# taz.de -- Kommentar AfD Berlin bei der EU-Wahl: Blauer wird's nicht!
       
       > In Berlin verliert die AfD viele Stimmen. Gewählt wurde sie von ihrem
       > Kernklientel, das allerdings ist ziemlich groß.
       
 (IMG) Bild: Alexander Gauland und Beatrix von Storch hatten auch schon mehr Grund zum Feiern
       
       Die stellvertretende Berliner AfD-Vorsitzende und Ex-EU-Abgeordnete Beatrix
       von Storch spricht in ihrem Statement zur EU-Wahl vom massiven Gegenwind
       für die Partei sowie den negativen Effekten des [1][Strache-Videos] und des
       [2][thematischen Fokus auf die Klimapolitik]. Es ist eine Rechtfertigung
       für ein Ergebnis, das die AfD trotz eines Stimmengewinns im Vergleich zur
       letzten Europawahl nicht als Sieg verkaufen kann. Dass von Storch dabei
       nicht zur Selbstkritik ansetzt, sondern wie gewohnt die eigene Opferrolle
       beschwört, geschenkt.
       
       Bei 11 Prozent ist die Partei bundesweit gelandet, 9,9 Prozent sind es in
       Berlin. Verglichen mit dem letzten bundesweiten Urnengang, der
       Bundestagswahl im Herbst 2017, hat die AfD dabei jeweils etwa zwei
       Prozentpunkte verloren, in Berlin sogar noch etwas mehr als im
       Bundesschnitt. Von einst 225.000 WählerInnen sind ihr in der Stadt knapp
       150.000 geblieben. Die Verluste verteilen sich flächendeckend auf alle
       Bezirke.
       
       Zieht man als Vergleichsmaßstab die Abgeordnetenhauswahl von 2016 heran,
       wird die Niederlage noch deutlicher: 14,2 Prozent lautete ihr damaliges
       Ergebnis. Statt mit Marzahn-Hellersdorf einen ganzen Bezirk, gewann die AfD
       jetzt nur noch in einzelnen Wahlkreisen.
       
       Ein Grund zur Entwarnung ist das freilich nicht, vor allem mit [3][Blick
       auf Brandenburg], wo die AfD mit knapp 20 Prozent stärkste Partei geworden
       ist und zehn von 14 Wahlkreisen gewinnen konnte. Immerhin fällt das
       Kommunalwahlergebnis der Brandenburger AfD mit 15,9 Prozent deutlich
       schlechter aus. Die große Differenz zeigt, dass sich die Partei schwerer
       tut, wenn es um Gestaltung konkreter Politik vor Ort geht. Die AfD ist auch
       in der Wahrnehmung vieler ihrer (potentiellen) WählerInnen weiterhin vor
       allem eine Protestpartei. Auf Berlin übertragen hieße das: Womöglich wäre
       die Talfahrt bei einer Abgeordnetenhaus- und Bezirkswahl noch steiler
       ausgefallen.
       
       ## Nichts zu sagen
       
       Zu Europa hat die AfD nichts zu sagen gehabt. In ihrem Wahlprogramm
       forderte sie die Abschaffung des EU-Parlaments. Ihre Kernwählerschaft
       konnte sie mit dieser Anti-EU-Haltung überzeugen. Denen reicht das solide
       Haudrauf auf Stammtischniveau.
       
       Andererseits posaunte die Partei diese Position nicht allzu laut heraus,
       womöglich wäre es ja aufgefallen, wie absurd es ist, Parlamentarier in ein
       Parlament schicken zu wollen, das man ablehnt. Stattdessen plakatierte sie
       flächendeckend die Verteidigung des Diesels, angesichts der zentralen
       Debatte um Klimaschutz ein fast schon amüsanter Beitrag.
       
       Wenn nicht Flüchtlinge und Grenzen im Mittelpunkt der politischen Debatte
       stehen, sinkt die Wahrnehmung der AfD rapide. Zu anderen relevanten Themen
       hat sie nichts zu melden. Das Strache-Video hat wohl auch noch den einen
       oder anderen von der Käuflichkeit und Unredlichkeit der Rechtspopulisten
       überzeugt. Die WählerInnen, die geblieben sind, sind
       ÜberzeugungstäterInnen. Zehn Prozent, die nicht mehr abzuschrecken oder für
       demokratische Parteien zurückzugewinnen sind. Das allerdings ist für die
       AfD ein Erfolg.
       
       27 May 2019
       
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