# taz.de -- Nach Präsidentschaftswahl in Bolivien: Bolivien polarisiert sich weiter
       
       > Im Streit um die Präsidentschaftswahlen sind in Bolivien zwei
       > Oppositionelle erschossen worden. Eine Lösung des Konflikts wird immer
       > schwieriger.
       
 (IMG) Bild: Der Demonstrant in La Paz möchte den Präsidenten Evo Morales im Gefängnis sehen
       
       La Paz taz | Marco Antonio Gandarillas hatte es kommen sehen. „Die
       Wahrscheinlichkeit, dass es zu Blutvergießen kommen würde, wenn Evo die
       [1][Bergleute] und Cocaleros in Marsch setzt, war hoch. Nun ist es passiert
       und die Polarisierung nimmt weiter Fahrt auf“, so der 40-jährige Soziologe
       und Direktor des Sozialinstituts CEDIB.
       
       Am Mittwoch sind bei einem Aufeinandertreffen in der im Tiefland Boliviens
       liegenden Stadt Montero zwei Männer erschossen worden. Dutzende weitere
       wurden verletzt, als Aktivisten aus dem Umfeld der Bewegung zum Sozialismus
       (MAS), der Partei von Evo Morales „zur Verteidigung seines Wahlsiegs“ auf
       die Demonstranten losgingen, die eine Straße friedlich blockiert hatten, so
       berichtete die Tageszeitung [2][Pagina Siete].
       
       Dabei seien gezielte Schüsse auf die beiden Opfer, Mario Salvatierra (60)
       und Marcelo Terrazas Seleme (48), abgegeben worden, heißt es. Mittlerweile
       haben Gerichtsmediziner festgestellt, dass die tödlichen Schüsse aus zwei
       verschiedenen Waffen abgegeben worden sind.
       
       Ausgangspunkt des Konfliktes waren die [3][Präsidentschaftswahlen] vom 20.
       Oktober. Nach Tagen des [4][Wartens] auf endgültige Ergebnisse, und nachdem
       sich an etlichen Stellen des Landes Hinweise von Oppositionspolitikern und
       -anhängern auf einen möglichen [5][Wahlbetrug] gehäuft hatten, hatte der
       Oberste Wahlrat den amtierenden Präsidenten Evo Morales zum Sieger im
       ersten Wahlgang erklärt. Eine Stichwahl sei nicht nötig, da Morales sowohl
       mehr als 40 Prozent der Stimmen erhalten habe als auch der Abstand auf den
       zweitplatzierten, den konservativen Kandidaten Carlos Mesa, mehr als 10
       Prozentpunkte betrage. Seither spricht die Opposition von Betrug, die
       Regierung klagt über den Versuch eines Staatsstreiches.
       
       ## Wenig Raum für Kompromisse
       
       Der Tod der beiden Männer hat die Polarisierung in Bolivien weiter
       vertieft. Oppositionspolitiker machen die Regierung unter Evo Morales für
       die Morde verantwortlich, und mittlerweile fordert die Opposition nicht
       mehr einen zweiten Wahlgang. Am Donnerstag ging sie mit der Forderung nach
       Rücktritt von Evo Morales auf die beiden großen Kundgebungen in La Paz und
       Santa Cruz.
       
       Für Marco Gandarillas negative Vorzeichen für eine friedliche Lösung des
       Konflikts. Dieses Einschätzung teilen auch Bolivianer, die lange zu Evo
       gehalten haben, wie der Sozialarbeiter Federico Chipana aus der bei La Paz
       gelegenen Stadt El Alto. „Hier in El Alto herrscht im Gegensatz zu La Paz
       beinahe Normalität. Ich glaube, dass viele nicht Teil dieser Tragödie sein
       wollen, die sich in Bolivien abspielt. Nun gibt es zwei Tote und nun geht
       es nicht mehr um den Wahlbetrug, sondern um den Rücktritt Evo und
       Neuwahlen. Es wird an der Spirale gedreht“, meint Chipana.
       
       Die Überprüfung des Wahlergebnisses und der Indizien, die es für den
       Wahlbetrug gibt, läuft seit Donnerstag durch ein Team von Wahlbeobachtern
       und Experten der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS). Die hatten
       zuvor bereits für eine 2. Wahlgang geworben, um die Lage zu beruhigen. Doch
       davon ist das Land weit entfernt. Und weil die OAS die Wahlüberprüfung
       allein mit der Regierung vereinbart hat, aber nicht an die Opposition
       herangetreten ist, wittert die nun Absprachen zwischen der Regierung
       Morales und der OAS.
       
       Das hat wiederum dazu geführt, dass die Opposition um den Gegenkandidaten
       Carlos Mesa von der Bürgergemeinschaft (CC) und die Zivilkomitees aus Santa
       Cruz, Potosí und anderen Städten die Annullierung des 1. Wahlgangs, den
       Rücktritt von Evo Morales und seinen Ausschluss von Neuwahlen fordern.
       
       Auch die OAS wird in Zweifel gezogen und neue Streiks angekündigt. Dadurch
       könnte sich die Lage erneut verschärfen, denn ein direkter Dialog beider
       Seiten ist derzeit kaum vorstellbar. Die Situation hat sich verhärtet.
       
       1 Nov 2019
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Knut Henkel
       
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