# taz.de -- Klassiker „True Grit“: Was Proleten gerne sehen
       
       > Der Tatort hat Sommerpause, der Polizeifilm nicht. Zeit, mal auf einen
       > richtigen Krimi zu schauen, auch wenn es ein Western ist.
       
 (IMG) Bild: John Wayne in „True Grit“
       
       Die einzige Internationale, die funktioniere, sei die Polizei. [1][Zu
       dieser Überzeugung kam der viel gereiste, geprüfte und verprügelte große
       Schriftsteller Georg K. Glaser.]
       
       Als Herumtreiber, KPD-Funktionär, Emigrant, Widerstandskämpfer, Anarchist,
       Soldat und nicht zuletzt als naturalisierter Franzose, der seinem der
       polizeistaatlichen Barbarei in die Arme gesprungenen Vaterland den Rücken
       kehrte, wusste Glaser um die Problematik der „Grünen“, wie die
       korpsgeistigen Büttel des Staates von den Arbeitern abschätzig genannt
       wurden.
       
       In Glasers autobiografischem Hauptwerk „Geheimnis und Gewalt“ findet sich
       aber auch eine solche Szene: „In einem Arbeiterkino des Wedding sah ich
       einen alten Film von Chaplin, in dem er wie so oft von Polizisten
       verprügelt wurde. Und die Arbeiter im Saale, die klassenbewußten Arbeiter
       des roten Wedding, die täglich unter der Gewalttaten der Grünen zu leiden
       hatten, lachten, lachten. Warum?“
       
       Ja, warum? Weil der Prolet immer gern einen Charlie misshandelt sieht, dem
       es noch mieser geht als ihm selbst? Oder warum ist das traditionell
       schlechte, also volkstümliche TV-Programm am Wochenende so voller
       Polizeifilme? Oder ist die Frage falsch gestellt, und es ist umgekehrt so,
       dass die Bevölkerung mit Polizeifilmen geflutet werden muss, um erst das
       gewünschte gesunde Volksempfinden herzustellen?
       
       Damit alle wissen, worüber wir reden, hier ein Service-Überblick fürs
       Wochenende, der die Regionalprogramme gnädig außen vor lässt: „Wilsberg –
       Straße der Tränen“, Der Samstagskrimi, 20.15, ZDF; im Anschluss „Die
       Chefin: Der Fall Seitz“, Folge 4, Staffel 2; „Blitz“ (Programmtext:
       „Detective Sergeant Tom Brant ist für seine Brutalität bekannt, bei
       Kollegen jedoch beliebt“), 23.55, Sat 1; Hawaii Five-0, 20.15, Kabel 1,
       Folge 21 (!), Staffel 6 (!). Am Sonntag geht es so weiter: „Ihr
       Wunsch-‚Tatort‘, 50 Jahre ‚Tatort‘“, Das Erste, 20.15; im Anschluss um
       21.45 im gleichen Programm „Maria Wern, Kripo Gotland – Tödliche
       Leidenschaft“; und dann „Der Kommissar und das Meer“, 22.15 im Zweiten.
       
       Ich könnte so weiter copypasten, bis ich grün werde. Aber ich möchte mit
       etwas schließen, was wir wirklich brauchen in diesen Zeiten, mit einem
       Western-Krimi-TV-Tipp, mit „True Grit“, die Verfilmung von 1968 mit John
       Wayne als alterndem US-Marshal samt Augenklappe sowie mit Robert Duvall und
       Dennis Hopper – ein Stoff, der dann von den Coen-Brüdern 2010 mit Jeff
       Bridges grandios neu aufgelegt wurde. (So., 23.40 Uhr, Tele 5)
       
       28 Jun 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/georg-k-glasers-ende-der-kriegsgefangenschaft-chronist-des.871.de.html?dram%3Aarticle_id=478520
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ambros Waibel
       
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