# taz.de -- Deutsche Außengrenzen und Corona: Keine Einreisekontrollen mehr
       
       > Ab dem 15. Juni sollen die deutschen Außengrenzen nicht mehr kontrolliert
       > werden. Auch die Aufnahme geflüchteter Kinder soll laut dem Innenminister
       > wieder starten.
       
 (IMG) Bild: Grenzen auf! Hier wird bei Griesen am 15. Mai die Grenzsperrung zu Österreich abgebaut
       
       Berlin afp/epd | Spätestens ab kommenden Dienstag wird es an den deutschen
       Außengrenzen keine Einreisekontrollen mehr geben. Bundesinnenminister Horst
       Seehofer (CSU) sagte am Mittwoch in Berlin, die wegen der Coronapandemie
       verhängten Kontrollen sollten sich bis Montag „allmählich ausschleichen“.
       Wegen der Pandemie hatte Deutschland Grenzkontrollen an den Grenzen zu
       Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg und Dänemark eingeführt, die
       in den vergangenen Wochen schon zurückgefahren worden waren.
       
       Seehofer äußerte zugleich die Erwartung, dass bis Ende Juni alle
       Grenzkontrollen innerhalb der EU aufgehoben werden. Damit werde die
       Freizügigkeit in der EU wieder voll hergestellt. Wenn sich die Situation in
       dem einen oder anderen Land wieder verschlechtern solle, müsse überlegt
       werden, was zu tun ist, sagte der Minister weiter.
       
       Eine Sonderregelung gibt es für Spanien. Dort soll der Reiseverkehr nach
       den Worten Seehofers wieder ab dem 21. Juni möglich sein. Das betrifft vor
       allem den Luftverkehr. Zudem müssen Menschen aus Schweden in vielen
       Bundesländern eine Quarantäne antreten. In Schweden, das weniger restriktiv
       mit der Pandemie umgeht, gibt es eine verhältnismäßig hohe Sterberate unter
       den Infizierten. Seehofer begrüßte ausdrücklich die Quarantäne für Menschen
       aus dem skandinavischen Land, dies ist aber Sache der Bundesländer.
       
       Noch keine Entscheidung hat das Bundeskabinett zu den Einreisen aus
       Drittstaaten außerhalb der EU getroffen. Seehofer begründete dies damit,
       dass sich hier die EU noch nicht festgelegt habe. Die derzeitigen
       Beschränkungen gelten somit bis Ende Juni weiter. Seehofer mahnte aber auch
       hier klare Regelungen an: „Es genügt nicht, zu sagen, die ganze Welt ist
       ein Risikogebiet.“
       
       ## Seenot und griechische Inseln
       
       Parallel zum Ende der Grenzkontrollen wirds laut Seehofer auch die
       humanitäre Aufnahme von Flüchtlingen aus anderen EU-Staaten wieder
       aufgenommen. Der Innenminister teilte mit, es sollten weitere [1][Kinder
       aus den Lagern auf den griechischen Inseln nach Deutschland geholt werden].
       Konkret kündigte er die Aufnahme von 243 behandlungsbedürftigen Kindern und
       ihrer Familienangehörigen an. Die Kinder seien alle nicht unbegleitet und
       sollten nicht ohne Geschwister und Elternteile geholt werden, sagte
       Seehofer.
       
       Darüber hinaus habe Deutschland Seehofer zufolge Italien und Malta
       angeboten, [2][jeweils 80 aus Seenot gerettete Menschen] zu übernehmen. Die
       Aufnahmen werden jeweils „Ende Juni, Juli“ erfolgen.
       
       Wegen der Coronapandemie hatte Seehofer zudem die sogenannten
       Resettlement-Programme ausgesetzt, bei denen besonders Schutzbedürftige aus
       Flüchtlingslagern in Drittstaaten nach Deutschland geholt werden, etwa aus
       den Nachbarstaaten Syriens. Wann sie wieder anlaufen, ließ Seehofer am
       Mittwoch offen. Er betonte aber, es bleibe bei allen Zusagen, die
       Deutschland dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) gemacht habe. Die
       Bundesregierung hatte versprochen, im Rahmen dieser Programme in diesem
       Jahr 5.500 Flüchtlinge aufzunehmen.
       
       In der Pressekonferenz äußerte Seehofer sich zudem skeptisch gegenüber der
       von den Grünen geforderten Streichung des Begriffs „Rasse“ aus dem
       Grundgesetz. Es sei „keine Alltäglichkeit“, dass ein Kabinettsausschuss zur
       Bekämpfung von Rassismus geschaffen worden sei. Damit solle Bewusstsein
       dafür geschaffen werden, dass es hierzulande „null Toleranz“ für Rassismus
       gebe.
       
       ## „Rassismus auf einen Nullpunkt bringen“
       
       Gleichzeitig diesen Teil eines Artikels im Grundgesetz zu streichen, sei
       aus seiner Sicht „vielleicht ein falsches Signal“ und könne
       Missverständnisse auslösen, sagte Seehofer. Einer Debatte wolle er sich
       aber nicht Debatte versperren. Wichtiger sei ihm aber, „dass wir die Causa
       Rassismus in Deutschland auf einen Nullpunkt bringen“.
       
       Die Grünen fordern die Streichung des Begriffs „Rasse“ aus Artikel 3 des
       Grundgesetzes, der besagt, dass niemand „wegen seines Geschlechtes, seiner
       Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft,
       seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen“
       benachteiligt werden darf. Mit dem Begriff „Rasse“ werde impliziert, dass
       es eine Unterteilung von Menschen in verschiedene Kategorien gebe, erklärte
       der Grünen-Vorsitzende Anton Hofreiter.
       
       10 Jun 2020
       
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