# taz.de -- Grüne und Homöopathie: Vorstand will keinen Globuli-Streit
       
       > Die Grünen-Spitze legt einen Kompromiss vor, um eine Eskalation auf dem
       > Parteitag zu verhindern. Der Streit soll in einem Fachgespräch geklärt
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Bloß keinen Streit: Die ChefInnen wollen auf dem Parteitag lieber keine Globuli einschmeißen
       
       Berlin taz | Der Grünen-Vorstand will mit aller Macht einen hitzig
       geführten Streit über Homöopathie auf dem nächsten Parteitag verhindern.
       Bundesgeschäftsführer Michael Kellner hat Kritikern und Befürwortern der
       umstrittenen Heilmethode jetzt einen Kompromiss vorgeschlagen, nämlich ein
       Fachgespräch jenseits des Parteitages. Das erfuhr die taz am Dienstag aus
       Parteikreisen.
       
       Kellner möchte den Delegierten, die Mitte November in Bielefeld tagen, eine
       Formulierung des Bundesvorstandes zur Abstimmung vorlegen. [1][„Grüne
       Gesundheitspolitik bekennt sich ausdrücklich zum Selbstbestimmungsrecht der
       Patient*innen und zur Therapiefreiheit der Ärzt*innen“], heißt es in dem
       Passus. Die Grünen wollten eine umfassende Versorgung aller Versicherten,
       sie sähen aber mit Sorge Versorgungslücken bei Arzneimitteln,
       Kostenexplosionen oder die mangelnde Erforschung lebenswichtiger
       Medikamente.
       
       „Diese Punkte wollen wir als Partei gemeinsam diskutieren, dazu gehört dann
       auch die Frage von Kostenübernahmen von homöopathischen Verfahren.“ Der
       Bundesverband wolle alle AntragstellerInnen und FachpolitikerInnen aus
       Partei und Fraktion zu einem Fachgespräch einladen, „um eine gemeinsame
       Positionierung zu erreichen“, schreibt der Vorstand weiter. Sein Argument:
       Die Debatte um Homöopathie schlage „hohe Wellen“, sei aber mit Sicherheit
       nicht der wichtigste Punkt des Parteitags.
       
       [2][Die Grünen-Spitze fürchtet eine Eskalation.] Schlagzeilen über einen
       Homöopathie-Streit könnten andere Themen, etwa Klimaschutz oder
       Wirtschaftspolitik überstrahlen. Zu der umstrittenen Heilmethode liegen
       mehrere Anträge für den Parteitag vor. KritikerInnen fordern,
       Kassenleistungen für homöopathische Behandlungen zu streichen, weil jene
       erwiesenermaßen nicht über den Placebo-Effekt hinaus wirkten.
       Homöopathie-Fans, von denen es bei den Grünen viele gibt, wollen am Status
       Quo der Kassenfinanzierung festhalten.
       
       ## Ist die Kuh vom Eis?
       
       Die AntragstellerInnen müssen den Kompromiss des Vorstands jetzt prüfen.
       Stimmen sie zu, ist für die Grünen-Spitze die Kuh vom Eis. Der Parteitag
       würde das Fachgespräch beschließen und nicht weiter in die inhaltliche
       Debatte über Sinn und Unsinn von Globuli einsteigen. Und die Frage, ob die
       Grünen für oder gegen die Kassenleistung Homöopathie sind, bliebe erst mal
       ungeklärt.
       
       Einerseits sind solche Überweisungen nicht unüblich. Auch auf früheren
       Parteitagen wurden Themen in Kommissionen oder Bundesarbeitsgemeinschaften
       überwiesen, wenn es noch Gesprächsbedarf gab.
       
       Andererseits widerspricht die professionelle Streitvermeidung dem Bild,
       dass Grüne gerne von sich zeichnen. Parteichef Robert Habeck beklagt etwa,
       dass die Gesellschaft das Streiten verlernt habe. Aber Streit im eigenen
       Laden tragen die Grünen dann doch lieber in homöopathischen Dosen aus.
       
       15 Oct 2019
       
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