# taz.de -- Kolumne Europa-Express: Über den Schienen
       
       > Sicherheitschecks, Steward*essen und unverschämt teure Snacks: Unsere
       > Kolumnistin lernt an Tag 6, dass sich Zugfahren in Spanien wie Fliegen
       > anfühlt.
       
 (IMG) Bild: Der kleine Küstenort Portbou, im Norden Spaniens an der Grenze zu Frankreich
       
       Die Fahrt von Barcelona nach Madrid fühlt sich eher nach Fliegen als
       Zugfahren an. Und das nicht nur, weil die Bahn so schnell fährt.
       
       Vor dem Betreten des Zugbereichs muss hier jede und jeder zunächst durch
       einen Sicherheitscheck: Ein Scanner durchleuchtet das Gepäck, eventuell
       überprüft das Sicherheitspersonal auch noch zusätzlich. 20 Minuten vor der
       Abfahrt beginnt der Check-In, vorher kommt niemand ans Gleis.
       
       Auch erinnern die Mitarbeiter*innen in ihren Kostümen stark an ihre
       Kolleg*innen in der Luft. Und der letzte Beweis: Snacks und Getränke sind
       unverschämt teuer – 5,95 Euro für ein normales Sandwich?!
       
       Im Zug geht es weiter: Über den Kopfteilen der Ledersitze liegen
       halbtransparente Tücher und eine Stewardess – ähm Zugbegleiterin – verteilt
       Kopfhörer.
       
       Neben mir sitzt Marco, kurze Haare, Mitte 40, aus Turin in Italien. [1][Er
       reist ähnlich wie ich allein durch Spanien] – nur hat er zwei Wochen Zeit,
       ich hingegen zwei Tage. Auch er wundert sich über die Ähnlichkeit dieser
       Zugreise mit dem Fliegen. Und er lacht über die Kopfhörer, die ich
       angenommen habe, weil ich auf den ersten Blick dachte, es wäre etwas Süßes.
       
       Marco redet viel, deshalb vergeht die dreistündige Fahrt dann tatsächlich
       wie im Flug. Am liebsten philosophiert er ausschweifend über seine
       Mitmenschen. „Die meisten sind zu materialistisch“, sagt er. „Sie kaufen zu
       viel Zeug. Und wenn sie sterben, ist dieses Zeug weg.“ [2][Er sammle
       deshalb lieber „Erfahrungen“]. Am Ende seines Lebens will er in jedem Land
       der Erde gewesen sein. Bisher habe er circa ein Drittel geschafft. Na, ob
       das wirklich ein nachhaltigeres Lebensziel ist?
       
       5 May 2019
       
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