# taz.de -- Wahlfälschung in Malawi: Richter annullieren Wahl
       
       > Das Verfassungsgericht hebt das Wahlergebnis von Mai 2019 auf und setzt
       > Neuwahlen an. Die offiziellen Ergebnisse damals waren krude manipuliert.
       
 (IMG) Bild: Die Justiz in Malawi funktioniert: RichterInnen im Gespräch mit Vizepräsident Saulos Klaus Chilima
       
       LILONGWE taz | Die beispiellose Entscheidung des Verfassungsgerichts von
       Malawi, [1][die Präsidentschafts- und Parlamentswahl vom Mai 2019 zu
       annullieren], ist am Dienstag als Sieg der Demokratie in einem ohnehin als
       Stabilitätsanker des südlichen Afrika gepriesenem Land begrüßt worden.
       
       Feuerwerke und Freudenfeiern in der größten malawischen Stadt Blantyre
       begrüßten in der Nacht zu Dienstag das Urteil vom Montagabend, wonach die
       Wahl gefälscht und daher null und nichtig sei. Das Urteil setzt neue
       Standards für Wahlen in Afrika – es ist die zweite gerichtliche
       [2][Wahlannullierung wegen Fälschung nach Kenia 2017].
       
       Die Richter in der Hauptstadt Lilongwe sprachen in ihrem Urteil von
       verbreiteter Fälschung, Manipulation und weiteren Vergehen, die den
       Wahlausgang [3][zugunsten des Amtsinhabers Peter Mutharika beeinflussten].
       Mutharika bleibt nun bis zu Neuwahlen geschäftsführend im Amt, aber
       Parlamentarier und Gemeinderäte sind ihrer Ämter enthoben worden. Neuwahlen
       müssen innerhalb von 150 Tagen stattfinden.
       
       Die Verfassungsrichter gaben einer Klage der beiden Oppositionsführer
       Lazarus Chakwera (MCP – Malawi Congress Party) und Saulos Chilima (UTM –
       United Transformation Movement) statt. Bei den Wahlen am 21. Mai 2019 hatte
       Präsident Mutharika den offiziellen Ergebnissen zufolge knapp gesiegt: er
       kam auf 1.940.709 Stimmen (38,6 Prozent), knapp vor Chakwera mit 1.781.740
       (35,4 Prozent).
       
       Chilima, der als Vizepräsident gegen den Präsidenten kandidiert hatte, lag
       mit 20 Prozent auf dem dritten Platz. Im Parlament wurde Mutharikas Partei
       DPP (Democratic Progressive Party) mit 62 der 193 Sitze stärkste Kraft.
       
       ## Ergebnisse mit Tippex gefälscht
       
       Es war der knappste Wahlausgang in Malawi seit der Unabhängigkeit von
       Großbritannien 1964, und die Opposition sprach sofort von Fälschung, da im
       Laufe der Auszählung Fotos zirkulierten, wonach offizielle
       Teilergebnisprotokolle mit Tippex „korrigiert“ worden waren, nachdem alle
       Parteien sie unterschrieben und bestätigt hatten. Bei Protesten wurde ein
       Polizist von einer wütenden Menge zu Tode gesteinigt, eine Demonstrantin
       wurde von Polizisten vergewaltigt.
       
       Vor dem Richterspruch war die Angst vor neuen Unruhen groß. Manche Schulen
       und Unternehmen schlossen für die gesamte Woche. Vor wenigen Tagen wurde
       ein Bankier festgenommen, der versucht haben soll, die Richter zu
       bestechen, damit sie die Wahl bestätigen.
       
       Nun aber überwiegt die Freude. „Ein großer Tag für Malawi und ein großer
       Tag für unsere Demokratie“, jubelte Chakwera nach dem Urteil. „Wir brauchen
       ein neues Malawi, in dem die Stimmen des Volkes respektiert und geschützt
       werden.“ Der Drittplazierte Chilima wurde vom Verfassungsgericht in sein
       Amt des Vizepräsidenten wiedereingesetzt, das er nach den Wahlen verloren
       hatte.
       
       Ken Ndanga, Sprecher der regierenden DPP, spielte das Urteil herunter: „Der
       Richterspruch sagt nicht, dass eine politische Partei die Wahlen gefälscht
       habe. Er sagt bloß, dass die Wahlkommission die Wahlen vermasselt hat.“ Die
       Regierung scheint das Urteil auf dieser Grundlage zu akzeptieren. Ndanga
       nannte die Verfassungsrichter „fair, unabhängig und professionell“ und
       sagte, es wäre jetzt „fehlgeleitet“, Berufung einzulegen.
       
       ## In Ruhe Richtung Neuwahlen
       
       Atupele Muluzi von der Oppositionspartei UDF (United Democratic Front) rief
       dazu auf, vor den Neuwahlen den Frieden und die Einheit Malawis zu achten.
       Oppositionelle verlangen als erstes den Rücktritt von Jane Ansah, die
       Chefin der Wahlkommission. Sie soll auf keinen Fall die Neuwahlen
       ausrichten, fordern sie. Ansahs Unterstützer nennen diese Forderung
       Genderdiskriminierung.
       
       Die Regionalgemeinschaft des Südlichen Afrika (SADC), die die Wahl 2019
       noch in Ordnung gefunden hatte, begrüßte die Annullierung und lobte das
       Vertrauen der Malawier in ihrer Justiz. „SADC ruft alle Seiten dazu auf,
       Ruhe zu bewahren und die Vorbereitungen für Neuwahlen einzuleiten“,
       erklärte die tansanische SADC-Generalsekretärin Stergomana Tax.
       
       4 Feb 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.nyasatimes.com/ex-ghana-president-hails-malawi-judges-over-cancelling-tipp-ex-election/
 (DIR) [2] /Wahl-in-Kenia-annulliert/!5444125
 (DIR) [3] /Wahlen-in-Malawi/!5596999
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mavhuto Banda
       
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