# taz.de -- Berliner Polizei räumt besetzte Villa: Bröckelnder Putz statt Freiräumen
       
       > Einen Tag lang hielten Jugendliche eine leerstehende Villa in Westend
       > besetzt. Sie wollten dort ein Jugendzentrum gründen. Polizei räumt mit
       > Rammbock.
       
 (IMG) Bild: Noch ein Freiraum in Gefahr: Auch um das Jugendzentrum Drugstore in Schöneberg wird gestritten
       
       Berlin taz | Während für einige Aktivist:innen am Vormittag der politische
       1. Mai langsam mit einzelnen und kleinen Kundgebungen begann, war er für
       einige Jugendliche aus Westberlin schon fast gelaufen. Die hatten 24
       Stunden zuvor nämlich eine nach ihren Angaben seit 15 Jahren leer stehende
       Villa am Branitzer Platz 3 in Charlottenburg-Wilmersdorf besetzt. Auch weil
       Freiräume für Jugendliche besonders im Westen der Stadt rar sind, weil die
       J[1][ugendzentren] bedroht sind oder verdrängt wurden, wolle man dort ein
       neues Jugendprojekt gründen, hieß es kurz nach der Besetzung seitens der
       Gruppe Brani03. Alle Pandemie-Schutzmaßnahmen seien bei der Besetzung
       umgesetzt worden.
       
       Auf [2][Bildern aus dem Innern] sieht man eine ehemals offenbar sehr
       prunkvolle Villa mit repräsentativen Räumen. Der bröckelnde Putz auf den
       Fotos zeugt vom Spekulationswillen der Eigentümer, die es offenbar nicht
       eilig haben mit der Nutzung: Erstaunlich, dass eine solche Immobilie
       angesichts akuter Wohnungsnot leer steht.
       
       „Es ist besonders während dieser Pandemie verantwortungslos, Wohnraum leer
       stehen zu lassen, der von Menschen gebraucht und genutzt werden könnte“,
       hieß es in einer Mitteilung der Besetzer:innen. Sie wollten, auch mit Blick
       auf das bedrohte queerfeministische Hausprojekt [3][Liebig 34,]
       hierarchiefreie Strukturen in einem Jugendzentrum schaffen. In Berlin gebe
       es insbesondere während der Pandemie zu wenig Schutzräume für Opfer
       häuslicher Gewalt.
       
       Entsprechend enttäuscht waren die Jugendlichen, als die Besetzung nach fünf
       Stunden von der Polizei mit Rammböcken geräumt wurde. Elf Personen wurden
       [4][laut Polizei] wegen Hausfriedensbruch angezeigt. Wie lautete noch mal
       das Versprechen des Senats: Keine Räumungen während der Pandemie.
       
       Die linke Szene solidarisierte sich mit der Besetzung, einige
       Unterstützer:innen warteten vor der Gefangenensammelstelle, bis die
       Besetzer:innen kurz vor Mitternacht freikamen. Rot-Rot-Grün hielt sich
       hingegen bedeckt. EinE Sprecher:in der Gruppe war auch am Morgen danach
       noch enttäuscht: „Es wurden Fakten geschaffen, statt über das Problem zu
       verhandeln.“ Schade eigentlich. Die alte Villa hätte sich als Jugendzentrum
       gut gemacht.
       
       1 May 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Autonomes-Jugendzentrum/!5654672
 (DIR) [2] https://twitter.com/kommonjetzt/status/1255836139036053506
 (DIR) [3] /Linkes-Hausprojekt-in-Berlin/!5657278/
 (DIR) [4] https://www.neues-deutschland.de/artikel/1136144.berlin-jugendliche-besetzen-haus-im-westend.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
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