# taz.de -- Nordkoreas Diktatorenschwester: Kim Yo Jong macht die Hardlinerin
       
       > Das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea kühlt zunehmend ab. Jetzt
       > droht die Schwester von Machthaber Kim Jong Un mit Vergeltungsmaßnahmen.
       
 (IMG) Bild: Kim Yo Jong, 30 oder 32 Jahre alt, ging in Bern zur Schule
       
       Berlin taz | „Ich spüre, dass es an der Zeit ist, mit der südkoreanischen
       Regierung zu brechen.“ Mit diesen Worten zitierten Nordkoreas Staatsmedien
       am Wochenende Kim Yo Jong, die jüngere Schwester des nordkoreanischen
       Machthabers Kim Jong Un. „Das Recht, die nächste Aktion gegen den Feind zu
       unternehmen, wird dem Generalstab unserer Armee anvertraut“, erklärte sie.
       Es sei besser, eine Reihe von Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen, als
       Erklärungen abzugeben. Wie das aussehen könnte, sagte sie nicht, doch
       wurden ihre Drohungen in Südkorea ernst genommen.
       
       Anlass für ihren Zorn sind Ballons mit antikommunistischen Flugblättern,
       die Aktivisten vom Süden in den Norden geschickt haben. Pjöngjang nutzt die
       Ballons, um so Druck auf die Regierungen in Seoul und Washington zu
       wirtschaftlichen wie diplomatischen Zugeständnissen zu machen.
       
       Dabei fällt auf, dass die Drohungen eben nicht aus dem Mund des Diktators
       selbst kommen, sondern dem seiner Schwester. Die war bisher als seine
       wichtigste Beraterin für sein propagandistisches Erscheinungsbild
       zuständig. Doch seit einiger Zeit steht sie selbst stärker im Rampenlicht.
       [1][Als ihr Bruder im April fast drei Wochen nicht mehr öffentlich gesehen
       wurde] und Gerüchte über eine Erkrankung kursierten, sahen
       Medienspekulationen sie bereits als Nachfolgerin. Die Kim-Dynastie
       beherrscht Nordkorea seit drei Generationen.
       
       Doch inzwischen ist Machthaber Kim wiederaufgetaucht. Jetzt wird
       spekuliert, dass er seine Schwester mit den Drohungen vorschiebt, um den
       Druck auf Donald Trump wie Südkoreas Präsidenten Moon Jae In zu erhöhen,
       ohne selbst die Brücken zu diesen abzubrechen. Die beiden hatten mit viel
       persönlichem Einsatz versucht, ein freundschaftliches Verhältnis mit ihm
       aufzubauen, um ihn zu atomarer Abrüstung zu bewegen.
       
       ## Großer Auftritt zum Auftakt der Olympischen Winterspiele
       
       Kim Yo Jong, die 30 oder 32 Jahre alt sein soll, ging einst mit ihrem
       Bruder streng abgeschirmt unter falschem Namen im schweizerischen Bern zur
       Schule. Sie hat ihn bereits zu wichtigen Treffen wie denen mit Trump oder
       Moon begleitet. Weil das Kim-Trump-Treffen 2019 in Hanoi mangels
       US-Zugeständnissen von Pjöngjang als Fehlschlag gewertet wurde, soll Kim Yo
       Jong zeitweise ihren Sitz im Politbüro verloren haben.
       
       Die frühere Informatikstudentin, die mit einem Sohn von Nordkoreas
       nominellem nordkoreanischen Staatsoberhaupt verheiratet sein soll, hatte
       ihren eigenen großen Auftritt bei den Olympischen Winterspielen im
       südkoreanischen Pyeongchang. Dort vertrat die gelegentlich als Nordkoreas
       Ivanka Trump Bezeichnete mit einer Charmeoffensive ihren Bruder. Zugleich
       war sie das erste Mitglied der Kim-Dynastie seit Ende des Koreakriegs 1953,
       das den Süden besuchte.
       
       Von ihrem Charme merkt Südkorea seit März nichts mehr, als sie erstmals
       gegen Seoul polterte, das Raketentests des Nordens kritisiert hatte. Die
       USA hatten sich von ihr weniger einlullen lassen und sie schon 2017 wegen
       schwerer Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea auf eine schwarze Liste
       gesetzt.
       
       15 Jun 2020
       
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