# taz.de -- US-Truppenabzug aus Deutschland: Baltikums Leid, Polens Freud
       
       > Während Polens Premier Mateusz Morawiecki über den geplanten Abzug von
       > US-Truppen aus Deutschland jubelt, reagiert das Baltikum verärgert.
       
 (IMG) Bild: Einige sind schon da: ein US-amerikanischer Panzer auf einem Trainingsgelände in Polen im April
       
       Warschau taz | Polen rühmt sich gern seiner sehr guten Beziehungen zu
       Donald Trump, dem US-amerikanischen Präsidenten. Doch als Polens Premier
       Mateusz Morawiecki vor zehn Tagen fast in Jubel ausbrach, als er in einer
       Radiosendung nach seiner Meinung zum geplanten [1][Abzug von knapp 10.000
       amerikanischen Soldaten aus Deutschland] gefragt wurde, erregte das in
       vielen Nato-Mitgliedsländern Unmut.
       
       „Ich hoffe, einige der aus Deutschland abgezogenen Truppen werden nach
       Polen kommen“, sagte Morawiecki, als wäre das schon eine ausgemachte Sache.
       Schließlich liege die „wahre Gefahr“ im Osten, fügte er mit Blick auf
       Russland hinzu. Daher würde eine Verschiebung von US-Truppen an die
       Ostflanke der Nato „die Sicherheit ganz Europas“ stärken.
       
       Schon in der Vergangenheit maßregelte Morawiecki die Bundesregierung in
       Berlin immer wieder aufs Schärfste für ihre „zu geringen
       [2][Verteidigungsausgaben]“, während das Verteidigungsbudget Warschaus
       schon im zweiten oder sogar dritten Jahr die in der Nato angestrebte
       2-Prozent-Marke des Bruttoinlandsprodukts erreiche. Dies wisse Donald Trump
       zu schätzen. Im Radiointerview vor zehn Tagen setzte Morawiecki dann noch
       ganz locker hinzu, dass seine Regierung schon länger mit den Amerikanern
       über die Aufstockung amerikanischer Truppen in Polen spreche und er die
       Zahlen „zu gegebener Zeit“ bekannt geben werde.
       
       Dass die noch weiter östlich gelegenen Nato-Staaten Litauen, Lettland und
       Estland höchst verärgert auf die polnisch-amerikanische
       Nato-Geheimdiplomatie reagierten, merkten Morawiecki und sein Außenminister
       Jacek Czaputowicz am Montag, als sie in Vilnius, der Hauptstadt Litauens,
       mit ihren baltischen Amtskollegen zusammentrafen.
       
       Es geht nicht mehr nur um US-Truppen in Deutschland 
       
       Morawiecki machte sofort einen Rückzieher. Zwar bekräftigte er das Ziel,
       über die bislang in Polen stationierten 5.000 amerikanischen Soldaten
       zusätzlich Tausende zum „Schutz der Nato-Ostflanke“ nach Polen zu holen,
       doch – so sagte er der baltischen Nachrichtenagentur BNS: „Es ist nicht
       unsere Absicht, dieses Ziel auf Kosten einer Reduzierung des US-Kontingents
       in Deutschland zu erreichen.“ Czaputowicz fasste sein Gespräch mit den
       Außenministern so zusammen: „Wir glauben nicht, dass die Reduzierung der in
       Deutschland stationierten Truppen zu unserer Sicherheit beiträgt.“
       
       Doch längst geht es nicht mehr nur um den Abzug amerikanischer Truppen aus
       Deutschland. Auf dem Tisch scheint auch das Thema der Verlagerung
       amerikanischer Atombomben aus Deutschland nach Polen zu liegen. Dies
       zumindest deutete Georgette Mosbacher, die Botschafterin der USA in Polen,
       bereits Mitte Mai an: „Wenn Deutschland die nuklearen Kapazitäten
       verringern und die Nato schwächen will, könnte vielleicht Polen sie
       beherbergen, das seinen gerechten Anteil zahlt, die Risiken versteht und an
       der Ostflanke der Nato liegt“, schrieb sie auf Twitter.
       
       Zwar antwortete ihr sofort der deutsche Botschafter in Polen, Rolf Nikel:
       „Deutschland erfüllt alle seine Verpflichtungen gegenüber der Nato und
       seinen Partnern, so wie dies im Koalitionsvertrag von 2018 festgehalten
       ist. Weitere Spekulationen sind daher nicht zielführend.“ Doch außer dem
       Botschafter reagierte kein einziger Politiker in Polen auf die Worte
       Mosbachers, auch Morawiecki und Czaputowicz nicht. Nun aber wurde bekannt,
       dass US-Präsident Trump sich noch kurz vor der polnischen Präsidentenwahl
       am 28. Juni mit Andrzej Duda treffen will, dem Präsidenten Polens, der sich
       um eine Wiederwahl bemüht.
       
       18 Jun 2020
       
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