# taz.de -- Studie über Wirkung von Fitness-Apps: Verbündet mit dem Selbstbild
       
       > Fitness-Apps machen nicht sportlicher. Aber sie können eine Hilfe sein,
       > sich häufiger zu bewegen, wenn man es sowieso schon will.
       
 (IMG) Bild: Sport im Corona-Frühling
       
       Viele Jahre lang war mein Lieblingstier der Schweinehund. Jeglicher Sport
       war mir ein Gräuel. Im Turnunterricht in der Schule versuchte ich, mit
       blöden Witzen von meinen Schwächen abzulenken. Später sammelte ich
       Mitgliedskarten von Fitnesscentern und Unisportkursen wie andere Menschen
       Briefmarken: Für gutes Geld erworben, lagerten sie fein säuberlich sortiert
       und weitgehend unberührt an einem sicheren Ort.
       
       Das änderte sich, [1][als ich vor einigen Jahren auf meinem Smartphone eine
       Fitness-App installierte]. Wie die Bezeichnung schon verriet, würde die
       Installation allein ausreichen, um mich fit zu machen, so meine Hoffnung.
       Speicherplatz für Fitness, das schien mir ein fairer Deal zu sein. Die App
       zeigte, wie schnell man sich wo hinbewegte, und teilte mir mit, was die
       Freundinnen und Freunde taten. Ich fühlte mich durchtrainiert, ohne einen
       Meter gelaufen zu sein.
       
       Zu meiner großen Verwunderung begann ich kurz darauf, regelmäßig joggen zu
       gehen. War es die Fitness-App, die den Schweinehund vor die Haustür gelockt
       hatte? Tatsächlich ist sich die Forschung nicht einig darüber, ob die
       Nutzung solcher Apps Menschen wirklich dazu bringt, Sport zu machen.
       
       Eine kürzlich in dem Fachjournal Computers in Human Behavior
       [2][veröffentlichte Studie] beschäftigt sich mit dieser Debatte. Die
       Forscherinnen und Forscher befragten rund 300 Collegestudentinnen und
       -studenten, wie oft sie Sport treiben und ob sie Fitness-Apps nutzen.
       Außerdem mussten die Teilnehmenden angeben, wie wichtig Bewegung für ihr
       Selbstkonzept war: Hatten sie sportliche Ziele? Wurden sie von anderen als
       sportlich wahrgenommen? Exercise identity, zu Deutsch nur eher holprig als
       „Turnidentität“ zu übersetzen, nannten die Forscherinnen und Forscher diese
       Eigenschaft.
       
       ## Apps als Marker
       
       Die Ergebnisse der Befragung zeigten: Jene, die mindestens eine Fitness-App
       besaßen, machten mehr Sport als die, die keine hatten. Maßgeblich für den
       Unterschied an Bewegung war allerdings die „Turnidentität“: Je stärker sich
       die Befragten als Sportler identifizierten, desto mehr Sport machten sie.
       Die „Turnidentität“ bestimmte zudem die Beziehung zwischen Sportausübung
       und App-Nutzung. Wurde also die Identität einberechnet, gab es keinen
       Unterschied in sportlicher Ausübung zwischen Nutzern und Nichtnutzern von
       Apps.
       
       Fitness-Apps, schlossen die Forschenden, sind ein „Marker“. Sie zeigen,
       [3][dass man sich als sportlich sieht und gern Sport treibt]. Da es sich
       bei der Studie nur um eine einmalige Befragung handelt, bleibt jedoch
       offen, welche Rolle die Apps bei der Entwicklung der sportlichen Identität
       gespielt haben. Weshalb ich aus der Studie ein Tipp für jene ableite, die,
       so wie ich damals, endlich mehr Sport machen wollen: Gebt euch als Erstes
       eine „Turnidentität“, erklärt euch also zum sportlichen Menschen. Dann
       installiert ihr eine Fitness-App. Beides geht einfach von der Couch aus.
       Mit etwas Glück traut sich der Schweinehund dann bald heraus.
       
       16 Apr 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Datenschutz-bei-Standorterkennung/!5667163
 (DIR) [2] https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0747563220300674
 (DIR) [3] /Ruecksichtslose-Kampfjogger/!5674281
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Anna Goldenberg
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Internetexplorerin
 (DIR) Joggen
 (DIR) Identität
 (DIR) Fitness
 (DIR) Kolumne Internetexplorerin
 (DIR) Kolumne Internetexplorerin
 (DIR) Kolumne Internetexplorerin
 (DIR) Kolumne Internetexplorerin
 (DIR) Kolumne Internetexplorerin
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Unterschätzte Cyberkriminalität: Phishing, das sind die anderen
       
       Auf betrügerische E-Mails hereinzufallen halten wir für unwahrscheinlich,
       sagt eine Studie. Bei unseren Mitmenschen sehen wir das größere Risiko.
       
 (DIR) Smartphone-Nutzung von Kindern: Neue Panik? Alter Hut!
       
       Wenn neue Technologien erscheinen, tritt die Angst vor dem Neuem auf.
       Mitschuld daran hat die Forschung, die hinterherhinkt.
       
 (DIR) Mein Smartphone und ich: Ein Liebesgeständnis
       
       Erst wollte ich dich nicht, jetzt kann ich mir ein Leben ohne dich nicht
       mehr vorstellen. Und gerade in Zeiten von Corona bist du unerlässlich.
       
 (DIR) Homeoffice in der Corona-Krise: Pyjamas und Planung
       
       Wegen der Corona-Krise müssen viele Menschen von zu Hause aus arbeiten.
       Eine Übersicht auf die wichtigsten Fragen, wie die Heimarbeit gelingen
       kann.
       
 (DIR) Beziehungsende im Digital-Zeitalter: Schluss machen für Profis
       
       Das Ende einer Beziehung bringt auch viel Aufräumarbeit mit sich.
       Erinnerungen wollen außer Sicht genommen werden, auch die digitalen.