# taz.de -- Datensammelwut in der Coronakrise: Privat ist privat
> China, Israel und Südkorea überwachen Corona-Infizierte mittels Big Data.
> Das sollten wir in Europa sein lassen.
(IMG) Bild: Gutes Versteck, hilft aber im Zweifelsfall nicht: nichtbetroffene Verkäuferin in Hongkong
Corona macht Angst. Denn keiner kann mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, ob
wir diese Pandemie glimpflich überstehen. Es wäre ein Leichtes, jetzt zu
fordern, alle verfügbaren, auch digitalen Maßnahmen zu ergreifen, um die
Verbreitung des Virus einzudämmen. Und damit die Bevölkerung gläsern zu
machen. Technisch ist die Überwachung über Handydaten, Kreditkartensysteme
oder andere digitale Technologien möglich.
Und weil es so einfach ist, kommt die flächendeckende Speicherung und
Auswertung privater Daten ins Spiel. China, Südkorea oder [1][Israel]
machen es derzeit vor, indem sie positiv Getestete per Handy orten und ihre
Bewegung im öffentlichen Raum sichtbar machen. Zweifelhaft ist allerdings,
wie sinnhaft eine solche Auswertung ist.
Sind die Informationen über Ortsangaben und Bewegungsprofile präzise? Wer
soll sie erhalten? Was passiert nach der Auswertung? Und kann die vielseits
propagierte Anonymität der Datenspender:innen gewährleistet werden?
Besser, als sich diesen Fragen zu widmen, ist es, die [2][Verbreitung
seriöser Informationen] zu sichern und diese allen Bevölkerungsgruppen
zugänglich zu machen. Dies ist die Aufgabe von Behörden. Wer Fake News
bewusst verbreitet und entlarvt wird, wer die Coronakrise
öffentlichkeitswirksam verharmlost, sollte dafür bestraft werden. Denn
[3][Fehlinformationen] schüren mit Sicherheit Panik.
Der beste Schutz vor Covid-19 sind nach wie vor die Einhaltung von
Hygienemaßnahmen und das Einschränken von Sozialkontakten. Auch Maßnahmen
wie eine zeitweise Ausgangssperre helfen im Kampf gegen die Pandemie. Bis
die Datenschutzgrundverordnung EU-weit verabschiedet werden konnte, hat es
Jahre gedauert. Es ist Konsens in den europäischen Staaten, die Überwachung
von Bürger:innen wohl abzuwägen und die informationelle Selbstbestimmung
als hohes Gut zu erachten. Jetzt den mühsam errungenen Schutz unserer
Privatsphäre aufzugeben, wäre der falsche Weg.
18 Mar 2020
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## AUTOREN
(DIR) Tanja Tricarico
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