# taz.de -- Beleidigungen gegen Sawsan Chebli: Eine rechte Sprechpuppe
       
       > Vor Gericht verliert Chebli gegen einen rechten Troll. Der hatte sie übel
       > beleidigt. Das scheint sein einziger Lebensinhalt zu sein.
       
 (IMG) Bild: Sawsan Chebli auf einer Demo in Berlin nach der Wahl von Thomas Kemmerich in Thüringen
       
       Es macht weder Sinn, noch ist es nötig, die unzähligen Beleidigungen, die
       [1][Sawsan Chebli] täglich ertragen muss, zu reproduzieren. Die
       SPD-Politikerin mit dem etwas sperrigen Titel „Bevollmächtigte des Landes
       Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und
       Internationales in der Berliner Senatskanzlei“ ist seit Langem Zielscheibe
       rechter Kreise. Sie reagiert auf die Bedrohungen, so wie man es von
       jemandem erwartet, der in den Rechtsstaat vertraut: Sie zeigt die
       schlimmsten Attacken an.
       
       Einer, der ihr besonders viel Zeit und Aufmerksamkeit widmet ist Tim K.
       Besagter Tim sieht aus wie jemand, der es nicht in eine richtige
       Rockergruppe geschafft hat und sich mit Vorliebe auf RTL2 als cholerischer
       Life-Coach versuchen würde. Er trägt gerne Kutten mit 1-%-Aufnähern. Seine
       ursprüngliche, eher unbekannte Gruppierung „Brothers MC Germany“ wirft ihm
       jedoch vor, Biker-Kameraden durch zwielichtige Geschäftsmodelle über den
       Tisch gezogen zu haben.
       
       Als Profisportler gescheitert, wollte er auch mal zum SEK, brach aber die
       Ausbildung ab und wurde stattdessen Kreispolizist in Lippe. Ideologisch
       bewegt er sich irgendwo zwischen Pegida und mittelalterlichen
       Germanen-Schaustellern.
       
       Doch der in der Vergangenheit bereits wegen Förderung der Prostitution
       angeklagte und wegen Körperverletzung verurteilte K. hat nun endlich seine
       Berufung gefunden: Er ist YouTuber geworden. In seinem Format zieht er dann
       unter anderem über Chebli her, nannte sie etwa eine „islamische
       Sprechpuppe“ und behauptet gleichzeitig von sich für die bürgerliche Mitte
       zu sprechen. Na klar, das kennen wir ja bereits.
       
       ## Armseliger Mob
       
       Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten urteilte am Donnerstag, dass die
       Äußerungen von K. in Richtung Chebli strafrechtlich nicht relevant seien.
       [2][Freispruch also für Tim K].
       
       Am Donnerstag standen vor dem Gericht um die 80 Männer, alle ein wenig zu
       alt und mit etwas zu viel Zeit. Sie jubeln und rufen: „Deutschland!
       Deutschland!“ Falls jemand nicht verstehen sollte, was sie rufen, haben
       sich einige extra in ihren Nationalfarben dekoriert, wie ein Außenspiegel
       zur WM. Die Videos von dem Mob sehen armselig aus. Es sind seine Fans, Tim
       K. ist ihre nationalistische Sprechpuppe, das ist sein trauriger Job.
       Sawsan Chebli hingegen ist weiterhin „Bevollmächtigte des Landes Berlin
       beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftlichen Engagement und
       Internationales in der Berliner Senatskanzlei“.
       
       28 Feb 2020
       
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