# taz.de -- Rechte in Hamburger Schrebergarten: Braune Gartenfreunde
       
       > Mitglieder eines Kleingartenvereins in Hamburg-Bergedorf warnen, dass die
       > Kolonie von Rechtsextremen übernommen werden könnte.
       
 (IMG) Bild: So freundlich sehen die rechten Kleingärtner auf ihren Facebook-Fotos nicht aus
       
       Hamburg taz | Einen neuen Vorstand für den Kleingartenverein „[1][Am Buller
       620] e. V.“ in Bergedorf wollte der Vereinsvorsitzende Bernd Wiggert am
       Sonntag wählen lassen. Doch eine knappe Mehrheit verhinderte die Wahl. Der
       Grund: Die in einem anonymen Schreiben geäußerte Sorge, dass der Verein
       von „rechtsextremen Strukturen“ übernommen werden soll, konnte nicht
       ausgeräumt werden.
       
       „Das ist Blödsinn“, sagte Wiggert der taz am Montagabend. Die Vorhaltungen
       gerade gegen den zweiten Vorsitzenden seien nicht haltbar, schimpft er und
       wettert, „nichts weiter dazu sagen zu wollen“. Ohne Rücksprache mit dem
       Vorstand, sagt er dann doch noch, werde er jetzt nichts sagen und: „Wir
       stellen eine Anzeige bei der Polizei wegen Rufmord.“
       
       Im Vereinsheim der Gartengemeinschaft mit 190 Parzellen hatte der Vorstand
       am Wahltag versucht, erst gar keine Debatten zu den Vorhaltungen aufkommen
       zu lassen. Mit scharfem Ton wurden vielmehr die anonymen Schreiber als
       Nestbeschmutzer angegangen. Gartenfreunde drängten darauf, die Tattoos des
       zweiten Vorsitzenden sehen zu wollen. Doch einschlägige Symbole fanden sich
       auf seinen Armen nicht.
       
       Trotzdem musste sich die Sitzungsleitung kurz zurückziehen, um zu beraten,
       wie das Vereinstreffen weitergehen solle. Die Mehrheit folgte schließlich
       einem Antrag, die Wahl zu verschieben. Denn auf der Sitzung unterließ der
       zweite Vereinsvorsitzende, selbst Stellung zu den Vorwürfen zu beziehen.
       Die Tattoos zeigte er zwar, schwieg aber ansonsten.
       
       ## Hitlergruß und Reichskriegsflaggen
       
       In dem Schreiben, das mehrere Seiten umfasst und der taz vorliegt, wird dem
       zweiten Vorsitzenden vorgehalten, sich in einem rechtsextremen Milieu zu
       bewegen. Seit Längerem soll in dem Kleingartenverein eine Gruppe von 10 bis
       12 Personen offen ihre rechtsextreme Gesinnung ausleben.
       
       Sie würden die in der Szene beliebte Marke Thor Steinar tragen und
       Reichskriegsflaggen hissen, heißt es in dem Schreiben. Bei Feiern sei
       außerdem der Hitlergruß gezeigt worden. Auch sollen Kleingärtner mit nicht
       biodeutscher Herkunft aus der Gruppe heraus beschimpf worden sein.
       
       Auf Facebook sind die anonymen Schreiber auf das Profil „[2][El Arenal Vom
       Tatenberg]“ gestoßen, das der zweite Vorsitzende führt. Über weitere
       Profile, die mit dieser Seite des zweiten Vorsitzenden verlinkt sind,
       stießen die Briefschreiber auf weitere Personen, die sich im Verein bewegen
       sollen.
       
       Auf Fotos auf diesen Profilen ist zu erkennen, dass sie [3][Szenecodes] wie
       „88“ – für „Heil Hitler „– oder Slogans wie „good night left side“
       verwenden. Ein Gruppenbild aus Mallorca mit diesen Personen zeigt auch
       mindestens drei Mitglieder des Vereins.
       
       ## Landesbund sieht keine Gefahr
       
       Die anonymen Schreiber sind nicht nur besorgt, dass der Vorstand von
       „solchen Personen“ übernommen werden könnte. Sie befürchten auch, dass die
       Szene die Infrastruktur des Vereins für sich nutzen könnte. In
       Vereinsheimen von Gartenkolonien im Norden fanden schon Treffen der NPD
       sowie Konzerte mit Rechtsrockbands statt.
       
       Den Brief – mit Facebook-Profilen und Bildern – sendeten die Schreiber an
       den [4][Landesbund der Gartenfreunde] in Hamburg. Sie baten den Dachverband
       einzugreifen und alle Vereinsmitglieder zu informieren. Sie selbst hätten
       die Informationen nicht weiter verteilen können, „da wir uns damit selbst
       gefährden würden“.
       
       Der [5][Mopo] sagte der Landesbund-Vorsitzende Dirk Sielmann: „Wir dulden
       keine Rechtsextremen in unseren Vereinen.“ Einer der Beschuldigten habe ihm
       versichert, dass „an den Vorwürfen nichts dran“ sei. Für die taz war
       Sielmann am Dienstag nicht zu erreichen.
       
       4 Sep 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://forum.am-buller.de
 (DIR) [2] http://www.facebook.com/pages/El-Arenal-Von-Tatenberg
 (DIR) [3] https://www.fluter.de/rechtsextreme-codes
 (DIR) [4] https://www.gartenfreunde-hh.de/
 (DIR) [5] https://www.mopo.de/hamburg/polizei/schwere-vorwuerfe-hamburg--unterwandern-nazis-einen-kleingartenverein--33101768
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
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