# taz.de -- Mit Kind auf dem 36C3: Hacker*in werden
       
       > Erstmals haben wir ein kleines Kind beim Kongress in Leipzig dabei. Wir
       > tauchen ein in eine andere Welt und lernen, was es heißt, Hacker*in zu
       > sein.
       
 (IMG) Bild: Ist nicht alles Spielerei in Leipzig
       
       Leipzig taz | Es sind noch keine fünf Minuten vergangen, da ist das Kind
       nicht mehr zu sehen. Irgendwo in Halle 2, zwischen den blinkenden Leuchten,
       streift es herum und guckt sich alles ganz genau an – und zwar ohne uns.
       Wir hätten es vielleicht auffälliger kleiden sollen: Das Kind trägt einen
       schwarzen Kapuzenpullover, so wie fast alle hier. Jetzt ist es weg, und um
       es zu finden, müssen wir rufen.
       
       Es ist Manus erster Kongress. „Wie lernt man eigentlich hacken?“, hat Manu
       kürzlich gefragt, und wir haben herumgestottert, weil: „Was meinst du genau
       mit hacken? Was genau stellst du dir darunter vor? Möchtest du
       programmieren lernen?“ Wir haben dann Manu zum [1][36. Chaos Communication
       Congress] mitgenommen. Denn wo sonst kann man die Vielfalt der
       Vorstellungen, was es bedeutet, Hacker*in zu sein, besser beobachten?
       
       Manus Mutter und ich sind als JournalistInnen regelmäßig auf dem Kongress.
       Für uns bedeutet er: politische Vorträge, Neuigkeiten und Diskussionen über
       Fragen der Überwachung, der digitalen Sicherheit und der Menschenrechte.
       Mit Manu tauchen wir in eine andere Welt ein, die neben unserer existiert:
       eine spielerische, handwerkliche und unbeschwertere.
       
       Mit Manu versuchen wir [2][beim „Junghackertag“] die Antwort auf die Frage
       nach dem Hacken zu finden. Erste Station sind Mathematiker*innen, die sich
       in Grüppchen um einen Teich im Gebäude versammelt haben. Hier kann man
       lernen, einen Rubikswürfel zu lösen, spielt mit sehr großen Zahlen oder
       stellt sich vor, wie es wäre, wenn Menschen sich in vier Dimensionen
       bewegen könnten. Manu setzt sich zu der Gruppe, die eine Botschaft aus dem
       Weltall entschlüsselt.
       
       ## Hacken mit Pasta
       
       Die unlesbaren Zeichen haben [3][die Menschen selbst ausgesandt], in der
       Hoffnung, dass sie von Außerirdischen gelesen werden. Jetzt versuchen
       Menschenkinder sie zu übersetzen. „Dieses Zeichen muss wohl ein
       Gleichheitszeichen sein“, „diese Punkte sind Zahlen“ – „dann bedeutet
       dieses Zeichen wohl …“ Die erste Seite ist bald gelöst, aber es gibt
       insgesamt 23. „Das wird mir beim Hacken helfen“, sagt Manu, als wir
       weitergehen. „Jetzt habe ich eine Idee, wie man mit verschlüsselten
       Botschaften umgehen kann.“
       
       „Was glaubt ihr, was hacken bedeutet?“, fragt der Workshopleiter beim
       „Nudelhacken“. „Viren verschicken“, „programmieren“, „sich in andere
       Computer einschleusen“, gehen die Antworten durcheinander. „Es ist der
       kreative Umgang mit Technik“, kommt die Antwort. Der Workshopleiter findet,
       Nudeln sind Technik und die Kinder sollen versuchen, mit 20 Spaghetti,
       Schnur und Klebeband einen möglichst hohen Turm zu bauen. Eine halbe Stunde
       später gibt es viele schiefe Türme und zwei Gewinnerteams.
       
       „Hacken heißt kreativ sein“, fasst Manu zusammen, während wir den
       Lötworkshop suchen. Manu hat eigentlich keine Lust. Der LED-Würfel, den wir
       bauen sollen, sieht langweilig aus. Das Kind rennt lieber der leuchtenden
       Fracht im Rohrpostsystem hinterher, die am anderen Ende der Halle wieder
       ausgespuckt wird. Da ist jemand kreativ mit Technik gewesen.
       
       Am Ende löten wir doch. Manu hantiert schon nach wenigen Minuten gekonnt
       mit dem über 300 Grad heißen Lötkolben, während ich assistieren darf. Statt
       der angekündigten 90 Minuten brauchen wir drei Stunden, um unseren Würfel
       zu basteln. Es ist frustrierende Fummelarbeit, bei der sich Manu zweimal
       fast verbrennt. Als der Würfel dann später auf Knopfdruck anfängt zu
       leuchten und langsam die Farbe ändert, meint Manu: „Löten ist doch ganz
       okay.“
       
       „Du brauchst auf dem CCC keinen Computer“, habe ich Manu Weihnachten noch
       erklärt. „Ich haben auch nur einen dabei, um zu schreiben.“ Und tatsächlich
       hat Manu viel über das Hacken gelernt, aber den ganzen Tag auf keinen
       Bildschirm geschaut. Am nächsten Morgen verschwindet Manu schon vor dem
       Eingang. Wir finden Manu später mit einem bärtigen Hacker in ein Gespräch
       über ein Computerspiel vertieft.
       
       29 Dec 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /CCC-Kongress/!t5025264
 (DIR) [2] https://junghack.de/
 (DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Cosmic_Call
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lalon Sander
       
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