# taz.de -- Führungswechsel bei Labour: Corbyn-Experiment gescheitert
       
       > Der scheidende Labour-Chef war eine Katastrophe für die Partei. Sein
       > Führungsstil ließ keinen Platz für Kritik.
       
 (IMG) Bild: Corbyn und sein späterer Nachfolger Starmer bei einer Veranstaltung vor der großen Wahlschlappe
       
       [1][Jeremy Corbyn] hat die britische [2][Labour-Partei] in eine Sackgasse
       geführt, und die Partei weiß das. Bei der Wahl seines Nachfolgers stimmten
       von den 400.000 Abstimmenden unter den 550.000 Parteimitgliedern 70 Prozent
       für Kandidaten, die den Bruch mit der Corbyn-Ära versprachen. Das Scheitern
       des Corbyn-Projekts lag nicht in erster Linie am Programm.
       
       Bei zusätzlichen Staatsausgaben, Kern des Labour-Wahlprogramms 2019, stößt
       schließlich selbst [3][Boris Johnson] mittlerweile in ungeahnte Höhen vor.
       Das allein ist also kein Ausweis linker Gesinnung. Der Grund für Corbyns
       Scheitern ist sein Politikstil, und da geht es um das linke
       Selbstverständnis. Mit Corbyn kaperten bei Labour altlinke Aktivistenzirkel
       den Parteiapparat und operierten in stalinistischen
       Freund-Feind-Kategorien.
       
       Während nach außen Corbyn vor Jugendaktivisten als eine Art Dumbledore der
       britischen Politik auftrat, als netter Opa mit magischen Kräften, trat in
       der Partei Führerkult an die Stelle offener Debatte. Wer unbequeme Fragen
       stellte, wurde als Verräter abgestempelt, fertiggemacht, verleumdet,
       bedroht. An die Stelle einer pluralistischen Debatte traten krude
       Weltverschwörungstheorien über das jüdische Finanzkapital. Corbyn-Kritiker
       fielen schneller in Ungnade als Holocaust-Leugner.
       
       Auf reale Probleme gab es derweil keine Antwort. Zum Brexit fand die
       Corbyn-Linke keine eigene Erzählung, ob dafür oder dagegen. Den Schwund
       ganzer Wählerschichten, erst in Schottland und dann im Norden Englands,
       nahm die Partei kommentarlos hin. Unter keinem anderen Führer sind so viele
       fähige Jungpolitiker aus Labour geflohen oder hinausgeekelt worden wie
       unter Corbyn.
       
       Die Corbyn-Ära war für Labour ein Experiment. Es ist desaströs
       schiefgegangen. Seine Träger geraten jetzt zu Recht in Vergessenheit. Das
       Nachdenken über eine linke Politik für das Großbritannien des 21.
       Jahrhunderts kann beginnen.
       
       5 Apr 2020
       
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