# taz.de -- Böllerverbotszonen in Berlin: Ausweitung gefordert
       
       > Fraktionsübergreifend fordern Politiker:innen mehr Maßnahmen gegen das
       > Böllern. Die Verbotszonen bleiben wohl erhalten.
       
 (IMG) Bild: Wenn der Funke überspringt: Raketenstart direkt aus der Hand geht schneller als rasieren
       
       Berlin taz | Politiker:innen der Linken, der Grünen und der CDU haben eine
       Ausweitung der Maßnahmen gegen Böllerei gefordert. Während der
       innenpolitische Sprecher der Union, Burkard Dregger, für das nächste Jahr
       mehr Pyroverbotszonen gefordert hat, will Hakan Taș von der Linken sogar
       noch weiter gehen: „Die Verbotszonen waren ein erster Schritt. Aber
       langfristig muss Silvesterböllerei in Berlin gänzlich verboten werden“,
       sagte er am Donnerstag der taz. Auch die grüne Fraktionschefin Antje Kapek
       hatte tags zuvor bereits vom Ende des Böllerns geträumt.
       
       In Berlin gab es dieses Silvester erstmals Feuerwerkverbotszonen um den
       Alexanderplatz und die Schöneberger Pallasstraße. Rund 500 der 2.000 für
       Silvester zusätzlich eingesetzten Polizist:innen waren mit der Sicherung
       dieser Zonen beschäftigt – was wohl wegen des Großaufgebots und
       abschreckenden Geräts wie Wasserwerfern auch gelang.
       
       Die Anzahl der Brände, Verletzten und Notrufe insgesamt in Berlin ist
       trotzdem gestiegen. Gerade angesichts dieses unbeirrten Anstiegs seien auch
       weitere Verbotszonen denkbar, findet Taș. Wo genau diese liegen könnten,
       müsse im Detail mit der Polizei und der Feuerwehr abgesprochen werden. Taș
       war an der Ausarbeitung des Gesetzesentwurfs für die Verbotszonen in
       Berlin beteiligt.
       
       „Wir müssen mit aller Stärke in die Zonen, wo es Angriffe auf Menschen
       gab“, sagte Burkard Dregger (CDU) der taz. Ein Schwerpunkt müsste demnach
       etwa in Nordneukölln liegen. Festlegen will Dregger sich aber auch noch
       nicht. „Ich würde gerne vorher in allen Details von der Polizei hören, wie
       sie die Lage einschätzt.“ Die Verbotszonen seien jedenfalls erfolgreich und
       müssten fortgesetzt werden. Zu einem berlinweiten Verbot sagte Dregger: „Es
       nützt nichts, etwas zu erlassen, das man nicht durchsetzen kann. Sonst
       wirkt der Rechtsstaat inkonsequent.“
       
       Im Spreeradio wurde Dregger noch deutlicher. Mit Blick auf Krawallos, die
       Schreckschusswaffen auf Rettungskräfte richteten, sagte er: „Und ehrlich
       gesagt, das einzige, was da wirkt, ist, dass man ihnen mal mit dem
       Gummiknüppel auf die Finger haut. Das meine ich ganz ernst.“ Eine Antwort
       ließ nicht lange auf sich warten: „Damit marschiert die CDU im Stechschritt
       zurück ins Kaiserreich“, wie ein Tagesspiegel-Journalist Nik Schrader von
       den Linken zitiert.
       
       Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei widersprach hingegen
       erwartungsgemäß weiteren Verbotszonen. Er sagte: „Es war ein enormer
       Kraftaufwand, allein diese zwei Verbotszonen durchzusetzen.“ Und stadtweit
       werde das schon gar nicht möglich sein – „weil dazu das Personal fehlt“, so
       Jendro. Trotz der insgesamt gesunkenen Zahl der Übergriffe auf
       Polizeibeamt*innen und Feuerwehrleute sprach er ebenso wie Feuerwehr-Chef
       Karsten Homrighausen von einer neuen Dimension der Gewalt, die sich etwa
       bei Angriffen mit Schreckschusspistolen zeige.
       
       20 Polizist:innen wurden verletzt, schwere Verletzungen waren nicht
       darunter. Die Feuerwehr war mit 1.300 Personen im Einsatz, drei
       Feuerwehrleute wurden verletzt. Schwerere Verletzungen zählte vor allem das
       Unfallkrankenhaus Berlin. Bis zum Donnerstagnachmittag wurden allein dort
       45 Personen mit von Böllern und Raketen verursachten Verletzungen
       behandelt. 35 Personen mussten operiert werden – darunter auch 7 Kinder.
       
       Ob und welche Verbotszonen es 2020 geben wird, ist noch unklar:
       Innensenator Andreas Geisel (SPD) nannte das Pyro-Embargo zwar einen
       „vollen Erfolg“, sagte aber auch: „Es ist zu früh, über weitere
       Verbotszonen zu spekulieren.“ Bei einem stadtweiten Verbot seien zudem
       Verkaufsverbote, Feinstaubbelastung und Sprengstoffgesetz zu beachten.
       
       Taș jedenfalls könnte sich sehr gut vorstellen, dass künftig an bestimmten
       Orten kontrolliertes Böllern erlaubt sei, es aber stadtweit grundsätzlich
       verboten sei. Auch sei denkbar, dass gesparte Kosten für Müllentsorgung
       für mehr öffentliche Feuerwerke ausgegeben werden könnte.
       
       2 Jan 2020
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Böller
 (DIR) Böllerverbot
 (DIR) Silvester
 (DIR) Silvester
 (DIR) Polizei Berlin
 (DIR) Silvester
 (DIR) Böller
 (DIR) Silvester
 (DIR) Lesestück Recherche und Reportage
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Böllerverbot in Berlin: Die Pandemie ist die Gelegenheit
       
       Bisher tat sich die Politik schwer damit, ein Böllerverbot zu Silvester in
       die Tat umzusetzen. Corona könnte das endlich ändern.
       
 (DIR) Abgeordnetenhaus: Eine höchst umstrittene Zahl
       
       Die Koalition tritt bei Debatte um Attacken gegen Polizisten uneins auf.
       Linksfraktion zieht in Zweifel, dass es 2019 tatsächlich 7.000 Angriffe
       gab.
       
 (DIR) Silvestermüll in Neukölln: Der Duft des neues Jahres
       
       Noch immer ist der Silvester-Müll in Nord-Neukölln nicht aufgeräumt. Der
       Gehweg ist matschig und stinkt. Oder ist das der Duft des Lebens?
       
 (DIR) Böllerverbot in Berlin: Der Knalleffekt bleibt aus
       
       Mit einem Großaufgebot konnte die Polizei Verbotszonen für Feuerwerk
       durchsetzen. Gewonnen ist damit nichts. Krieg gespielt wurde halt woanders.
       
 (DIR) Böllerverbotszonen in Berlin: Es knallt nicht mehr
       
       Erstmals sind in zwei Innenstadtbereichen Berlins Böller offiziell nicht
       mehr erlaubt. Der Polizei gelingt es, das Verbot auch durchzusetzen.
       
 (DIR) Versuchslabor Berlin-Schöneberg: Polizei testet Böllerverbot
       
       Zu Silvester wird ein Wohngebiet in Schöneberg zu einer Verbotszone für
       Raketen, Knaller & Co. Nur noch Wunderkerzen sind erlaubt.