# taz.de -- Protest gegen die Rentenreform: Es riecht nach Dilettantismus
       
       > Frankreichs Rentenreform verwirrt viele. Die Regierung ignoriert den
       > Protest und riskiert, dass der Zorn eskaliert.
       
 (IMG) Bild: In roten Overalls protestieren Franzosen weiter gegen Macron und seine geplante Rentenreform
       
       Begonnen hatte diese [1][Reform der Renten] in Frankreich mit an sich
       legitimen Absichten. Das System sollte einfacher, verständlicher und sozial
       gerechter werden und allen auf Dauer ein minimales Auskommen im Alter
       garantieren. Wer konnte dagegen sein? Vor einem Jahr noch war darum eine
       große Mehrheit für eine solche Reform zur Harmonisierung.
       
       Heute hat die Regierung eine Mehrheit gegen sich, Streiks und Blockaden
       seit Wochen und alle paar Tage Zehntausende von Demonstranten auf der
       Straße und zusätzliche Berufskategorien, die sich der Mobilisierung
       anschließen. Nicht erst heute steht fest, dass Emmanuel Macron und seine
       Regierung diese Reform vermasselt haben.
       
       Damit nicht genug sind nach der Verabschiedung der Gesetzesvorlage im
       Ministerrat und vor der Parlamentsdebatte die Regierungsmitglieder nicht in
       der Lage zu erklären, was wirklich vorgesehen ist, und wie sich die von ihr
       geplanten Umstellungen für die Bürgerinnen und Bürger je nach Situation
       auswirken werden. Es herrscht große Verwirrung. Bei einer Frage wie der
       Existenz im Alter, die alle bewegt, ist das verantwortungslos.
       
       Besonders schlimm aber ist, dass die Staatsmacht mit der mangelnden
       Klarheit die den Verdacht weckt, dass diese „Reformer“ letztlich nicht
       wissen, was sie tun. Inkompetenz, Dilettantismus oder vorsätzliche
       Vertuschung? Niemand kann es mit Sicherheit sagen. Der Staatschef scheint
       indes ebenso sehr wie sein Premierminister entschlossen zu sein, den
       ungebrochenen Widerstand einfach zu ignorieren – um jeden Preis.
       
       ## Vielen geht es nicht mehr „nur“ um die Rentenreform
       
       Wer den Streik und die friedliche Kundgebung als Mittel der demokratischen
       Auseinandersetzung diskreditiert, muss sich nicht wundern, wenn der
       frustrierte Widerstand zu radikaleren und gewaltsamen Methoden greift. Eine
       Kraftprobe kann in Frankreich, wie man aus der Geschichte weiß, leicht
       eskalieren. Der französische Premierminister [2][Edouard Philippe] scheint
       indes zu glauben, dass er mit seiner Kompromisslosigkeit wie einst Margaret
       Thatcher die Macht der Gewerkschaften brechen könne.
       
       Die Frage stellt sich angesichts der an Arroganz grenzenden Haltung der
       Staatsmacht und der polizeilichen Repression anlässlich von
       Demonstrationen, ob es gar die eigentliche Zielsetzung dieser „Reform“ sein
       könnte, auf längere Zeit die Verteidigung der sozialen Errungenschaften und
       Rechte zu lähmen. Vorerst liegt der Fehdehandschuh noch auf der Straße.
       Macrons Gegner fühlen sich bestärkt, vielen von ihnen geht es nicht mehr
       „nur“ um die Rentenreform.
       
       Anmerkung der Redaktion: Avanti dilettanti – den Rechtschreibfehler in der
       Überschrift der ersten Version des Artikels bitten wir zu entschuldigen.
       Wir haben ihn nun korrigiert.
       
       24 Jan 2020
       
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