# taz.de -- Anschlagsserie in Berlin-Neukölln: Stümperhafte Ermittlungen
       
       > Die Berliner Polizei braucht fast zwei Jahre, um die Feindesliste eines
       > Neonazis zu entschlüsseln. Und das ist noch nicht mal der peinlichste
       > Aspekt.
       
 (IMG) Bild: Die Garage von Linken-Politiker Ferat Kocak, Berlin-Neukölln im Februar 2018
       
       Knapp zwei Jahre hat die Berliner Polizei gebraucht, um die Festplatte des
       Neuköllner Neonazis Sebastian T. zu entschlüsseln. T. steht im Verdacht,
       maßgeblich an einer Serie von Anschlägen gegen politisch Andersdenkende
       beteiligt zu sein, die den Berliner Bezirk seit Jahren erschüttert. Auf der
       Festplatte, so die Polizei in dieser Woche, fand sich eine Feindesliste aus
       dem Jahr 2013 mit den Namen möglicher Anschlagziele, darunter die damalige
       [1][Piraten- und heutige Linken-Politikerin Anne Helm].
       
       Zwei Jahre brauchen sie, um eine inzwischen sieben Jahre alte Liste zu
       entschlüsseln: keine bahnbrechende Leistung. Und doch der größte
       Ermittlungserfolg in dieser Sache seit Langem – und das sagt eigentlich
       alles, was man über diese Ermittlungen wissen muss.
       
       Das Verhalten der Behörden nicht nur in Bezug auf die Ermittlungsarbeit
       selbst, sondern auch auf den Umgang mit den Opfern der Anschlagserie wirkt
       seit Jahren über weite Strecken, als folge es einem Handbuch mit dem Titel
       „Wie zerstöre ich das Vertrauen der Bürger in den staatlichen
       Sicherheitsapparat – so effektiv und nachhaltig wie möglich“.
       
       ## Kocak oder Kotschak?
       
       Ein Beispiel aus den vergangenen Wochen: Im Dezember erklärte die Polizei,
       man habe den Lokalpolitiker Ferat Kocak auch deswegen nicht über den
       Ermittlern bekannten, gegen ihn gerichteten Anschlagpläne informieren
       können, weil man seinen Namen fälschlicherweise als Kotschak notiert habe.
       Zu einem phonetischen Abgleich sei die Datenbank außerdem nicht in der Lage
       gewesen. Das klingt schon erschütternd genug, doch e[2][in Teil davon ist
       auch noch unwahr]. Denn die phonetische Namenssuche ist in den
       polizeilichen Datenbanken sehr wohl möglich, und zwar bereits seit 2007.
       
       Wer so agiert, verspielt jedes Vertrauen – und kann entsprechende Kritik
       nicht als unlauteren Generalverdacht zurückweisen. Genau das passiert aber
       in Berlin: Die Forderung der Opfer nach einem Untersuchungsausschuss, der
       Licht ins Dunkel der polizeilichen Ermittlungsarbeit bringen soll, wird von
       der SPD und ihrem Innensenator mit dem Argument abgelehnt, die Einsetzung
       eines solchen Ausschusses käme einem Misstrauensvotum gegenüber allen
       Berliner Polizist:innen gleich und schade dem Ansehen der Behörde.
       
       Dabei gilt das Gegenteil: Das Beste, was den Polizist:innen passieren
       könnte, die ein tatsächliches Interesse an der Aufklärung rechter
       Straftaten mitbringen, wäre die überfällige glaubhafte [3][Aufarbeitung der
       im Neukölln-Komplex] gemachten Fehler seitens ihres Arbeitgebers.
       
       17 Jan 2020
       
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