# taz.de -- Konflikt zwischen USA und Iran: Raketen in Zeiten der Deeskalation
       
       > Während in Bagdad weitere Raketen einschlagen, wollen die US-Demokraten
       > Trumps Militärbefugnisse begrenzen. Auch zwischen dem Irak und Iran
       > kriselt es.
       
 (IMG) Bild: Antiiranische Stimmung in Bagdad: Iran soll die Souveränität des Irak verletzt haben
       
       WASHINGTON taz | Im Regierungsviertel der irakischen Hauptstadt Bagdad, in
       dem die US-Botschaft ihren Sitz hat, sind erneut Raketen eingeschlagen.
       Zwei Raketen trafen am Mittwochabend die sogenannte Grüne Zone, wie
       Sicherheitskreise der Nachrichtenagentur AFP sagten. Die Angriffe erfolgten
       nur wenige Stunden nach einer Fernsehansprache von US-Präsident Donald
       Trump, in der er deutlich gemacht hatte, dass er eine Deeskalation des
       zuletzt dramatisch verschärften Konflikts mit dem Iran anstrebt.
       
       Von wem der neue Angriff auf die Grüne Zone ausging, war zunächst unklar.
       Die mit dem Iran verbündeten Hasched-al-Schaabi-Milizen hatten am Mittwoch
       mit massiver Vergeltung für den Tod ihres Vizechefs Abu Mehdi al-Muhandis
       bei einem US-Drohnenangriff am Freitag in Bagdad angekündigt.
       
       Al-Muhandis war zusammen mit [1][dem einflussreichen iranischen General
       Qasim Soleimani] getötet worden. Es war nun bereits der dritte
       Raketenangriff auf die Grüne Zone seit der Tötung von Soleimani und
       al-Muhandis. Der Angriff erfolgte knapp 24 Stunden, nachdem der Iran als
       Vergeltung für den Tod Soleimanis zwei Stützpunkte internationaler Truppen
       im Irak mit Raketen beschossen hatte. Bei diesen Angriffen war niemand
       verletzt worden.
       
       Trump kündigte in einer Ansprache [2][keine militärische Reaktion auf die
       Angriffe auf die Militärstützpunkte an], sondern lediglich neue
       Wirtschaftssanktionen gegen den Iran. Teheran scheine in dem Konflikt
       zurückzuweichen, sagte er.
       
       ## Weitere Eskalationen verhindern
       
       US-Vizepräsident Mike Pence sagte seinerseits, er habe „ermutigende“
       Geheimdienstinformationen zum Verhalten des Iran in dem Konflikt erhalten.
       Demnach schicke Teheran Botschaften an verbündete Milizen, wonach sie keine
       „amerikanischen Ziele oder Zivilisten“ angreifen sollten, sagte Pence im
       Fernsehsender CBS. US-Verteidigungsminister Mark Esper vertrat die
       Einschätzung, dass die USA durch die Tötung Soleimanis den
       „Abschreckungsgrad“ im Iran-Konflikt gesteigert hätten.
       
       Der Generalstabschef der US-Armee, Mark Milley, sagte allerdings, nach
       seiner „persönlichen Einschätzung“ habe der Iran mit den Angriffen auf die
       Militärbasen im westirakischen Ain al-Assad und im nordirakischen Erbil
       Menschen töten und „strukturelle Schäden“ anrichten wollen.
       
       Die US-Demokraten wollen unterdessen mittels Beschneidung von Trumps
       militärischen Befugnissen eine weitere Eskalation im Iran-Konflikt
       verhindern. Über eine entsprechende Resolution soll am Donnerstag das von
       der Oppositionspartei kontrollierte Repräsentantenhaus abstimmen, wie die
       Vorsitzende der Kongresskammer, Nancy Pelosi, ankündigte.
       
       Sie kritisierte die Tötung Soleimanis als „provokativ“ und
       „unverhältnismäßig“. Allerdings ist zu erwarten, dass die Resolution
       lediglich das Repräsentantenhaus passiert, aber nicht den Senat – dort
       dominieren Trumps Republikaner.
       
       ## Irritationen zwischen Irak und Iran
       
       Trump forderte am Mittwoch auch, dass die Partner in der Nato sich stärker
       im Nahen Osten engagieren sollten. Er bekam dafür die Unterstützung von
       Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. In einem Telefonat mit dem
       US-Präsidenten habe Stoltenberg zugestimmt, dass die Nato einen größeren
       Beitrag zur „regionalen Stabilität“ und zum „Kampf gegen den
       internationalen Terrorismus“ leisten sollte, teilte die Allianz mit.
       
       [3][Die iranischen Angriffe auf die Militärbasen] sorgten derweil für
       schwere Irritationen zwischen der irakischen und der iranischen Regierung.
       Das irakische Außenministerium kündigte die Einbestellung des iranischen
       Botschafters in Bagdad wegen der „Verletzung der Souveränität“ des Landes
       an. Der Irak sei ein „unabhängiges Land“ und werde es nicht zulassen, zu
       einem „Schlachtfeld“ gemacht zu werden.
       
       Der Iran wiederum versicherte, dass er die staatliche Souveränität des Irak
       respektiere. Der Iran habe vollen Respekt für „die Unabhängigkeit,
       Souveränität, Einheit und territoriale Integrität“ des Irak, erklärte der
       iranische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Majid Takht-Ravanchi, in
       einem Brief an den UN-Sicherheitsrat und an UN-Generalsekretär António
       Guterres. Darin beteuerte der Diplomat auch, dass sein Land im Konflikt mit
       den USA keine „Eskalation oder Krieg“ anstrebe.
       
       9 Jan 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Toetung-durch-US-Drohnenangriff/!5653495
 (DIR) [2] /US-Reaktion-auf-iranische-Raketen/!5654629
 (DIR) [3] /Iranische-Angriffe-auf-US-Militaerbasen/!5651252
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Konflikt zwischen USA und Iran
 (DIR) Schwerpunkt Iran
 (DIR) Donald Trump
 (DIR) Irak
 (DIR) Qasim Soleimani
 (DIR) Schwerpunkt Konflikt zwischen USA und Iran
 (DIR) Schwerpunkt Iran
 (DIR) Atomabkommen
 (DIR) Schwerpunkt Konflikt zwischen USA und Iran
 (DIR) Schwerpunkt Konflikt zwischen USA und Iran
 (DIR) Schwerpunkt Iran
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Drei Protokolle zur Lage in Iran: Tage der Wut
       
       Die Tötung von General Qasim Soleimani hat bei vielen IranerInnen Entsetzen
       ausgelöst. Aber nicht nur das. Wie drei von ihnen auf die Ereignisse der
       Woche blicken.
       
 (DIR) Iranische Raketenangriffe: Krisentelefonate und ein Verdacht
       
       Hat der Iran ein Passagierflugzeug abgeschossen? Der Verdacht erhärtet sich
       zunehmend. Derweil wollen die EU und Teheran am Atomdeal festhalten.
       
 (DIR) Politologe über Krise im Mittleren Osten: „Das Atomabkommen ist nicht tot“
       
       Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik befürchtet nach
       den Angriffen einen einseitigen iranischen Einfluss im Irak. Für den
       Atomdeal sieht er Hoffnung.
       
 (DIR) Konflikt zwischen Iran und den USA: Zu weit nach vorn gewagt
       
       Radikale im Iran haben Rachegelüste geweckt, die sie nicht bedienen können.
       Die Militärmacht der USA ist größer.
       
 (DIR) US-Reaktion auf iranische Raketen: Sanktionen ja, Militärschlag nein
       
       US-Präsident Trump verkündet weitere Sanktionen gegen Iran, aber keine
       militärische Reaktion. Deutschland soll Atomabkommen aufgeben.
       
 (DIR) Iranische Angriffe auf US-Militärbasen: Rechnung ohne Trump
       
       Nach den Militärschlägen äußert sich Irans Regierung auffallend gemäßigt.
       Ob der Konflikt eskaliert, hängt jetzt vor allem vom US-Präsidenten ab.