# taz.de -- Ösi-„Bild“ hat Geburtstag: Die Kampagne als Prinzip
       
       > Die einflussreichste Zeitung Österreichs wird am Donnerstag 60 Jahre alt.
       > Was macht die „Krone“ so erfolgreich? Und wo steht sie politisch?
       
 (IMG) Bild: Dahinter steckt meistens ein Österreicher: Kronenzeitung im Wahlkampf 2008
       
       Wie übt man mit einer gedruckten Zeitung über Jahrzehnte hinweg politischen
       Einfluss aus, ohne sich dabei einem politischen Lager eindeutig anzudienen?
       Zum 60-jährigen Bestehen der Neuen Kronen Zeitung hat die österreichische
       Rechercheplattform [1][dossier.at] ein 100-seitiges Heft über die
       Geschichte des einflussreichen Boulevardblatts herausgebracht. Eine Arbeit
       von 29 Journalist*innen und Gestalter*innen, geschöpft aus knapp 200
       Interviews und Gesprächen, nach eigenen Angaben der Redaktion. Im Herbst
       hatte dossier.at per Crowdfunding 60.000 Euro für das Projekt gesammelt.
       Das Interesse an einer Recherche über die österreichische Boulevardzeitung
       war offenbar groß, über 1.200 Menschen kauften das Heft unbesehen.
       
       „Die Krone ist allein durch ihre Auflage und Reichweite eine
       journalistische Macht im Land“, sagt Sahel Zarinfard, bei dossier.at
       zuständig für Recherche und neue Darstellungsformen. Die 100 Seiten mit dem
       Titel „Wer hat Angst vor der Kronen Zeitung?“ enthalten eine Rekonstruktion
       der Entstehungsgeschichte der Krone und die Verwicklungen des Gründers Hans
       Dichand in die österreichische Politik, begleitet von Illustrationen im
       Stil einer Graphic Novel und aufgeschrieben als Agententhriller. Weiter
       hinten folgen Analysen der Themenauswahl über die Jahre, der
       wiederkehrenden ethischen Grenzüberschreitungen, sowie der staatlichen
       Gelder, die in Form von Presseförderung und Anzeigen an die Krone fließen.
       
       Die Krone erreicht geschätzt drei Millionen Leser*innen – mehr als jede*r
       dritte Österreicher*in hält sie täglich in der Hand. Zum Vergleich: Die
       Bild, auflagenstärkste Tageszeitung in Deutschland, erreichte 2018
       geschätzt gut 9 Millionen Menschen, damit „nur“ rund jede neunte Person.
       Diese Verhältniszahlen sind aussagekräftiger als die absoluten, wenn man
       den politischen Einfluss der Krone verstehen will.
       
       Gegründet hat das Blatt 1959 der Wiener Verleger Hans Dichand, der damals
       die Titelrechte der älteren Kronen Zeitung kaufte und am 11. April die
       erste Neue Kronen Zeitung herausbrachte. Heute gehört die Zeitung und das
       angeschlossene Medienhaus Mediaprint anteilig [2][den Dichand-Nachkommen],
       [3][dem Karstadt-Eigner René Benko] und [4][der deutschen
       Funke-Mediengruppe]. Benko hat diese Woche seine Absicht verkündet, dem
       gebeutelten Funke Verlag seine Anteile noch abzukaufen.
       
       ## Selbst wie eine Partei
       
       Die Krone ist wie kaum ein anderer Titel ein Beispiel dafür, wie man mit
       Zeitung Politik machen kann. Kampagnenjournalismus ist bei der Krone kein
       Schimpfwort und kein Beiwerk, sondern Prinzip.
       
       Leicht entsteht der Eindruck, die Krone stehe per se weit rechts. Immerhin
       förderte sie in den 90er-Jahren den rechten Politiker Jörg Haider. Aber so
       einfach sei die ideologische Einordnung nicht, sagt Sahel Zarinfard. „Die
       Kronen Zeitung lässt sich keiner Partei zuordnen, sie ist nicht
       sozialdemokratisch, rechtspopulistisch oder konservativ, sie agiert oft
       selbst wie eine Partei.“
       
       Die Kampagnen aus 60 Jahren Krone zeigten keine klare politische Richtung,
       es gebe immer Gegenbeispiele. In den 70er- und 80er- Jahren stützt die
       Krone die aufkommende Umweltbewegung, ohne jedoch dabei grün oder links zu
       werden. Auch Sozialpolitik liegt dem Blatt nahe, was sie aber nicht
       sozialdemokratisch macht. Patriotismus gehört zum Grundton, ohne dass die
       Krone klar den Konservativen oder Rechtspopulisten nahestünde.
       
       Das hinge mit einer Mischung aus politischem und unternehmerischem Kalkül
       zusammen, glaubt Zarinfard. „Die Mehrheitsmeinung ist das, was die Krone
       antreibt – oder zumindest das, was sie glaubt mehrheitsfähig zu sein.“
       
       Denn zwar unterstützte die Krone einst Haider, nicht aber seine Koalition
       mit den Konservativen unter Bundeskanzler Schüssel ab 1999 – denn die
       entsprach aus Sicht Dichands nicht dem Wählerwillen.
       
       Aber wie errät man, was die Mehrheit will? Recherchen zum Innenleben der
       Krone scheiterten an einer „Mauer des Schweigens“, die der Verlag aufbaue,
       meint Zarinfard. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus Gefühl, Poker und
       Erfahrung. Und die Zeitung lag auch mal daneben. Anfang 2013 vertritt die
       Krone offensiv die Forderung nach Abschaffung der Wehrpflicht. Bei der
       folgenden Volksbefragung stimmten dann aber 60 Prozent für ihren Erhalt.
       
       11 Apr 2019
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Politiker schreiben an "Kronen Zeitung": Lieber Herr Dichand...
       
       Die österreichische "Kronen Zeitung" schreibt Politiker hoch oder versenkt
       sie. Derzeit überbieten sich die Politiker mit Briefen an den Herausgeber.