# taz.de -- Streit um Linnemann-Äußerungen: Alle Vierjährigen testen
       
       > Eine Kita- und Vorschulpflicht für Kinder mit unzureichenden
       > Deutschkenntnissen ist dringend nötig, sagt der Grünen-Politiker Cem
       > Özdemir.
       
 (IMG) Bild: Wer nicht ausreichend gut Deutsch spricht, sollte verpflichtend zur Kita und in die Vorschule
       
       Obwohl im schwäbischen Bad Urach geboren, kam ich in der Grundschule in
       Deutsch nie über eine Fünf hinaus und landete zunächst in der Hauptschule.
       Die Schulen waren auf berufstätige Eltern, zumal aus bildungsfernen
       Migrantenfamilien, nicht eingerichtet. Mit Mittagessen im Grillimbiss,
       Fußball auf der Straße und den richtigen Freunden und Lehrerinnen habe ich
       dann doch noch die Realschule und später über den zweiten Bildungsweg
       Fachabitur und Studium geschafft.
       
       In den sozialen Netzwerken konnten wir viele solcher Erfolgsgeschichten
       lesen in den letzten Tagen. Also alles gut? Leider nicht. Der CDU-Politiker
       [1][Carsten Linnemann] hat sich zwar im Ton vergriffen, aber inhaltlich ist
       die Frage nach Deutschkenntnissen bei der Einschulung berechtigt. Weder
       sollten wir uns darauf verlassen, dass es irgendwie schon gutgeht, noch ist
       dies der Regelfall. [2][Viel zu viele Kinder in der ersten Klasse verfügen
       nicht über ausreichende Deutschkenntnisse.] Der vorgesehene Unterricht kann
       nicht stattfinden.
       
       Wer kann, deutsch oder nichtdeutsch, nimmt seine Kinder häufig raus aus den
       Schulen mit hohem Migrantenanteil und bringt sie auf Schulen in anderen
       Stadtteilen oder gleich in die Privatschule. Diese Realität auszublenden
       oder den Eltern daraus einen Vorwurf zu machen, verkennt, dass Eltern meist
       nur eines im Blick haben: den schulischen Erfolg ihrer eigenen Kinder, egal
       welche Strukturreform die Politik gerade diskutiert. Hier weitere Ängste zu
       schüren, wie Linnemann es getan hat, hilft aber auch nicht weiter.
       
       Besser wäre eine verbindliche Sprachstandsmessung für alle Kinder zwei
       Jahre vor der Einschulung. Wenn ein Kind nicht ausreichend Deutsch spricht,
       ob mit oder ohne Migrationshintergrund, muss es eine Kita und danach eine
       Vorschule besuchen. Kinder lernen am besten und schnellsten von anderen
       Kindern. Kooperieren Eltern nicht, muss es spürbare Konsequenzen geben,
       denn alle Kinder haben ein Recht auf Bildung. Das [3][Freistellen von
       Gebühren] auch für gut verdienende Familien ist dagegen unsinnig, denn dann
       fehlen die Mittel anderswo.
       
       11 Aug 2019
       
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