# taz.de -- Ausstellungsempfehlung für Berlin: Irrational gut für die Zukunft
       
       > Die Kommunale Galerie im Gutshaus Steglitz zeigt neue Malerei von Maki Na
       > Kamura. Die taz sprach mit der Künstlerin.
       
 (IMG) Bild: Maki Na Kamura, „DSM VII“, Öl u. Wasser auf Leinwand, 2019, 53 x 80 cm
       
       Angesichts der restaurierten Süßlichkeit der preußisch-frühklassizistischen
       Architektur des [1][Gutshauses Steglitz] fällt es gar nicht leicht, sich
       auf die dort ausgestellten Bilder von [2][Maki Na Kamura] einzulassen. Die
       Malerin hat sie an verschiedenen Kordeln in die Räume gehängt. Die Kunst
       der Berliner Künstlerin scheint einem geheimnisvollen Bildprogramm zu
       folgen: abstrahiert-zerklüftete Landschaften und schemenhafte Gesichter
       sowie eigentümlich schwebende Bezugnahmen auf die Kunstgeschichte.
       
       Maki Na Kamura sieht es so: „Bilder malen ist an sich ein absurder Akt,
       dessen Irrationalität ein Gut für die Zukunft sein kann.“ Im Akt des Malens
       findet die Verknüpfung von kunstgeschichtlicher Sensibilität mit einer
       neugierigen Gegenwartshaltung statt. Mit diesen Bildern lässt sich in die
       Zukunft springen
       
       ## Einblick (785): Maki Na Kamura, Künstlerin
       
       taz: Welche Ausstellung in Berlin hat Sie zuletzt an- oder auch aufgeregt? 
       
       Maki Na Kamura: „Werken Spielen Schenken“ in Steglitz, wo ich meine
       Werkzeuge und Materialien besorge. Zwar handelt es sich um einen
       Bastelladen, aber er ist zugleich eine Ausstellung in erweitertem Sinne,
       ein Basar sozusagen. Sie verfügen über eine Riesenfläche (2.500 qm+): Man
       kann sich im Labyrinth der Vielfalt verlieren.
       
       Der Laden ist anders als manche Kaufhäuser oder der Großhandel für
       Malerbedarf. Es ist alles mit Liebe gemacht bzw. präsentiert. Das spürt man
       in den Gängen, das atmet man ein. Wenn es in Ausstellungen um ein
       zweckloses fesselndes Erlebnis geht, dann ist ein Besuch dort definitiv
       eins.
       
       Welches Konzert in Berlin können Sie empfehlen? 
       
       Wenn ich mir ein Wunschkonzert ausmalen dürfte, so sähe ich eine
       Orgelbegleitung in einem alten Stummfilmkino in Potsdam, von dem gesagt
       wird, dass A. R. Penck vor langer Zeit dort seine 8-mm-Filme begleitet hat.
       
       Welches Buch begleitet Sie zurzeit durch den Alltag? 
       
       Ich lese gerne alles, was geschrieben ist. Zuletzt vertiefte ich mich in
       einige Zeilen aus dem Wikipedia-Eintrag über Veilchen – ich zitiere:
       „Veilchen-Arten wachsen als ein – oder zweijährige oder meist ausdauernde
       krautige Pflanzen, sowie selten Halbsträucher mit sehr wechselndem Habitus.
       Oft werden Rhizome als Überdauerungsorgane gebildet. Es können mehr oder
       weniger lange, kriechende bis aufrechte, oberirdische Sprossachsen
       ausgebildet sein oder fehlen.“
       
       Da stehen vierzig Wörter über nichts und alles. „Meist, oft, es können,
       mehr oder weniger, kriechende bis aufrechte, kann sein oder fehlen“,
       herrlich. Dies alles kann ein Veilchen sein, muss aber nicht.
       
       Die Zeilen haben immerhin eine Aussage, dass die Veilchen wachsen und dabei
       einen Habitus besitzen, wenn auch nur einen wechselnden. Dieser Vorbehalt
       bezeichnet letztlich das Wesen der Veilchen. Und das gefällt mir ungemein.
       Warum beschreiben wir unser Wesen, das des ‚Homo sapiens‘ in der modernen
       Zivilisation, nicht auch mal so?
       
       Was ist Ihr nächstes Projekt? 
       
       Im September gehe ich nach Japan und eröffne meine erste Ausstellung in
       Tokyo. Die Galerie ANOMALY TOKYO hat mich eingeladen. Dort zeige ich
       neueste Arbeiten – aus den letzten Monaten. Der Titel der Ausstellung ist
       „Als sähe ‚ein Kind Zucker im Wasser vergehen und sich nun wundert, dass es
       seinem Körper nicht ebenso in der Badewanne passiert‘“.
       
       Das ist, bis auf die ersten beiden Wörter, ein Zitat von Cocteau, der
       wiederum mit diesen Worten Picasso zitiert hatte. Ich würde es so lesen:
       Das Wunderbare am Schaffen ließe sich nur mit einer unermesslichen
       Interpretationsspanne erahnen.
       
       Welcher Gegenstand des Alltags macht Ihnen am meisten Freude? 
       
       Das ist mein neuer Akkuschrauber von Bosch. Er ist fast so gut, dass ich
       eigentlich zwei davon kaufen müsste. Aber lieber warte ich noch, bis ein
       anderes Modell rauskommt, bei dem kein Lämpchen angeht, wenn ich im Dunkeln
       schraube.
       
       Dieser Text erscheint im taz.plan. Mehr Kultur für Berlin und Brandenburg
       immer donnerstags in der Printausgabe der taz.
       
       9 Aug 2019
       
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