# taz.de -- Streiks in Frankreich gehen weiter: Comeback der Gelbwesten
       
       > Die Proteste gegen die Rentenreform haben den Gelbwesten neuen Mut
       > gegeben. Seit Tagen streiken die Menschen – ein Ende scheint vorerst
       > nicht geplant.
       
 (IMG) Bild: Führende Persönlichkeiten der Gelbwesten-Bewegung wie Sophie Tissier begleiten die Proteste
       
       Paris taz | Sie sind wieder da, unübersehbar mit ihren knallgelben
       Warnwesten und hörbar mit ihren im Chor gerufenen Macron-Schmähungen. Im
       Kalender der [1][Gelbwesten] war es der 56. Samstag mit Mobilisierungen in
       zahlreichen Städten und Ortschaften. Die [2][starke Mobilisierung der
       Gewerkschaften gegen die Rentenreform] hat auch ihnen neuen Mut gegeben.
       Sie nahmen am Donnerstag sehr zahlreich an den Kundgebungen teil. Die
       Gewerkschaftsverbände wie die CGT hatten anfänglich gezögert, die
       ideologisch schwer zu definierenden und soziologisch heterogene
       Protestbewegung zu unterstützen, hatten dann sich aber doch mit den
       Forderungen nach mehr Kaufkraft und mehr demokratischen Rechten
       identifiziert.
       
       Heute marschieren GewerkschafterInnen und Gelbwesten gemeinsam. Trotz der
       Risiken, beim geringsten Anlass von [3][rücksichtslos vorgehenden
       Ordnungskräften] gestoppt zu werden, versammelten sich bereits am Vormittag
       unweit des Finanzministeriums mehrere Hundert Gelbwesten und andere
       Regierungsgegner zu einem Demonstrationsmarsch, der quer durch die
       Hauptstadt führen sollte. Bereits am frühen Nachmittag war es zu einigen
       Zusammenstößen zwischen Gelbwesten und Polizei gekommen, die unter anderem
       auch Tränengas einsetzte.
       
       Die Konvergenz der Forderungen und Bewegungen findet auf der Straße statt
       und bringt die Regierung unter Druck. Nicht alle haben dieselben
       Zielsetzungen. Am Samstag haben beispielsweise LKW-Fahrer an mindestens 15
       verschiedenen Orten Autobahnen oder strategische Verkehrsknoten blockiert,
       um gegen ihre Steuerlast und Abgaben auf Treibstoff zu protestieren, die
       sie im Wettbewerb mit Konkurrenten aus dem europäischen Ausland
       benachteiligten und ein „Sozialdumping“ zur Folge habe. Weiterhin werden
       auch einige Erdölraffinerien und Treibstofflager blockiert.
       
       ## Keine Schule, kein Weihnachtsgeschäft – keine Rentenreform?
       
       Auch am Samstag war der Bahnverkehr in ganz Frankreich und auch die Pariser
       Metro von Streiks weitgehend still gelegt. Die Bahnhöfe sind seit
       Donnerstag wie ausgestorben. Vor den Bushaltestellen in Paris bilden sich
       kleine Gruppen, die auf eine Fahrgelegenheit warten. Glücklich schätzt
       sich, wer ein Fahrrad hat oder eine der elektrischen „Trottinettes“
       (Mietroller) benutzen kann. Vor allem auf den Zu- und Ausfahrten und der
       Ringautobahn um Paris bilden sich immer wieder enorme Staus.
       
       Wegen des Streiks fiel auch der Unterricht für Schulkinder aus. Für ein
       oder zwei Tage hatten sich deren Eltern untereinander oder mit Verwandten
       sowie für den Weg zur Arbeit mit Carsharing organisieren können. Nach drei
       Tagen geht das auf die Nerven. In den Zentren der Städte klagen auch die
       Geschäftsleute über dramatische Ausfälle im Weihnachtsverkauf, da ihre
       Kunden wegen der Transportprobleme ihr Einkäufe im Internet tätigen.
       
       An dieser Krisensituation soll sich auch bis Mitte der nächsten Woche
       nichts ändern. Von Tag zu Tag beschließen die Streikenden die Fortsetzung
       ihrer Aktionen, für Dienstag möchten die Gewerkschaften erneut massiv zu
       Kundgebungen mobilisieren, bevor dann am Mittwoch Premierminister Edouard
       Philippe die Absichten der Regierung bezüglich ihrer [4][Pläne für die
       Rentenreform] präzisiert. Er hat erklärt, er suche nicht die
       „Konfrontation“ und hat bereits durchblicken lassen, dass Konzessionen
       möglich wären. Grundsätzlich will er aber am einheitlichen Punktesystem
       festhalten, mit dem die Regierung die derzeit 42 Rentenkassen ersetzen
       möchte. Bestärkt vom Erfolg der Mobilisierungen fordern die Gewerkschaften
       und Linksparteien den bedingungslosen Rückzug der Vorlage.
       
       7 Dec 2019
       
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 (DIR) Rudolf Balmer
       
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