# taz.de -- Scheuers Verkehrspolitik: Breit wie Autos
       
       > Verkehrsminister Scheuer enttäuscht einen nie: Auch seine jüngsten
       > Vorschläge für eine fahrradfreundlichere Straßenverkehrsordnung sind
       > Murks.
       
 (IMG) Bild: Mehr Platz für Radler, weniger Autos, weniger Unfälle – eigentlich ganz einfach
       
       Die deutsche Verkehrspolitik ist drogenabhängig. Ganz wie ein
       Alkoholkranker tut sie alles, um sich selbst und anderen weiszumachen, sie
       wolle an ihrem toxisch-asozialen Verhalten etwas Grundlegendes ändern,
       allerdings nur unter der einen absurden Voraussetzung: sich ungestört
       weiter mit dem Gift Auto volllaufen lassen zu dürfen und dadurch eben auch
       andere Menschen erheblich in Mitleidenschaft zu ziehen.
       
       Dass die jüngsten [1][Reformvorschläge] zu Straßenverkehrsordnung von
       Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) von manchen als jedenfalls gut
       gemeint und die richtige Richtung weisend [2][beurteilt] werden, kann man
       da wohl nur mit dem Konzept der Co-Abhängigkeit erklären.
       
       In einer städtischen Verkehrslandschaft, deren Problem Nummer eins die
       ungerechte, klimaschädliche und in ihren zerquetschenden und überrollenden
       Konsequenzen ganz konkret mörderische Bevorzugung des motorisierten
       Individualverkehr ist, lobt man den [3][Maut-Pleitier Scheuer] dafür, sich
       ein wenig weniger ins autoabhängige Koma zu saufen.
       
       Bei Scheuers Vorschlägen weiß man gar nicht, welche Pulle man zuerst in den
       Gully leeren soll: Um Radfahrer besser zu schützen, heißt es etwa, sollen
       Lkws künftig nur noch im Schritttempo rechts abbiegen dürfen – sonst drohen
       satte 70 Euro Bußgeld! Nun, da wissen wir dann immerhin Bescheid, wie viel
       ein Schulkind wert ist.
       
       ## Schnittiges Abbiegeverhalten
       
       Denn ob nun aus einer Scheißegal-Haltung heraus oder vom Arbeitgeber
       gehetzt – zu viele real existierende Lkw-Fahrer werden sich von solchen
       Scheinregelungen in ihrem einfach zu oft schnittigen Abbiegeverhalten nicht
       beeindrucken lassen. Das weiß jeder, der den Verkehr nicht nur durch die
       getönten Scheiben eines Dienstwagens wahrnimmt.
       
       Irrsinnig lustig ist auch die Regelung, nach der auf Busspuren künftig auch
       E-Scooter fahren dürfen (mal sehen, wer gewinnt) sowie Autos mit mindestens
       drei Insassen (mal sehen, wer das kontrolliert).
       
       Obendrauf dann noch diese großherzig-ministerliche Erlaubnis: Radfahrer
       sollen künftig auch nebeneinander fahren dürfen, wenn sie den Verkehr
       damit nicht behindern. Wo also eigentlich jeder Radfahrer sich Ausleger an
       den Rahmen schweißen müsste, um auf die [4][Durchschnittsbreite] des
       deutschen Pkws von 180 Zentimetern zu kommen, soll ihm nun gestattet
       werden, was ihm ohnehin schon lange zusteht – und was viele Radler zum
       Glück auch längst tun: sich den Platz nehmen, den ihnen niemand schenken
       wird.
       
       16 Aug 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesschau.de/inland/verkehr-stassenverkehrsordnung-101.html
 (DIR) [2] https://www.adfc.de/pressemitteilung/reform-stvo-guter-anfang-aber-dicke-brocken-kommen-noch/
 (DIR) [3] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/andreas-scheuer-geraet-im-maut-debakel-in-erklaerungsnot-a-1282242.html
 (DIR) [4] https://www.welt.de/wirtschaft/article175603871/Autos-zu-breit-Liebe-der-Deutschen-zum-dicken-SUV-wird-zum-Problem.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ambros Waibel
       
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