# taz.de -- Pipeline-Bau kollidiert mit Naturschutz: Winterpause für Putins Pipeline?
       
       > Der Bau der Gas-Pipeline Nord Stream 2 soll nach dem Willen der
       > Investoren im Winter weitergehen. Dagegen wenden sich Naturschützer.
       
 (IMG) Bild: Kein Spaß für Seevögel: Verlegung der Pipeline Nord Stream 2 in der Ostsee
       
       Neumünster taz | Darf die umstrittene Gas-Pipeline Nord Stream 2 in den
       Wintermonaten durch den deutschen Teil der Ostsee weitergebaut werden?
       Darüber entscheidet in diesen Tagen das Bundesamt für Seeschifffahrt und
       Hydrographie (BSH) in Hamburg. Dabei geht es nicht um den politischen
       Streit rund um den Energietransfer aus Russland, sondern um Eisenten,
       Ohrentaucher und andere Seevögel.
       
       [1][Vor wenigen Tagen hat der US-Kongress Sanktionen gegen die Firmen
       beschlossen], die sich am Bau der Pipeline beteiligen. Die USA
       protestierten von Beginn an gegen die 1.230 Kilometer lange Leitung, die
       vom russischen Wyborg nahe der finnischen Grenze bis Lubmin bei Greifswald
       in Mecklenburg-Vorpommern führen soll. Sie beschuldigen die Europäer, allen
       voran Deutschland, sich abhängig von russischer Energie zu machen.
       
       Brisant ist das Nord-Stream-Projekt auch, weil der Bau 2015 beschlossen
       wurde, als international Sanktionen gegen Russland wegen der Annexion der
       Krim erlassen wurden.
       
       Doch solche wirtschaftlichen und geopolitischen Fragen spielten für das
       Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie keine Rolle, sagt Nico Nolte,
       Abteilungsleiter für Offshore-Projekte am BSH, der taz. „Wir entscheiden
       rein nach fachlichen Kriterien, es gibt keine Diskussion über die
       politische Dimension.“
       
       Stattdessen sprach die Runde von Fachleuten, die sich am Montag in der
       Hamburger Behörde traf, über Seevögel. Rund neun Millionen Tiere, so eine
       Zahl des Umweltverbandes Nabu, überwintern in den flachen Ostseegewässern.
       Darunter sind Eisenten, erkennbar an den roten Flecken auf den Schnäbeln
       und den elegant geschwungenen Schwanzfedern der Männchen, und die eher
       unscheinbaren Ohrentaucher sowie weitere Arten. Sie landen zu Beginn der
       kälteren Jahreszeit in Buchten und auf dem freien Wasser. Je nach Art
       bleiben sie bis weit in das Frühjahr im Ostseerevier. Daher gilt eigentlich
       ein Bau-Verbot in diesen Monaten.
       
       Die Nord Stream 2 AG, hinter der in erster Linie die russische Gazprom
       steckt (siehe Kasten), besitzt eine Baugenehmigung durch die deutschen
       Hoheitsgewässer, die von den zuständigen Behörden, darunter das Hamburger
       BSH, am 31. Januar 2018 ausgestellt wurde. Doch diese Erlaubnis ist auf die
       Sommermonate beschränkt.
       
       Aufgrund von Verzögerungen bei den Bauarbeiten sei aber „der Zeitplan ins
       Rutschen geraten“, so Nolte. Aktuell sind die Verlegeschiffe noch in
       dänischen Gewässern tätig. Die Projektgesellschaft würde nun gern „ohne
       Pause weiter verlegen“ und hat daher einen neuen Bauantrag gestellt. Bei
       der Anhörung würden die Argumente gehört und besprochen, so Nolte. Mit am
       Tisch sitzen unter anderem Vertreter des Bergamtes und des Bundesamtes für
       Naturschutz. Besprochen wird dabei auch ein Einwand des Nabu, der die Pläne
       für den Weiterbau im Winter scharf kritisiert.
       
       Der Naturschutzverband stellt sich nicht zum ersten Mal gegen das
       Großprojekt am Meeresgrund. So vermutete der Nabu-Meeresexperte Kim Detloff
       einen Zusammenhang mit den Verlegearbeiten, als 2018 an den Küsten von
       Vorpommern Schmierfettklumpen gefunden wurden. Im März 2018 klagte der
       Verband gegen das Bauprojekt, konnte aber in mehreren Instanzen keinen
       Baustopp erreichen.
       
       Ob die Warnungen des Naturschutzes nun gehört und die Verlegearbeiten über
       Winter gestoppt werden, stand am Montag noch nicht fest. „Wir prüfen das
       sorgfältig“, so Nolte zur taz. „Der Vorhabensträger Nord Stream muss Rede
       und Antwort stehen.“ Ziel sei aber, bis Ende Dezember zu entscheiden.
       
       17 Dec 2019
       
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