# taz.de -- Kolumne Europa-Express: Abschied mit Präsenttüte
       
       > Reisen heißt auch: ankommen. Ohne Begrüßung fühlt sich das aber gleich
       > ganz anders an. Ein Zwischenstopp auf dem Weg durch Europa.
       
 (IMG) Bild: Das nächste Ziel auf der Europareise: Portbou
       
       Die vergangenen Tage habe ich an zahlreichen Bahnhöfen Halt gemacht. Egal
       wo, meist haben sich die gleichen Szenen abgespielt: Freund*innen, die sich
       lange nicht gesehen haben, laufen kreischend aufeinander zu; Eltern
       schließen ihre Kinder in die Arme, die nach langer Zeit zu Besuch kommen.
       
       Ich hingegen [1][stand allein und oft verdutzt am Bahnsteig] und versuchte,
       nach der stundenlangen Fahrt wieder klar zu kommen. Und irgendwie den Weg
       durch die mir noch unbekannte Stadt zu bahnen. In Lyon war das anders.
       
       Bei meiner Ankunft war ich besonders erledigt und konnte es noch gar nicht
       fassen, dass ich gerade [2][1.200 Kilometer quer durch Deutschland und
       Frankreich gefahren bin]. Diesmal begrüßt dann auch mich ein Kreischen:
       „Jana Lapper!“ Tina hatte schon immer die Angewohnheit, mich mit vollem
       Namen anzusprechen, was bei ihr aber eher Vertrautheit als Distanz
       bedeutet. Dann ein breites Lächeln und eine feste, lange Umarmung.
       
       ## Wiedersehen im Schnelldurchlauf
       
       Tina wohnt seit anderthalb Jahren in Lyon. In der Schule waren wir sehr
       enge Freundinnen, als ich 16 Jahre alt war haben wir praktisch jeden Tag
       zusammen verbracht. Jetzt hatten wir uns fünf Jahre lang nicht gesehen –
       bis mich diese Europareise heute zufällig auch zu ihr führte. Denn so eine
       Reise durch einen ganzen Kontinent ist eben nicht nur die Gelegenheit,
       Neues kennenzulernen, sondern auch alte Freund*innen endlich wiederzusehen.
       
       Leider ist es nur ein kurzes Wiedersehen, alles muss im Schnelldurchlauf
       nachgeholt und nacherzählt werden. Am nächsten Morgen haben wir noch ein
       gemeinsames Frühstück. Sie bringt mich zum Bahnhof, sodass ich sogar noch
       einen emotionalen Abschied samt Präsent-Tüte bekomme („Damit du ein
       Andenken an Lyon hast. Ist auch Schokolade drin.“).
       
       Dann der Zug nach Spanien, nächster Halt: Portbou. Wieder Zugfahren, wieder
       etliche Kilometer Schienen. Die Landschaft wird bergiger und wilder,
       irgendwann links erblicke ich das Meer, fast unheimlich dunkelblau vor dem
       hellblauen Himmel.
       
       4 May 2019
       
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