# taz.de -- Linkspartei und der Fall Hunko: Am Rande der Vernunft
       
       > Linken-Fraktionsvize Andrej Hunko beschuldigt Medien, „abweichende
       > Meinungen“ zu zensieren. Populismus liegt auch der Linkspartei nicht
       > fern.
       
 (IMG) Bild: Heilige Corona, hilf! Im Aachener Dom kann man sie anrufen
       
       Die Linkspartei hat bislang, anders als AfD und Teile der FDP, der
       Versuchung widerstanden, den Frust über den Lockdown populistisch
       auszunutzen. Im Parlament spielt die Fraktion klug die Rolle der
       konstruktiven Opposition, die für Vermögensabgabe und sozialen Ausgleich
       plädiert, aber auf Frontalangriffe auf das Corona-Krisenmanagement
       verzichtet. Doch der Lockdown für Unvernunft und Populismus bei den
       Genossen scheint vorbei zu sein.
       
       Andrej Hunko, Fraktionsvize, hat Ende April in Aachen [1][auf einer
       Mahnwache] gesprochen. Die wurde von einem Aktivisten angemeldet, der
       Corona für „weniger gefährlich als eine Grippewelle“ hält und schon im März
       [2][alle Einschränkungen aufheben] lassen wollte.
       
       Auf einer Demo für Grundrechte vertrat Hunko in Aachen nun die Ansicht, das
       Problem sei weniger die Coronapandemie als die Einschränkung der
       Bürgerrechte. Das Problem seien nicht Experten wie Wolfgang Wodarg, die
       Corona für ungefährlich halten, sondern die Mainstreammedien, die, wie
       immer, abweichende Meinungen zensieren. Auch [3][Bill Gates],
       Lieblingsfeind der Verschwörungserzähler, wird kritisiert, allerdings nicht
       als mythisches Weltböses, sondern als jemand, der zu viel Einfluss auf
       öffentliche Belange nimmt.
       
       Hunko ist kein Anhänger verstrahlter Verschwörungserzählungen, manche
       Kritik ist diskutabel. Die Demo in Aachen war auch, anders als in Gera, wo
       sich FDP-Mann Kemmerich einreihte, auch kein Gemeinschaftswerk mit der AfD.
       Doch das Diskussionswürdige vermixt Hunko geschickt mit Ressentiments, etwa
       dem Evergreen, dass abweichende Meinungen grundsätzlich unterdrückt werden.
       
       ## Wo vor allem Affekte zählen
       
       Wodargs Thesen, der die Pandemie für Panikmache hält, mache er „sich nicht
       vollständig zu eigen“, so Hunko. Nicht vollständig bedeutet – im Kern doch.
       So blinkt man mal kurz in jenes fundamentaloppositionelle Milieu, das sich
       als Opfer sinistrer Mächte sieht und in dem vor allem Affekte zählen.
       
       Was in diesem Bild immer fehlen muss, ist der Blick über die Grenzen.
       Deutschland ist, anders als Schweden oder die USA, bis jetzt glimpflich
       davongekommen. Die alltäglichen Restriktionen waren hierzulande weit
       weniger schmerzhaft als in Spanien oder Frankreich. Doch das muss
       weggeblendet werden, um die Erzählung, dass die Regierung fast alles falsch
       gemacht hat, zu bedienen.
       
       Es ist der Job der Opposition, kritische Fragen nach der
       Verhältnismäßigkeit und nach den Kosten von Einschränkungen zu stellen.
       Doch [4][die Linkspartei] darf, wenn sie als rationale Stimme ernst
       genommen werden will, dabei die Grenze zur Gegenaufklärung nicht
       überschreiten, wie es Hunko en passant getan hat. Die Rolle, mit allen
       propagandistischen Mitteln die gärende Verzweiflung und Angst auf ihre
       Mühlen zu leiten, sollte die Linkspartei anderen überlassen.
       
       20 May 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Protest-gegen-Corona-Massnahmen/!5683963
 (DIR) [2] https://www.openpetition.de/petition/online/sofortige-aufhebung-aller-in-der-corona-krise-verfuegten-einschraenkungen-buergerlicher-freiheiten
 (DIR) [3] https://www.andrej-hunko.de/start/aktuelles/4954-redemanuskript-gedanken-sind-frei
 (DIR) [4] /Bodo-Ramelow-ueber-Corona-Skeptiker/!5681547
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Reinecke
       
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