# taz.de -- Ausstellungsempfehlung für Berlin: Im Zeichen des Saturns
       
       > Im Off-Space Studio Picknick widmet Martin Maeller dem Saturn und der
       > Melancholie eine Ausstellung. Die taz sprach mit dem Künstler.
       
 (IMG) Bild: Martin Maeller, „Saturnine“, 2019. Installationsansicht bei Studio Picknick
       
       Der Florentiner Philosoph Marsilio Ficino führte in zahlreichen seiner
       Schriften seine Melancholie auf den großen, geistig anregenden aber auch
       düsteren Einfluss, den der Saturn auf ihn habe, zurück. Erst durch die
       direkte Hinwendung zu dem Planeten, glaubte er, könnte er dessen
       selbstzerstörerischen Charakter schöpferisch nutzen. Dieser Idee scheint
       auch [1][Martin Maeller] zu folgen und hat seine Einzelausstellung bei
       [2][Studio Picknick] dem Planeten der Melancholiker gewidmet, „Saturnine“
       heißt die Schau.
       
       Schwarz wie die Galle, von der Melancholiker der humoralen Säftelehre nach
       ein Übermaß hätten, sind entsprechend viele von Maellers Materialien. Wie
       Überbleibsel aus einer fernen oder nahen Zeit fügen sich die Objekte zu
       einem eiskalt-sinnlichen Parcours.
       
       Schrumpfschläuche, die zuvor Äste umschlossen haben, hängen wie
       Schlangenhäute über einer Metallstange. In zwei Bodenarbeiten verschmelzen
       Abdrücke von Nike Vapormax Sneakern mit Fossilien von Trilobiten. Der
       Saturn grüßt einen indes als kleiner Sticker mit betrübtem Emoji-Blick von
       einem schmutzigen SBR-Vorhang – SBR ist ein Synthesekautschuk, aus dem
       unter anderem Autoreifen hergestellt werden.
       
       Zu Schwermut hat nämlich auch der Planet einigen Grund: In 100 Millionen
       Jahren wird er seine Ringe verloren haben. Einen hat Maeller als kleinen
       Trost in seine Ausstellung integriert. Der Raum hält den Ring in Form, oder
       ist es andersherum? Auf jeden Fall hat auch er Schrammen an der Wand
       hinterlassen, die wie so vieles gleichzeitig anziehen wie abstoßen.
       
       Einblick (780): Martin Maeller, Künstler 
       
       taz: Welche Ausstellung in Berlin hat dich zuletzt an- oder auch aufgeregt?
       Und warum? 
       
       Martin Maeller: Als ich vor Kurzem an der U-Bahnstation Naturkundemuseum
       umgestiegen bin, um zum Hauptbahnhof zu kommen, fand ich dort die
       Plakatmotive auf den Werbeflächen extrem gut. Die malerisch erzeugten
       Dino-Knochen-Fragmente, die an einen Rorschachtest erinnern, eingerahmt in
       gelbem Holz, haben in diesem Augenblick einen Teil meiner Persönlichkeit
       gespiegelt. Alternativ: The Heartlake City Abenteuer 2019 im Legoland.
       
       Welches Konzert oder welchen Klub in Berlin kannst du empfehlen? 
       
       Ich kann die letzten Konzerte von William Basinski, John Maus, ABRA und
       Grouper sehr empfehlen und freue mich im September auf Cher.
       
       Welche Zeitschrift/welches Magazin und welches Buch begleitet dich zurzeit
       durch den Alltag? 
       
       Gerade lese ich mehrere Printmedien parallel: ein weiteres Buch über
       Melancholie, dieses Mal von László F. Földényi, sowie die Monografie von
       Valerio Olgiati, die „Dunkle Nacht“ des Mystikers Johannes vom Kreuz und
       immer wieder gerne die aktuelle Ausgabe der Apotheken Umschau.
       
       Was ist dein nächstes Projekt? 
       
       Ich beginne gerade an einer neuen Publikation zu arbeiten, die den Planeten
       Saturn fotografisch ein Jahr lang aufzeichnet. Außerdem bereite ich weitere
       Ausstellungen in Frankfurt/Main und Berlin vor.
       
       Welcher Gegenstand/welches Ereignis des Alltags macht dir am meisten
       Freude? 
       
       Momentan bin ich abhängig von Thermalwassersprays.
       
       3 Jul 2019
       
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