# taz.de -- Nach Absage von UN-Klimakonferenz: Springt Madrid ein?
       
       > Nach der Absage aus Chile ist die Not groß: Wo soll die nächste
       > Klimakonferenz stattfinden? Am Freitag will die UN über eine Alternative
       > entscheiden.
       
 (IMG) Bild: Die Suche nach einem neuen Platz für die Klimakonferenz wird kompliziert
       
       Berlin taz | Am Tag nach dem [1][Schock von Santiago] sind die
       KlimaschützerInnen ratlos. Flugtickets und Hotelbuchungen in der
       chilenischen Hauptstadt werden storniert, Reise- und Terminpläne
       eingefroren. Denn ob und wann und wo es in diesem Jahr noch eine
       [2][UN-Klimakonferenz] geben wird, ist bislang völlig unklar. Die sonst gut
       geölte Maschinerie der UN-Klimadiplomatie läuft hochtourig im Leerlauf. „So
       schnell wie möglich“ müsse es Entscheidungen geben, wie es weitergeht,
       heißt es vom UN-Klimasekretariat UNFCCC.
       
       Im Bonner Hauptquartier der Behörde jagt eine Krisensitzung die nächste.
       Auch die schwedische Klimaaktivistin [3][Greta Thunberg] muss warten. Nach
       ihrer [4][spektakulären Atlantiküberquerung auf einer Segeljacht] im
       September ist sie in Nordamerika auf dem Weg nach Chile und twitterte: „Ich
       werde abwarten, bis ich mehr Informationen habe.“
       
       Im Rheinland selbst meinen viele, Bonn solle das Treffen retten. Die Stadt
       sei „immer gern Gastgeber für internationale Konferenzen“, sagt die
       Sprecherin der Stadt. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen erklärt,
       man wolle gern „tatkräftig helfen, dass die COP25 noch stattfinden kann“.
       Dafür verfüge die Stadt „über beste Vorerfahrungen“. Immerhin war die COP
       schon 1999, 2001 und 2017 zu Gast, jedes Jahr im Sommer trifft sich eine
       „kleine“ COP, um technische Fragen zu klären. Nicht umsonst residiert das
       UNFCCC-Sekretariat am Rhein.
       
       ## Mehrere zehntausend Quadratmeter braucht's
       
       Aber eine simple Verlegung von Santiago nach Bonn ist kaum möglich. Man sei
       mit allen Beteiligten im Gespräch und werde an einer „konstruktiven Lösung
       mitwirken“, sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Umweltministerium,
       der taz. „Aber die COP innerhalb weniger Wochen oder Monate in Bonn
       auszurichten ist logistisch so gut wie ausgeschlossen. Es war schon mit 12
       Monaten Vorlauf [wie 2017, d. Red.] kaum machbar.“
       
       Für eine COP braucht es nicht nur eine große Versammlungshalle, sondern
       mehrere zehntausend Quadratmeter für Delegationsbüros, große und kleine
       Verhandlungsräume, Dolmetscher, Nebenveranstaltungen, Ausstellungsräume und
       ein Pressezentrum. Dazu kommen 20.000 bis 30.000 Hotelbetten und
       Verpflegung und ein umfassendes Sicherheitskonzept nach UN-Standard. Und
       all das muss jemand bezahlen. Die [5][COP in Bonn 2017] kostete den Bund
       117 Millionen Euro.
       
       Für die Ausrichtung der Konferenz gibt es zwei Möglichkeiten: den geplanten
       Termin (2. bis 13. Dezember) zu halten und einen anderen Ort zu suchen.
       Dabei werde man „vor allem auf die UN-Standorte blicken“, heißt es vom
       UNFCCC. Das hieße: New York, Genf, Nairobi, Bangkok, Wien, Paris oder Bonn,
       wo es die nötige Infrastruktur gäbe. Ob ein Treffen dort möglich wäre, wird
       derzeit mit Hochdruck abgeklärt. Es gibt Stimmen, die meinen, es laufe auf
       New York oder Genf hinaus. Andere sagen, alles sei noch offen.
       
       Am Donnerstagabend wurde auch Madrid als neuer Austragungsort ins Spiel
       gebracht. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez habe dem chilenischen
       Präsidenten Sebastián Piñera seine Kooperation zugesagt, und dies beinhalte
       auch, die COP25 genannte, zweiwöchige Konferenz gegebenenfalls in Spaniens
       Hauptstadt abzuhalten, teilte die Regierung mit.
       
       Abgelehnt jedenfalls wird die Variante, die Konferenz ins Internet zu
       verlagern. Man experimentiere durchaus mit Telekonferenzen „bis zu 200
       Teilnehmern“, heißt es von der UN. Aber ob eine weltweite Telekonferenz
       überhaupt juristisch bindende Abmachungen schließen könne, sei nicht klar.
       Außerdem lehre die Erfahrung aus 25 Jahren COPs: Für die echten Deals
       braucht es Menschen, die sich kennen, vertrauen und auch mal in Ruhe einen
       Kaffee zusammen trinken können.
       
       ## Abgespeckte Variante
       
       Eine Variante wäre eine „abgespeckte“ COP, heißt es ebenfalls von den
       Planern. Man könnte sich auf die zentralen Punkte konzentrieren: Das wäre
       eine Regelung für den internationalen Handel mit CO2-Emissions-Rechten, mit
       denen sich nach 2020 die Industrieländer teilweise von Reduktionen
       freikaufen könnten. Das Thema ist höchst umstritten, vor allem Brasilien
       sträubt sich bisher gegen eine Regelung. Wichtig wäre dazu noch die
       Verabschiedung eines Budgets für das UNFCCC, damit das Sekretariat die
       nächsten zwei Jahre weiterarbeiten kann.
       
       Die andere Möglichkeit: Eine zeitliche Verschiebung. So könnte die
       Konferenz entweder in einem für Frühjahr 2020 geplanten Vortreffen in
       Italien aufgehen – oder aber im Juni in Bonn. Da treffen sich regelmäßig
       die „Nebenorganisationen“ der UNFCCC zur „kleinen COP“. Daraus würde dann
       eine „große“ COP – bliebe nur noch zu klären, wer da die Leitung hätte (und
       bezahlen müsste): Polen als Gastgeber der 2018er Konferenz in Kattowitz,
       Großbritannien als Ort der wichtigen und großen COP 2020 oder die Deutschen
       als UNFCCC-Gastland?
       
       2020 jedenfalls sollte so ein Drama wie in Santiago nicht passieren. Bei
       der nächsten Konferenz in Glasgow geht es um viel: Fünf Jahre nach dem
       Pariser Abkommen müssen die Staaten neue Klimapläne vorlegen, die
       CO2-Emissionen müssen endlich sinken. Bei aller aktuellen Aufregung um
       Santiago komme man vielleicht mit einem blauen Auge davon, hofft ein
       Mitglied der deutschen Delegation: „Wenn es in den letzten Jahren eine COP
       gab, auf die man verzichten konnte, dann diese.“
       
       1 Nov 2019
       
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