# taz.de -- Thüringer Männlichkeit und die FDP: Mittelmaß und Faschismus
       
       > Gewohnt opportunistisch sucht die FDP den Weg zur Macht und schreckt
       > dabei vor nichts zurück. Ein Beispiel männlichen Anspruchsdenkens.
       
 (IMG) Bild: Ein Kunststück männlicher Selbstüberschätzung: Thomas Kemmerich
       
       Beim [1][Staffelfinale der Hufeisenserie in Thüringen] offenbarten sich
       einige Abgründe, vor denen schon seit Jahren gewarnt wird. Der
       Opportunismus als einzige Konstante des Liberalismus etwa: Das Einzige,
       [2][worauf du dich bei der FDP verlassen kannst], ist, dass sie dir das
       Messer in den Rücken rammen, sobald es Profit verspricht.
       
       Die fatalen Folgen des traditionellen Antikommunismus: Bevor bürgerliche
       Parteien auch nur in die Nähe der Linken gehen, [3][paktieren sie mit
       Faschist_innen]. Der Bürgi-Drip erreichte schließlich Arktis-Level, als das
       Mitte-Mythos-Dilemma betrauert wurde: Das Gefühl, wenn du den Faschismus
       zwar nicht leiden kannst, aber Antifaschismus für dich trotzdem nicht
       infrage kommt. Inmitten dieses Zirkus, gehostet von den Clowns der CDU und
       FDP: der Egotrip mittelmäßiger Männer. Wenn der Faschismus Sturm klingelt,
       wirken Genderanalysen unbedeutend wie kleine Knospen in einem Meer
       blühender Veilchen.
       
       Die Dreistigkeit und Selbstüberschätzung, überhaupt zu kandidieren, wenn
       man knapp die 5-Prozent-Marke geknackt hat, ist die konsequente Fortsetzung
       eines sozialen Phänomens, das sich von jedem Dorfbetrieb bis zur krassesten
       Chefetage abspielt. Überall gibt es diese mittelmäßigen cis Männer – oft,
       jedoch nicht immer weiß und bürgerlich –, die trotz bestehender
       Alternativen und bei fehlender Erfahrung oder Kompetenz die besseren
       Positionen besetzen. Die Plätze, für die es mehr Lohn, Anerkennung oder
       Komfort gibt. Mehr Macht.
       
       Solche Typen fragen sich nie, ob es nicht verantwortungslos oder einfach
       falsch ist, Anspruch auf eine Position zu erheben, die ihnen nicht zusteht.
       Es ist ihnen nicht mal peinlich, sich so aufzuspielen. Währenddessen
       verzichten viele geeignete Frauen und nichtbinäre Personen – insbesondere
       jene, die aus einer Arbeiter_innenfamilie stammen und/oder nicht weiß sind
       – auf solche Beförderungen oder nehmen diese nur mit vielen Selbstzweifeln
       an.
       
       ## Überschrittene Grenzen
       
       Sowohl Christian Lindner als auch Thomas Kemmerich bedienen sich gewohnter
       Rhetorik. Die Floskel „Wir haben von nichts gewusst“ ist nicht nur [4][die
       deutscheste aller Lügen], sondern eine strategische Naivität, die man auch
       von hinterlistigen Schlangen jedes Betriebs kennt. Es bleibt jedoch ein
       Trugschluss zu glauben, man komme besser weg, wenn man sich selbst als
       abgrundtief dumm darstellt, statt zu seinem Kalkül zu stehen. „Oh, was für
       eine Überraschung!“
       
       Wer mit Faschist_innen kooperiert, hat keinen Anstand. Solche Männer
       besaßen ihn jedoch noch nie. Kemmerichs Move ist nicht nur eine gefährliche
       Farce auf Kosten der Demokratie, sondern auch ein Symptom der
       Männlichkeitskrise. Lieber geht Kemmerich ein unmoralisches Bündnis ein,
       übergeht den Wunsch der Wähler_innen und überschreitet eine Grenze, die
       ab jetzt immer wieder überschritten werden kann, statt zu akzeptieren, dass
       er ein Niemand ist.
       
       10 Feb 2020
       
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