# taz.de -- Programm für sicherere Elektronik: Technologische Souveränität
       
       > Forschungsministerin will mehr Chips aus deutscher oder europäischer
       > Produktion. Die Abhängigkeit von den USA und Fernost soll reduziert
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Mehr Geld für deutsche Chips – hier der erste Universalcomputer der Welt von Konrad Zuse von 1941
       
       Berlin taz | Soll der Göttervater Zeus die Entwicklung deutscher
       Elektronikbauteile aus dem mythologischen Jenseits inspirieren? Oder
       [1][Computer-Ahnherr Konrad Zuse], was schon mehr Sachlogik hätte. Beide
       Namen tauchen als Akronyme für zwei neue Elektronikförderprogramme auf, die
       in dieser Woche im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in
       Berlin vorgestellt wurden.
       
       Mit ihnen soll die sogenannte „Vertrauenswürdige Elektronik“ gestärkt
       werden, die nicht nur mehr IT-Sicherheit verspricht, sondern auch eine
       industriepolitische Komponente enthält.
       
       Mehr Chips aus deutscher oder europäischer Produktion sollen die
       Abhängigkeit von Mikroprozessoren aus den USA und Fernost reduzieren, bei
       denen man nie genau wissen kann, ob in ihrem Code vielleicht doch Zugänge
       für die dortigen Geheimdienste eingebaut sind. [2][Seit Edward Snowden ist
       die Welt klüger.] „Technologische Souveränität“ lautet dafür die aktuelle
       Chiffre in der politischen Diskussion.
       
       Im Rahmen der BMBF-Digitalstrategie wurden jetzt die ersten Projekte aus
       der Förderlinie „Zukunftsfähige Spezialprozessoren und
       Entwicklungsplattformen (ZuSE)“ mit einer Förderung in Höhe von rund 25
       Millionen Euro gestartet. Für das Programm ZEUS, für das von Forschern
       Projektskizzen zu Entwurf, Herstellung und Analyse Vertrauenswürdiger
       Elektronik eingereicht werden können, stehen ab Anfang 2021 bis zu 20
       Millionen Euro bereit.
       
       Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) betonte bei der Vorstellung des
       Programms, dass ihr Haus die Förderung in diesem Bereich verstärke, weil
       die Elektronik immer mehr sicherheitskritische Funktionen übernehme, wie in
       der Medizintechnik, in der sich selbst steuernden Fabrik der Industrie 4.0,
       beim autonomem Fahren oder im Mobilfunk. Karliczek: „Dafür ist es wichtig,
       dass wir uns bei Schlüsseltechnologien im internationalen Wettbewerb
       behaupten und technologisch souverän sind.“
       
       ## Robuste Prozessoren
       
       Ein Projekt („Scale4Edge“) untersucht zum Beispiel, wie die Kosten und
       Entwicklungszeiten für „Edge-Prozessoren“ nennenswert reduziert werden
       können. In diese Bauteile fließen die Messdaten von externen Sensoren ein,
       etwa Maschinendaten aus der Industrie 4.0. Gleichzeitig werden erste
       Berechnungen vorgenommen. Derartige „Rechenknechte“ an der Schnittstelle
       zwischen realer Fabrikwelt und virtueller Welt von Computern und
       Datenclouds müssen besonders zuverlässig, robust, aber auch
       energieeffizient arbeiten.
       
       Weitere Projekte entwickeln Spezialprozessoren für die künstliche
       Intelligenz (KI) beim autonomen Fahren. Hier hat der Autobauer BMW die
       Projektführerschaft. An der Technischen Hochschule Nürnberg geht es im
       Projekt „KI-Power“ um Prozessoren, die KI-Algorithmen zur effizienten
       Steuerung von Leistungselektronik einsetzen.
       
       14 Jun 2020
       
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