# taz.de -- Erste Obdachlosenzählung in Berlin: Solidarität als Nebenwirkung
       
       > Jahrzehnte hat es gedauert, bis sich eine Regierung traut, die
       > Obdachlosen Berlins zu zählen. Besser noch: Sie mutet es ihren
       > Bürger:innen zu.
       
 (IMG) Bild: Einer, der zählt: Obdachloser in einem Berliner Winter
       
       Seit Jahrzehnten fordern Wissenschaftler:innen und Wohlfahrtsverbände
       genaue Zahlen zu den Obdachlosen dieser Stadt. Stattdessen gibt es
       Schätzungen, Vermutungen. Zum Beispiel die, dass die fortschreitende
       Wohnungsknappheit zu einer sozialen Spaltung führe, die immer mehr Menschen
       mit einem Leben auf der Straße bezahlen müssten. Nun lassen sich aber
       Vermutungen leichter hinnehmen als Fakten. [1][Berlins erste
       Obdachlosenzählung] im Januar ist deshalb von großer Bedeutung.
       
       Warum es so lange gedauert hat, diese Zählung auf den Weg zu bringen,
       berührt im Kern zwei Fragen. Die erste, es ist vermutlich die
       entscheidende: Wollen wir ganz bewusst dahin schauen, wo die meisten
       Großstädter:innen reflexhaft die Lider senken? Die Frage ist offenbar lange
       mit Nein beantwortet worden.
       
       ## Wie macht man das überhaupt?
       
       Die rot-rot-grüne Koalition hatte sich das Vorhaben Obdachlosenzählung in
       den Koalitionsvertrag geschrieben und mit Elke Breitenbach eine linke
       Senatorin eingesetzt, der, das hört man auch immer wieder von Obdachlosen,
       das Hinschauen ein Anliegen ist. Und die sich deshalb auch die zweite Frage
       vorgeknöpft hat: Wie macht man das überhaupt, in einer riesigen
       Millionenstadt diejenigen zählen, die längst aus allen Systemen staatlicher
       Erfassung herausgefallen sind?
       
       Die Antwort, die man in der Sozialverwaltung darauf gefunden hat,
       beinhaltet, dass Berlins erste Obdachlosenzählung kein reines
       Statistikprojekt wird, an dessen Ende belastbare Zahlen stehen. Sondern
       vielmehr auch eine Nacht, in der die Berliner:innen die Obdachlosen ihres
       eigenen Lebensumfelds kennenlernen. Für die Frage, ob Berlin die soziale
       Spaltung hinnimmt, mag das noch entscheidender sein.
       
       Zu verdanken ist dies vor allem dem Pariser Vorbild, aber auch der Verve
       einer Behörde, diesen Weg zu gehen. Dafür: Chapeau!
       
       20 Nov 2019
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Manuela Heim
       
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