# taz.de -- Markus Söder in der Coronakrise: Der falsche Held
       
       > Die Rolle als Virusbekämpfer spielt der bayerische Ministerpräsident
       > überzeugend gut. Nach der Krise wird er wieder der alte eiskalte Stratege
       > sein.
       
 (IMG) Bild: Markus Söder
       
       Markus Söder scheint die Rolle seines Lebens gefunden zu haben: als Held
       der Stunde. Er ist Deutschlands Virusbekämpfer Nummer 1. Manche sehen in
       ihm schon [1][den nächsten Kanzlerkandidaten der Union].
       
       Söder beweist durchaus Qualitäten in der Coronakrise: Er reagiert schnell,
       richtet sich mit bedachten Worten an die Bürger*innen. Als einziger
       Ministerpräsident beweise er Tatkraft, loben ihn deshalb viele.
       
       Dabei ist seine Tatkraft oft nicht viel mehr als kalkulierte Inszenierung:
       Wenn sich die Supermärkte wegen panischer Hamsterkäufe leeren, dann besucht
       Söder ein Logistikzentrum in Bayern, stellt sich, die Arme hinter dem
       Rücken verschränkt, vor meterhohe Klopapaier-Regale und lässt sich so
       ablichten. [2][So was wirkt.]
       
       Auf den Pflegenotstand in Bayern antwortet Söder [3][mit kostenloser
       Verpflegung für Mitarbeiter*innen]. Auf Twitter erhält er dafür über 18.000
       Likes, in den Kommentaren finden sich Hunderte Dankesbekundungen. Vergessen
       scheint, dass es die CSU-Regierung selbst war, die die Lage im überlasteten
       Gesundheitswesen seit Jahren nicht ernst nahm oder an die Bundeskompetenz
       verwies.
       
       ## Sein gewohntes Naturell
       
       Noch vor Kurzem schien Söder das Wohl der bayerischen Bürger*innen auch gar
       nicht ganz so wichtig. Die Kommunalwahl am 15. März ließ er regulär
       stattfinden, dabei hatte er noch zwei Tage zuvor angekündigt, Schulen zu
       schließen und Großveranstaltungen zu verbieten. [4][Wahlhelfer*innen
       berichteten später] von fehlenden Vorsichtsmaßnahmen.
       
       Dicht an dicht habe man die Stimmen ausgezählt. Keinen Mundschutz, keine
       Handschuhe habe es gegeben. Die etablierten Parteien, eben auch Söders CSU,
       gingen als Sieger aus dieser Wahl hervor: Die Angst vor dem Virus war’s –
       das muss Söder geahnt haben. Hier war er kein Held, [5][er handelte wie ein
       eiskalter Stratege.]
       
       Krisen lenken den Blick auf das, was ist, und lassen vergessen, was mal
       war. Söder weiß das. Seine Fehler und Versäumnisse kaschiert er mit großen
       Gesten und Bildern. Irgendwann wird die Krise aber ausgestanden sein und
       der einstige Held der Stunde wird zu seinem gewohnten Naturell
       zurückkehren. Hängen bleiben sollten deshalb nicht die Bilder aus
       Logistikzentren, sondern die eines Politikers, der für Wähler*innenstimmen
       die Gesundheit anderer aufs Spiel setzt.
       
       27 Mar 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-krise-markus-soeder-hat-gezeigt-wie-man-massstaebe-setzt-sagt-tobias-hans-a-4baed863-032d-4d63-adde-017cae653bbf
 (DIR) [2] /Aenderung-des-Ferienbeginns-in-Bayern/!5641065/
 (DIR) [3] https://twitter.com/Markus_Soeder/status/1242435241865871360?s=20
 (DIR) [4] https://www.br.de/nachrichten/bayern/corona-wahlhelfer-kritisieren-auszaehlung-in-der-messe-muenchen,RtL7bcR?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter
 (DIR) [5] /Die-Wahrheit/!5669040/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Erica Zingher
       
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