# taz.de -- Leben und Lieben ohne Bevormundung: Proteste für reproduktive Rechte
       
       > Gleich zweimal soll gegen AbtreibungsgegnerInnen demonstriert werden. Die
       > wollen am Samstag in Berlin „für das Leben“ marschieren.
       
 (IMG) Bild: Klare Ansage an die Fundis: Gegendemonstrant*innen beim „Marsch für das Leben“ 2018
       
       Berlin taz | An gleich zwei Samstagen im September werden dieses Jahr
       voraussichtlich mehrere Tausend Menschen in Deutschland für sexuelle
       Selbstbestimmung und reproduktive Rechte auf die Straße gehen. Am 21.
       September findet in Berlin der Aktionstag für sexuelle Selbstbestimmung
       statt. Am 28. September soll es am internationalen „Safe Abortion Day“ zur
       Entkriminalisierung von [1][Schwangerschaftsabbrüchen] bundesweit Demos,
       Filmvorführungen und Lesungen geben.
       
       Dass Berlin dem Rest der Republik eine Woche voraus ist, liegt vor allem an
       der Terminplanung radikaler AbtreibungsgegnerInnen: Für ihren [2][„Marsch
       für das Leben“] reisen jährlich konservative und
       christlich-fundamentalistische TeilnehmerInnen mit Bussen und Sonderzügen
       aus dem gesamten Bundesgebiet an, um gegen Schwangerschaftsabbrüche
       mobilzumachen. Dieses mal am 21. September.
       
       In den vergangenen Jahren schickten UnionspolitikerInnen wie Volker Kauder
       Grußworte an den Marsch, VertreterInnen der AfD nahmen daran teil. Seine
       Teilnahme in diesem Jahr zugesagt hat dem Verband zufolge unter anderem der
       katholische Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der als Hardliner in
       Sachen Abtreibung gilt. Der Verband rechnet auch dieses Jahr mit mehrere
       Tausend TeilnehmerInnen.
       
       Einen Tag zuvor lädt zudem der Bundesverband Lebensrecht in Berlin zu einer
       „Fachtagung“, bei der unter anderem die Vorsitzende der „Christdemokraten
       für das Leben“, Mechthild Löhr, sprechen soll. Ebenso treffen sich dort die
       Gruppen „Jugend für das Leben“ und „Pro Life Europe“ zum Kongress „Impact“.
       
       ## Aufruf zu „kreativem Protest“
       
       Dem wollen viele BerlinerInnen etwas entgegensetzen: Das Bündnis für
       sexuelle Selbstbestimmung, dem unter anderem Frauenorganisationen, Grüne,
       Linke und Gewerkschaften angehören, ruft unter dem Motto „Leben und Lieben
       ohne Bevormundung“ zur Gegendemo auf.
       
       Unterstützt werden sie unter anderem von der wegen Paragraf 219a
       verurteilten Ärztin Bettina Gaber. Das queerfeministische Bündnis „What the
       fuck“ ruft unter dem Motto „Antifeminismus sabotieren – Abtreibung
       legalisieren“ dazu auf, den „Marsch für das Leben“ mit „kreativen
       Protestaktionen“ zu stören.
       
       Der 28. September wiederum ist international bereits als Aktionstag
       etabliert. In den vergangenen Jahren gingen an diesem Tag Frauen* in mehr
       als 60 Ländern weltweit auf die Straße, um für ihre Rechte einzutreten.
       „Zum ersten Mal gibt es an diesem Tag auch hierzulande richtig viele
       Aktionen“, sagte eine Sprecherin des Bündnisses für sexuelle
       Selbstbestimmung der taz. Weltweit sterben jährlich mindestens 22.800
       ungewollt Schwangere an den Folgen eines unprofessionell durchgeführten
       Schwangerschaftsabbruchs. Auch in Deutschland würden Abbrüche
       „kriminalisiert, geächtet und tabuisiert“. Dabei müsse der Zugang zu einem
       sicheren Schwangerschaftsabbruch Teil der Gesundheitsversorgung sein.
       
       Die Bundesregierung, so das Bündnis, habe sich in Sachen Paragraf 219a als
       nicht handlungsfähig erwiesen. Der Paragraf verbietet es ÄrztInnen, darüber
       zu informieren, dass und wie sie Abtreibungen machen. Nun sind unter dem
       Motto „Schwangerschaftsabbruch raus aus dem Strafgesetzbuch“ Kundgebungen
       oder Lesungen in mehr als 30 Städten angekündigt, darunter Augsburg,
       Frankfurt am Main, Freiburg oder München.
       
       20 Sep 2019
       
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