grundrechte ist, kann sie doch das mildere Mittel sein –
       nämlich im Vergleich zu sehr viel weitergehenden Einschränkungen, die
       erneut überregional und längerfristig drohen können, wenn ein regionaler
       Ausbruch nicht gestoppt werden kann.
       
       Doch die Tage im April, [2][als die Straßen menschenleer waren] und Schulen
       und Geschäfte sehr kurzfristig geschlossen wurden, ist für manche offenbar
       nur noch eine sehr ferne Erinnerung – und erst recht die noch weitaus
       drastischere Situation in vielen Nachbarländern.
       
       So erfreulich diese Entwicklung ist, so gefährlich ist die Sorglosigkeit,
       die mit ihr einhergehen kann. Viele andere Länder, in denen es zunächst
       ähnlich gut lief, machen gerade die schmerzliche Erfahrung einer zweiten
       Welle. Deutschland sollte weiterhin alles daran setzen, diese zu verhindern
       und die nächste runde Corona-Zahl möglichst weit hinauszuzögern.
       
       16 Jul 2020
       
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