# taz.de -- Rechtsextreme in Spanien: Feindbild Presse
       
       > Die Partei Vox geht rüde mit kritischen Medien um. Diese werden
       > ignoriert, beschimpft oder aus WhatsApp-Gruppen gelöscht.
       
 (IMG) Bild: Hetzen gegen „die linke Mediendiktatur“: Vox-Chef Santiago Abascal bei einer Wahlkampfveranstaltung Mitte April in San Sebasstian
       
       Madrid taz | Die rechtsextreme spanische Vox hat einen neuen Feind
       entdeckt: Die Presse. Die Partei, die nach ihrem überraschenden Einzug ins
       andalusische Regionalparlament im vergangenen Dezember jetzt auch mit einem
       zweistellige Ergebnis bei den spanischen Parlamentswahlen am kommenden
       Sonntag rechnen darf, möchte von Journalisten nichts wissen. Vor allem, wer
       kritisch über die ausländer- und frauenfeindliche Formation berichtet, wird
       aus dem Verteiler gestrichen. Weder mails noch Anrufe werden beantwortet.
       
       Alles begann mit einer Verwechslung in der Gruppe, die die Partei für
       Journalisten im Messenger WhatsApp eingerichtet hatte. Dort hatte der
       stellvertretende Vox-Pressechef Manuel Mariscal aus Versehen eine Nachricht
       gepostet, die Aufschluss über die Kommunikationsstrategie gibt. Vox war
       kurz zuvor nicht zu einer Fernsehdebatte zugelassen worden, da dort nur
       Parteien teilnehmen, die bereits im Parlament sitzen.
       
       „Wenn die Presse uns fragt, werden wir unseren Ärger kundtun, weil wir die
       Debatte gewonnen hätten. Wir sollten kein Wort darüber verlieren, dass uns
       das alles sehr gelegen kommt“, heißt es dort. Zwei Journalisten
       veröffentlichten dies in ihren Medien, einem Radio und einer
       online-Zeitung. Wenig später wurden sie aus der WhatsApp-Gruppe entfernt.
       
       Das gleiche Schicksal ereilte kurz danach diejenigen, die über eben diese
       Repressalie berichteten. Auf Nachfrage der größten spanischen Tageszeitung
       El País bei Vos wurde mitgeteilt, die El País-Autoren seien „Manipulatoren“
       und El País ein „Medium, das Fakenews verbreitet“. Das gewerkschaftsnahe
       online-Blatt El Plural wurde kurzerhand zur „extremen Linken“ erklärt.
       
       ## Kopie der Strategie Trumps
       
       Auch die Lokalzeitung Diario de Mallorca, die aufdeckte, dass eine von Vox
       verbreitete Nachricht über eine Aggression von „Feminazis“ – so nennt die
       Partei die Feministinnen – gegen ein Mädchen, frei erfunden war, wurde
       gesperrt.
       
       Vox kopiert die Strategie des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump.
       Die Partei, deren Gründer alle aus der konservativen Partido Popular (PP)
       ausgestiegen sind, werden wie Trump vom rechten Kommunikationsspezialisten
       Steve Bannon beraten.
       
       Vox-Parteichef Santiago Abascal wettert auf seinen Wahlkampfveranstaltungen
       gerne gegen die „linke Mediendiktatur“. Er schimpft auf La Sexta, einen
       Privat-TV-Sender, der gerne die linksalternative Unidas Podemos zu Wort
       kommen lässt und Vox scharf kritisiert. Jetzt verspricht er gar, im Falle
       eines Wahlsieges den Sender zu schließen.
       
       Doch längst legt sich Abascal, der so gut wie keine Interviews gibt, nicht
       nur mit fortschrittlichen Medien an. Auch die konservative Tageszeitung ABC
       wurde zum Feind erklärt. Sie hatte es gewagt, Kritik Abascals zu
       kritisieren, der freien Waffenbesitz fordert. Als „Medium der feigen
       Rechten“ beschimpft Vox das Blatt seither.
       
       Auch das öffentliche Fernsehen in Katalonien, TV3, würde Abascal gerne
       schließen. Der Sender müsse zum Schutz der spanischen Einheit aufgelöst
       werden, argumentiert er. „Mit dem Geld, das wir nicht an TV3 zahlen, können
       wir Geld eine Mauer bauen“, erklärt die Nummer zwei der Partei, Javier
       Ortega Smith.
       
       27 Apr 2019
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
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