# taz.de -- US-Präsident Donald Trump: Drei Mittelfinger für Peking
       
       > Keine Kooperation mehr mit der angeblich China-hörigen WHO, keine
       > Handelsvorteile mehr für Hongkong, weniger Visa für chinesische
       > Studenten: Trump eskaliert.
       
 (IMG) Bild: Der Mann im Weißen Haus kehrt China noch stärker den Rücken zu als bisher
       
       Washington/Brüssel/Hongkong ap/dpa | US-Präsident Donald Trump hat die
       wegen Handelsstreitigkeiten ohnehin belasteten Beziehungen mit China mit
       drei weiteren Maßnahmen weiter angespannt.
       
       Die Zusammenarbeit und Finanzierung der Weltgesundheitsorganisation werde
       er einstellen, weil die UN-Organisation sich bei der Corona-Pandemie von
       Peking habe beeinflussen lassen, verkündete er am Freitag. Hongkong würden
       Handelsvorteile gestrichen, weil ein sogenanntes chinesisches
       Sicherheitsgesetz Bürgerrechte und Demokratie in dereinstigen britischen
       Kronkolonie schmälern werde. Und chinesischen Studenten würden keine Visa
       mehr erteilt, wenn diese im Verdacht stünden, Teil einer Regierungskampagne
       zu sein, sich Wissen über Handel und Forschung für die militärische und
       wirtschaftliche Entwicklung Chinas aneignen zu wollen.
       
       Die WHO habe sich von China benutzen lassen, die Gefährlichkeit des
       Coronavirus Sars COV-2 zu Beginn der Pandemie klein zu reden, erläuterte
       Trump. Peking habe seine Berichtspflichten an die WHO ignoriert und die
       Öffentlichkeit über das Ausmaß des Ausbruchs in Wuhan getäuscht, der zur
       Pandemie wurde und allein in den USA zum Tod von mehr als 100.000 Menschen
       geführt habe. Seiner [1][Aufforderung nach Reformen der WHO] sei die
       Organisation nicht nachgekommen.
       
       Trump sagte, die USA zahlten etwa 450 Millionen Dollar (rund 405 Millionen
       Euro) an die WHO, China aber nur rund 40 Millionen. Sein Land werde den
       bisherigen Beitrag für andere dringende Gesundheitsaufgaben weltweit
       ausgeben, die dies verdienten. Einzelheiten dazu nannte Trump nicht.
       
       Die oppositionellen Demokraten hatten schon bei der [2][Drohung Trumps mit
       dem Abbruch der Zusammenarbeit mit der WHO] im April erklärt, dass dieser
       ohne Einbindung des Kongresses rechtlich keinen Bestand habe. Die
       Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, bezeichnete Trumps
       Vorgehen am Freitag als „Akt außerordentlicher Sinnlosigkeit“.
       
       ## EU warnt vor Bruch mit Weltgesundheitsorganisation
       
       Unterdessen hat EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen US-Präsident
       Donald Trump aufgefordert, den angekündigten Bruch mit der
       Weltgesundheitsorganisation WHO zu überdenken. Im Kampf gegen das
       Coronavirus helfe nur globale Zusammenarbeit und Solidarität, erklärte von
       der Leyen am Samstag gemeinsam mit dem EU-Außenbeauftragten Josep Borrell.
       
       „Die WHO muss weiter in der Lage sein, die internationale Reaktion auf
       jetzige und künftige Pandemien anzuführen“, heißt es in einer gemeinsamen
       Erklärung. Dafür nötig sei die Teilnahme und Unterstützung aller. „Alles,
       was internationale Ergebnisse schwächt, muss vermieden werden. In diesem
       Kontext drängen wir die USA, ihre angekündigte Entscheidung zu überdenken.“
       
       Von der Leyen und Borrell schrieben, die Europäische Union unterstütze die
       WHO weiter im Kampf gegen die Pandemie und habe bereits zusätzliches Geld
       zugesagt. Am 19. Mai hätten alle WHO-Mitgliedsstaaten beschlossen, so bald
       wie möglich eine unparteiische, unabhängige und umfassende Bewertung
       einzuleiten und die Lehren aus der internationalen Reaktion auf das
       Coronavirus zu ziehen. Dies sei nötig, um den Gesundheitsschutz zu stärken.
       
       ## Hongkongs Regierung bestreitet Autonomieverlust
       
       Zu Hongkong sagte Trump, seine Regierung werde damit beginnen, die „ganze
       Palette“ von Absprachen zu beseitigen, mit denen die USA Hongkong eine
       Sonderstellung im Vergleich zum chinesischen Kernland einräumen. Das
       Außenministerium werde eine Warnung an US-Bürger aussprechen, dass sie
       überwacht oder festgenommen werden könnten, wenn sie Hongkong besuchen.
       
       Der chinesische Volkskongress hatte ein Gesetz zur inneren Sicherheit
       gebilligt, [3][das oppositionelle politische Aktivitäten und die
       Zivilgesellschaft in Hongkong stark einschränken könnte]. US-Außenminister
       Mike Pompeo erklärte in einer Einschätzung für den Kongress am Mittwoch,
       das Gesetz untergrabe Hongkongs Autonomie und Freiheiten.
       
       Hongkongs Regierung kritisierte am Samstag das Vorgehen der USA.
       Justizchefin Teresa Cheng bezeichnete es als „nicht akzeptabel“. Die
       Einführung eines nationalen Sicherheitsgesetzes bedeute nicht das Ende des
       Grundsatzes „ein Land, zwei Systeme“.
       
       „Es wird behauptet, dass wir jetzt „ein Land, ein System“ werden und unsere
       Autonomie verloren haben“, sagte Cheng: „Das ist völlig falsch“. Die
       nationalen Sicherheit sei auch in jedem anderen Land der Welt eine
       Angelegenheit der zentralen Regierung.
       
       Enttäuscht über die Ankündigung von Trump zeigte sich die US-Handelskammer
       in Hongkong (AmCham). Es sei ein „trauriger Tag“, erklärte
       AmCham-Präsidentin Tara Joseph: „Dies ist ein emotionaler Moment für
       Amerikaner in Hongkong und es wird eine Weile dauern, bis Unternehmen und
       Familien die Folgen verdaut haben“.
       
       30 May 2020
       
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